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Infektiologie 1. Oktober 2014

Wiener Forscher entdecken Infektionsschutz der Lunge

Antibiotikum aus dem Pleurazwischenraum – 

Die Lunge ist als Organ mit der größten Kontaktfläche zur Umwelt – der Luft – ständig mit Krankheitskeimen konfrontiert. Das würde für eine hohe Infektionsrate speziell nach Lungenoperationen sprechen. Wissenschaftler der MedUni Wien dürften jetzt einen Grund dafür entdeckt haben, warum dem nicht so ist: körpereigene Abwehrstoffe in der Pleuraflüssigkeit. 

Das Wissenschaftlerteam von der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie (Leiter: Prof. Dr. Walter Klepetko) und der Univ.-Klinik für Dermatologie (Prof. Dr. Erwin Tschachler) im Wiener AKH um Dr. Konrad Hötzenecker und Dr. Hendrik Ankersmit sowie Dr. Michael Mildner veröffentlichte seine Ergebnisse jetzt in den Annals of Thoracic Surgery. „Die Lunge wird als nicht steriles Organ angesehen. Chirurgische Eingriffe finde damit mehr oder weniger in einem kontaminierten Operationsfeld statt. Trotzdem ist die Rate an Komplikationen durch Infektionen auch bei großen Eingriffen mit der Entfernung von Lungengewebe niedrig“, erklären die Autoren.

Um ihre Hypothese zu beweisen, wonach körpereigene, antimikrobiell wirkende Eiweißbestandteile (AMPs) hier einen Schutz darstellen könnten, sammelten die Wissenschaftler die Flüssigkeit aus Ergüssen nach solchen Operationen in der Pleurahöhle. Bei der Untersuchung der Flüssigkeit zeigte sich ein hoher Anteil von Peptiden, welche gegen bakterielle Keime wirken. Das ließ sich auch im Labor testen: Es gab einen Effekt sowohl gegen Bakterien wie E. coli und Pseudomonas aeruginosa (gram-negativ) als auch gegen gram-positive Krankheitserreger (z. B. Staphylococcus aureus und Streptokokken). Die antimikrobiell wirkenden Peptide sind offenbar Teil des angeborenen Immunsystems und stellen eine erste Abwehr gegen Krankheitserreger rund um die Lunge dar. „Das ist der erste Hinweis auf eine starke Konzentration von AMPs in der Pleuraflüssigkeit nach Operationen. Unsere Ergebnisse könnten den breiten Schutz vor Komplikationen durch Infektionen der Pleurahöhle nach großen chirurgischen Eingriffen an der Lunge erklären“, stellten Hötzenecker und Ankersmit fest.

Finanziert wurde die Studie durch das Christian Doppler Labor für Diagnose und Regeneration in Herz- und Thoraxerkrankungen. ki/APA

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