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Infektiologie 28. April 2014

Generationenübergreifender Abwehrmechanismus

Kinder, die während einer Masernepidemie gezeugt wurden, waren 15 Jahre später widerstandsfähiger gegen Pocken.

Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock untersuchten tödliche Masern- und Pocken-Epidemien in der kanadischen Provinz Québec des 18. Jahrhunderts. Kinder, die dort während der Masernwelle der Jahre 1714/15 gezeugt wurden, starben deutlich seltener am Ausbruch der Pocken 15 Jahre später als Kinder, die vor den Masern gezeugt worden waren.

„Der Mechanismus kann dabei weder rein genetisch sein, noch ist die entwickelte Resistenz auf einzelne Erreger beschränkt“, sagt Kai Willführ, Erstautor der Studie ( PLOS ONE 2014; online 16. April ). Ein solcher Weitergabe-Mechanismus zwischen Eltern und Kind wird „funktionaler trans-generationaler Effekt“genannt: Die Eltern, die zum Zeitpunkt der Empfängnis eine erhöhte Belastung durch Masernerreger erlebten, gaben den Kindern nicht nur mehr Schutz gegen diesen einen Infekt mit. Die Abwehr von Erregern funktionierte in der nächsten Generation offenbar generell besser, auch im Kampf gegen andere Krankheiten wie Pocken.

Pocken-Sterblichkeit ein Siebtel

Der Zeitpunkt ihrer Empfängnis entschied für viele der Kinder während der Pockenepidemie um das Jahr 1730 über Leben oder Tod: Die Wahrscheinlichkeit, an den Pocken zu sterben, lag für während der Masernwelle 1714/15 gezeugte Kinder nur bei einem Siebtel der „normalen“ Sterbewahrscheinlichkeit ihrer Geschwister, die vor dem Masernausbruch gezeugt und geboren worden waren.

Der Preis dafür war allerdings hoch: Die Sterblichkeit der während der Pocken so widerstandsfähigen Kinder war in der Zeit zwischen den Krankheitswellen 1714/15 und 1730 dreimal so hoch wie die der gegen Pocken anfälligeren Geschwister. „Offenbar ist das Abwehrsystem der Kinder auf eine Welt mit hoher Erregerbelastung optimiert, wenn sie bei der Zeugung hoch war“, sagt Willführ. Zu einer Welt mit wenigen Erregern passt es dann aber anscheinend weniger gut und funktioniert schlechter.

Mehr als nur schlichte Immunität

„Die Masern können nur während der Zeugungs- und Schwangerschaftsphase einen Anreiz gesetzt haben, den die Eltern dann auf die nächste Generation übertrugen“, sagt Willführ. Denn als die Kinder, die während der Hochphase der Masernepidemie gezeugt wurden, zur Welt kamen, war die Masernwelle schon wieder vorbei – die Erreger waren also nicht mehr in der Umwelt.

Dass die Kinder schlichtweg immun geworden sind, lässt sich laut Willführ ausschließen. Es ist zwar möglich, dass die Mutter ihre eigene Immunisierung durch Antikörper an den Nachwuchs weitergibt. Das funktioniert über die Plazenta und die Muttermilch. Doch diese Art der Abwehr würde nur vor derselben Krankheit schützen, gegen die auch die Mutter immun war.

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