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© Vetmed Vienna/Nowotny
Das Dromedar als Viren-Reservoir
 
Infektiologie 12. Mai 2014

Virus von Kamel auf Mensch übertragbar

Wiener Forscher bestätigen: MERS-Coronavirus überspringt die Artengrenze leichter als SARS.

Das MERS-Coronavirus breitet sich derzeit in der arabischen Welt rasant aus. Es betrifft Menschen und Dromedare und kostete mittlerweile mehr als 100 Personen das Leben. Forschende der Vetmeduni Wien präsentieren nun Erkenntnisse, die eine Übertragung zwischen Tier und Mensch vermuten lassen.

Das Middle East Respiratory Syndrome MERS-Coronavirus wurde im Juni 2012 in einem Patienten aus Saudi Arabien gefunden. Seither infizierten sich mehr als 300 Menschen auf der Arabischen Halbinsel, wovon etwa ein Drittel starb (einige Patienten erkrankten allerdings erst nach der Rückkehr in ihre Heimatländer). Dass Dromedare der Ursprung der Infektionskrankheit sind, gilt seit Kurzem als bestätigt. Das Virus führt beim Menschen zu schweren Lungenentzündungen und zu Nierenversagen, während Kamele keine oder kaum Symptome – eventuell Nasenausfluss – zeigen.

Die Virologen Prof. Dr. Norbert Nowotny und DI Dr. Jolanta Kolodziejek vom Institut für Virologie an der Vetmeduni Wien erforschen die Übertragungswege des MERS-Coronavirus und erkannten, dass die Viren aus Menschen und Dromedaren aus derselben Region fast identische RNA-Sequenzen aufweisen. Nowotny: „Das deutet auf eine Übertragung zwischen Tier und Mensch hin.“

Übertragungsweg über Mund und Augen

Die Forscher untersuchten Nasenschleimhaut- und Bindehautabstriche von 76 Dromedaren aus dem Oman. In fünf Tieren fanden sie das MERS-Coronavirus und verglichen die virale RNA mit jener von MERS-Coronaviren aus Katar und Ägypten. Die Analyse zeigte, dass sich die Viren regional unterscheiden. „Dies bedeutet, dass es keinen spezifischen „Kamel-MERS-Coronavirus-Stamm“ gibt, sondern dass ein und dasselbe Virus Kamele und Menschen infiziert“, so Studienleiter Nowotny. Die Virus-Mengen im Nasen- und Augensekret der Dromedare waren überraschend hoch. Die Forschenden gehen deshalb davon aus, dass der Übertragungsweg von Tier auf Mensch höchstwahrscheinlich über diese Kontaktstellen passiert, vor allem über Nasensekret. Das Virus wird auch von Mensch zu Mensch übertragen.

Enge Verwandtschaft mit SARS mittlerweile bestätigt

Das MERS-Coronavirus ist eng mit dem SARS-Coronavirus verwandt. SARS nahm seinen Ursprung in China und forderte in den Jahren 2002 und 2003 mehr als 800 Todesfälle weltweit. „Während das SARS-Coronavirus vermutlich nur einmal die Artenbarriere übersprang, indem es von Fledermäusen auf den Menschen überging, müssen wir beim MERS-Coronavirus von laufenden Übertragungen von Kamelen auf Menschen ausgehen“, sagt Nowotny. Dass MERS-Coronaviren Dromedare infizieren, zeigte Nowotnys Studiengruppe bereits in einer früheren Untersuchung, in der sie Antikörper gegen das Virus in den Tieren nachwiesen (http://bit.ly/1kL2OJR). Die aktuelle genetische Analyse der MERS-Coronaviren selbst lässt nun noch genauere Rückschlüsse zu.

 

Der Artikel „Middle East respiratory syndrome coronavirus (MERS-CoV) in dromedary camels, Oman, 2013“ von Nowotny N. und Kolodziejek J. wurde im Journal Eurosurveillance veröffentlicht. http://bit.ly/PK1KMx

RM/ Vetmed Wien, Ärzte Woche 20/2014

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