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© Sebastian Schreiter / Springer Verlag
 
Infektiologie 1. April 2014

Nur jede vierte Infektion mit Symptomen?

Influenzawellen in hohem Maße unterschätzt.

Nach neuesten Daten aus Großbritannien gibt es offenbar mehr Influenzafälle als bislang bekannt. Denn die allermeisten verlaufen offenbar asymptomatisch.

Drei Viertel aller Influenzainfektionen verlaufen offenbar asymptomatisch. Die Folgen: Die Patienten stellen sich nicht beim Arzt vor und die epidemiologische Beobachtung von Influenzawellen liefert nur ein Bild von der „Spitze des Eisberges“. Zu diesen Schlüssen kommen zumindest britische Forscher um Dr. Andrew Hayward vom University College in London nach der Auswertung einer großen Kohortenuntersuchungen über fünf aufeinanderfolgende Influenzaperioden.

Die Forscher hatten für ihre „Flu Watch Studie“ seit 2006 über Dutzende Hausarztpraxen in Großbritannien freiwillige Teilnehmer rekrutiert. Die Haushalte und ihre dort lebenden Personen hatten sie seit Beginn der Influenzasaison 2006/2007 bis zum Ende der Saison 2010/2011 begleitet.Die Zahl der teilnehmenden Haushalte schwankte von Saison zu Saison ebenso wie die Zahl der rekrutierenden Arztpraxen. Am höchsten war sie während der H1N1-Pandemie in der Saison von Ende 2009 bis 2010. Über die Zeit kamen 5.448 „Personensaisons“ zusammen (Lancet Respir Med 2014; online 17. März).

Den Teilnehmern wurden jeweils vor und nach der Saison Blutproben abgenommen und die Influenzaserologie bestimmt. Während der Periode wurden die Haushalte wöchentlich befragt, ob es Erkrankungsfälle gibt. Bei ersten Symptomen mussten die Probanden zwei Tage nach dem ersten Auftreten nasale Abstriche nehmen, über die die Influenzastämme bestimmt wurden.

Den Ergebnissen zufolge erkrankten im Schnitt 18 Prozent aller ungeimpften Personen. Einen Unterschied zwischen der normalen saisonalen Influenza und der Pandemie von 2009 fanden die Forscher nicht. Auffällig war jedoch, dass immerhin 77 Prozent von diesen „erkrankten“ Personen keinerlei Symptome entwickelten. Selbst bei den Fällen, in denen ein positiver Influenzabefund mittels PCR erhoben werden konnte, gingen nur 17 Prozent der Betroffenen zum Arzt.

Für die Forscher wird anhand dieser Daten deutlich, dass die heutige Überwachung die eigentlichen Influenzawellen „in hohem Maße unterschätzt“. In ihrer Studie seien die gemessenen Raten von Influenzaerkrankungen 22-mal höher gewesen als vom britischen Influenza-Warndienst ermittelt.

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