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Infektiologie 20. November 2013

Dämpfer für Grippeviren

Dummy-Versuche mit H1N1 bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Eine hohe relative Luftfeuchtigkeit im Untersuchungsraum macht Influenzaviren den Garaus. Mit der Zunahme der Luftfeuchtigkeit verlieren sie immer mehr ihre Infektiosität, wie jetzt US-Mikrobiologen in experimentellen Untersuchungen mit Dummies und Zellkulturen festgestellt haben. Die Wissenschaftler empfehlen Werte von mindestens 40 Prozent für eine wirksame Verringerung der Infektiosität.

Für ihre Versuche unter kontrollierten Bedingungen bauten sie einen luftdichten Raum in der Größe eines normalen Untersuchungszimmers und platzierten darin zwei Dummies im Abstand von 2 m. Der eine Dummy simulierte eine hustende Person, der andere eine normal atmende. Husten und Atmen der Dummies wurden synchronisiert, indem jeder Husten – mit definiertem Volumen – jeweils zu Beginn des Einatmens ausgelöst wurde. Die Wissenschaftler um Dr. John D. Noti von den CDC in Morgantown verwendeten den Influenzastamm A/WS/33 (H1N1) und zur Ermittlung der Infektiosität Nierenzellkulturen von Hunden. Die Aerosolpartikel mit den Influenzaviren waren kleiner als 1 µm, zwischen 1 und 4 µm und über 4 µm groß.

Die relative Luftfeuchtigkeit erreichte 73 Prozent

Die relative Luftfeuchtigkeit in dem Versuchsraum ließ sich zwischen 7 und 73 Prozent bei konstanter Raumtemperatur einstellen. Eingesammelt wurden die Partikel jeweils bei 20°C Raumtemperatur. Die meisten Viren befanden sich in den Aerosolpartikeln mit einem Durchmesser ‹4 µm, nur 7,5 Prozent in den größeren Partikeln.

Um beurteilen zu können, wie schnell Influenzaviren mit Zunahme der relativen Luftfeuchtigkeit inaktiviert werden, wurden die Aerosolpartikel zu bestimmten Zeitpunkten nach dem Husten eingesammelt: nach 0 bis 15 min, 16 bis 30 min, 46 bis 60 min sowie nach vier bis fünf Stunden, und zwar bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 20 bis 45 Prozent.

Partikelgröße bedeutungslos

Die Kernerkenntnis aus den Dummy-Versuchen: Eine Stunde nach dem Husten sind bei einer relativen Luftfeuchtigkeit zwischen 7 und 23 Prozent fünf Mal mehr Viren infektiös als bei über 43 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Infektiosität lag in trockener Luft zwischen 71 und 77,3 Prozent, in der feuchteren Luft dagegen nur noch zwischen 14,6 und 22,2 Prozent. Und das war weitgehend unabhängig von der Partikelgröße der Aerosole.

Am stärksten wurden die Viren in der ersten Viertelstunde nach dem Husten inaktiviert – mit über 90 Prozent in der Fraktion mit den größten Partikeln. Die Virusaktivität nahm kontinuierlich bis fünf Stunden nach dem Husten ab, und zwar gleichermaßen bei niedriger wie hoher Luftfeuchtigkeit und unabhängig von der Partikelgröße. Viren in den kleinsten Aerosolpartikeln verlören dabei offenbar deutlich langsamer ihre Aktivität als in den größten Partikeln, so Noti und seine Kollegen (PLoS ONE 2013; 8(2): e57485).

In Untersuchungszimmern nachträglich die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen, um die Übertragung der Viren zu verringern, ist nach Ansicht der Wissenschaftler wahrscheinlich wenig praktikabel. Sinnvoller sei es, bereits bei der Planung von Kliniken und Praxen mehr darauf zu achten, entsprechende Geräte für eine Klimatisierung mit der erforderlichen Mindestluftfeuchtigkeit zu installieren.

springermedizin.de/ple , Ärzte Woche 47/2013

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