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© Ekaterina_Marory / iStock
 
Infektiologie 3. Juni 2014

Reiselust mit Selbstverantwortung

Richtige Vorsorge kann den Großteil unangenehmer Gesundheitsüberraschungen im Urlaub vermeiden.

Die Nachricht war ein Schock für die Welt der Kultur und der Reisenden: Der bekannte Regisseur Michael Glawogger starb innerhalb weniger Tage bei Dreharbeiten in Liberia an der besonders gefährlichen Malaria tropica.

Das Risiko einer Malariaerkrankung kann durch eine gezielte Prophylaxe weitgehend reduziert werden. Wenn trotzdem Fieberschübe auftreten, muss sofort behandelt werden. „Heute muss niemand mehr an Malaria sterben“, postuliert Univ. Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für Spezielle Prophylaxe und Tropenmedizin, Hygiene und Mikrobiologie, Med.Uni. Wien. Selbstverantwortung ist unbedingt gefordert!

Ein mit besonderem Interesse aufgenommenes Thema im Rahmen der Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming war denn auch das Update der Reisemedizin, referiert vom kompetenten Experten Kollaritsch. Gerade für die Vorbereitung einer Reise und die Zusammenstellung einer Reiseapotheke können der Arzt und der Apotheker praktische Ratschläge geben.

Überprüfung der Impfungen

Je nach Reiseziel müssen die Impfungen überprüft werden. Allerdings herrscht immer noch eine gewisse Impfskepsis. „Der Begriff Nebenwirkung ist irreführend, er suggeriert eine Ursächlichkeit mit der Impfung selbst. Richtiger ist es, von unerwünschten Ereignissen nach Impfungen zu sprechen. Nach Impfungen ausgelöste Reaktionen können auch durch zufällig zeitlich zusammentreffende Erkrankungen ohne Kausalrelation zur Impfung ausgelöst werden“, entkräftet Kollaritsch die Voreingenommenheit. Bei Patienten mit bereits bestehenden Krankheiten, insbesondere mit einer positiven Anamnese eines anaphylaktischen Zwischenfalls, empfiehlt Kollaritsch allerdings eine selektive Produktwahl, z.B. hühnereiweißfreie Impfstoffe, Antihistaminika-Prämedikation und Nachbeobachtung.

Gelbfieber, lebenslanger Schutz

Eine Revision der Impfempfehlung für Gelbfieber bringt für Reisende eine Erleichterung. Darin heißt es, dass eine Gelbfieberimpfung einen lebenslangen Schutz induziert. Eine Auffrischung zur Aufrechterhaltung der Immunität sei demnach nicht erforderlich.

Polio, Meningokokken und Sexually Trasmitted Diseases

Eine echte Infektionsgefahr für Europa sieht Kollaritsch durch die steigenden Importe des Poliovirus aus Herden in Somalia, Syrien, Rumänien, Bosnien und der Ukraine. „Das ist eine Zeitbombe, es gibt keine ausreichende Kontrolle der Flüchtlingsströme, die Impfaktionen sind derzeit vermutlich nicht wirklich erfolgreich. Risikopersonen müssen zur Impfung angehalten werden, die Überwachung muss wirklich ernst genommen werden,“ fordert Kollaritsch. Der österreichische Impfplan sieht deshalb wieder eine Polio-Impfung für Einwanderer vor.

Zukunftsaspekte gibt es für die Impfung gegen Meningokokken B. Der Impfstoff Bexsero wurde im Jänner 2013 zugelassen, ist in Österreich aber noch nicht verfügbar. Kollaritsch rät dazu, weitere Erfahrungen und Studienergebnisse abzuwarten.

