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Elektronenmikroskopische Aufnahme des Tuberkulose-Erregers Myobakterium tuberculosis.
 
Infektiologie 17. Jänner 2014

Tuberkulose: Alarm in Südafrikas Spitälern

Schwerkranke TB-Patienten entlassen.

Das sollte weltweit bei den Verantwortlichen für die Bekämpfung der Tuberkulose die Alarmglocken läuten lassen: Laut einer in der angesehenen Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" publizierten Studie werden in Südafrika Patienten mit extensiv resistenter Tuberkulose (XDR-TBC) nicht ausgeheilt aus den Spitälern heimgeschickt und können die Krankheit weiter verbreiten.

"Alarmierender Weise konnten wir zum ersten Mal zeigen, dass - abseits von sporadischen und isolierten Fällen von Therapieversagen oder Beinahe-Therapieversagen in anderen Ländern - Patienten in Südafrika systematisch und auf landesweiter Ebene (aus den Spitälern; Anm.) in die Gesellschaft entlassen werden. Diese Patienten können Monate und Jahre überleben und tragen zur Verbreitung der XDR-Tuberkulose bei", stellte Keertan Dheda von der medizinischen Fakultät von Kapstadt fest.

Die Wissenschafter besorgten sich Informationen über 107 Patienten mit XDR-Tuberkulose aus drei südafrikanischen Provinzen zwischen März 2008 und August 2012. Die TB-Erreger von 56 der Betroffenen wurden genetisch sequenziert und ihr Ansprechen auf insgesamt zehn Tuberkulose-Medikamente getestet.

Die Ergebnisse waren niederschmetternd. Trotz Therapie mit durchschnittlich acht der Arzneimittel waren die Behandlungsergebnisse schlecht. Fünf Jahre nach Beginn der Behandlung waren bereits 74 Prozent von ihnen gestorben. Zwei Drittel von ihnen hatten eine resistente TB gegen zumindest acht der Medikamente, in einem Fall lag eine Resistenz gegen alle zehn für diese Verwendung bekannten Arzneimittel vor.

Noch ansteckend

Am beunruhigendsten allerdings: Von den Patienten mit XDR-Tuberkulose, die aus den Spitälern entlassen worden waren, wiesen 42 Prozent auf TB positive Labortests auch nach einem Jahr Behandlung auf, fast ein Drittel konnte in diesem Zustand weitere Menschen anstecken. Dheda führt die Misere vor allem darauf zurück, dass die Spitäler in Südafrika viel zu wenig Platz für die Patienten haben und es auch keine TB-Sanatorien gibt - genauso wenig wie eine entsprechende ambulante Versorgung.

Multiresistente und XDR-Tuberkulose droht weltweit die Bemühungen in der Zurückdrängung der TB als Krankheit der Armen zunichte zu machen. Bei der XDR-Tuberkulose sind die Erreger gegen die primären und zum allergrößten Teil auch gegen die bei Therapiefehlschlägen sekundär verwendeten Arzneimittel resistent.

Die Angelegenheit ist bei weitem nicht "nur" das Problem von Staaten wie Südafrika. Rund 78.000 Menschen erkranken in der Europäischen Region der WHO jährlich an M/XDR-TB, in der Europäischen Region liegen mehr als die Hälfte der Länder mit den weltweit höchsten M/XDR-TB-Raten. In Österreich wurden 2011 laut AGES 20 solcher Erkrankungen registriert, 2009 waren es 22, 2010 schließlich 16. Die Situation ist damit weitgehend stabil.

Kostenfrage

Das Problem liegt darin, dass weniger als 50 Prozent der Patienten mit diagnostizierter MDR-TB erfolgreich behandelt werden. Die Therapie von M/XDR-TB-Patienten dauert länger, kostet ein Hundertfaches und bringt häufigere und schwerere Nebenwirkungen mit sich als die Behandlung einer gewöhnlichen Tuberkulose. Eine an Tuberkulose oder M/XDR-TB erkrankte Person, die nicht behandelt wird, kann jedes Jahr zehn bis 15 weitere Personen anstecken, von denen ca. zehn Prozent dann früher oder später ebenfalls erkranken.

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