Die Reiselust bringt auch vermehrte Möglichkeiten zu sexuellen Kontakten. Als das Humane Papilloma Virus HPV bereits Anfang der 80er Jahre in der Gesellschaft der Ärzte in Wien von dem Dermatologen Univ.-Prof. Dr. Walter Gebhart unter dem Titel „Geschlechtskrankheiten und Krebs“ vorgestellt wurde, hatte man die Warnung nicht ernst genommen. Es ging vorerst darum, den ursächlichen Zusammenhang der Entstehung des Gebärmutterhals-Krebses mit dem HPV aufzuzeigen. Heute weiß man, dass HPV bei Frau und Mann für die Entstehung auch vieler anderer Tumoren direkten Bezug, hat. Bekanntestes Beispiel dafür ist der Schauspieler Michael Douglas. Deshalb empfiehlt der Impfplan 2014 eine Impfung von Knaben und Mädchen ab dem vollendeten 9. Lebensjahr im Gratisprogramm. Warum so früh? „Noch vor einer Ansteckungsmöglichkeit, überdies ist die Immunantwort in dieser Altersgruppe besonders hoch. Der tetravalente Impfstoff (6,11,16,18), wird zweimal im Abstand von sechs Monaten verabreicht. Die Arzneimittelsicherheit, die anfänglich bezweifelt wurde, ist heute mit über 50.000 Datensätze aus kon-trollierten klinischen Studien und bereits über 170 Millionen verimpften Dosen eindeutig belegt. Der Apotheker ist gerade bei diesen Fragen idealer Ansprechpartner, um Eltern zu beraten und aufzuklären und Bedenken auszuräumen

Sonne und Luftfeuchtigkeit gefährden die Haut

Der Massenfremdenverkehr führt auch zu einer Internationalisierung der Hautkrankheiten. Infektionen der Haut mit Staphylococcus aureus und Streptokokken der Gruppe A treten vor allem in subtropischen und tropischen Gebieten auf. Als „Kreuz des Sommers“ werden diese unangenehmen Infektionen mitunter bezeichnet. Die vermehrte Hautdurchfeuchtung fördert die Ansiedelung von Keimen jeder Art. Aber auch die Verstopfung der Schweißdrüsenausgänge kann zur Ausbildung eines Exanthems, - Miliaria, Schweißfriesel - führen. Bis zu 30 Prozent der Europäer erkranken im feuchten, heißen Klima an dieser Hauteruption, Adipöse und Kinder sind besonders gefährdet. Schon eine Nacht in kühler Umgebung führt zu einer deutlichen Besserung. Eine Schüttelmixtur zur Austrocknung der Haut und eine Reinigungsmilch oder Kühlsalbe helfen.

Bei Personen mit Neurodermitis kann es durch Sonneneinstrahlung zur polymorphen Lichtdermatose kommen, im Volksmund auch Sonnenallergie genannt. Vorbeugen kann man schon vor dem Urlaub mit UV-Hardening-Therapien, Solarien oder PUVA. Auch bei der Auswahl von Sonnenschutzmitteln soll vor Reiseantritt Rat beim Dermatologen und beim Apotheker eingeholt werden, dasselbe gilt auch für die richtige Auswahl von Insektenschutzmitteln und Sprays.

Quelle : Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer, Schladming, 22.-28. Februar 2014

Das reisemedizinische Quiz

Wie jedes Jahr ist der Quiz für die Beantwortung reisemedizinischer Fragen der Höhepunkt der Fortbildung mit Tropenmediziner Herwig Kollaritsch. Damit wird auch demonstriert, wie umfassend die Reisemedizin heute ist und wie viel Fachwissen vom Apotheker verlangt wird.

Dazu einige Beispiele:

• Wieviele Lebendimpfungen und Totimpfungen darf ich an ein und demselben Tag verabreichen? Beliebig viele können zeitgleich verabreicht werden.

• Eine 38-jährige Schwangere hat mit 13 Jahren eine Rötelnimpfung erhalten, ansonsten ist keine Anamnese erhebbar. Was empfehlen Sie? 2 MMR-Impfungen post partem im Abstand von mehr als vier Wochen

• Eine 37-jährige Kindergärtnerin teilt mit, dass eines ihrer Kindergartenkinder an Varizellen erkrankt ist. Sie weiß nicht, ob sie jemals Schafplattern hatte. Was ist als erstes zu tun? Sofort Varizellen-Impfung

• Ein Wanderer wird in der Steiermark von einer Zecke gebissen. Er hat zwei FSME Impfungen vor elf Jahren bekommen, wie gehen Sie vor? Eine so lange zurückliegende Basisimmunisierung gegen FSME mit 2 TI ist mit einer Impfung auffrischbar. Eine Titerkontrolle zur Absicherung ist aber sinnvoll.

• Wie gehe ich bei einem korrekt prophylaktisch gegen Tollwut Geimpften im Falle eines Tierbisses vor? Wundversorgung plus aktiver Immunisierung 0-3. Unabhängig, wie lange die GI zurückliegt!

G. Niebauer, Apotheker Plus 5/2014

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