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© Sebastian Schreiter / Springer Verlag GmbH
Dank neuer Entwicklungen konnte abhängig vom jeweiligen Genotyp des Hepatitis-C-Virus und Beginn der Therapie eine Heilungsrate von bis zu 90 Prozent erreicht werden.
 
Infektiologie 24. Mai 2013

Österreicher fühlen sich schlecht informiert bei Hepatitis C

Dem Großteil der Bevölkerung fehlt es an grundsätzlichen Informationen über die Infektionskrankheit. Eine breit angelegte Kampagne soll das ändern.

Mehr als 80.000 Menschen sind in Österreich von Hepatitis C betroffen. Allerdings besteht hierzulande Aufholbedarf in Bezug auf Hepatitis-Erkennung, Prävention und Behandlung. Der Wissensstand der Bevölkerung über Hepatitis C ist gering, der Wunsch nach Information hoch. Deshalb starten die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) und ihre Kooperationspartner die breit angelegte „Aufklärungskampagne Hepatitis C“.

Laut einer aktuellen österreichischen Umfrage der Spectra Marktforschung mit der Fragestellung „Was wissen die Österreicher über Hepatitis C?“ denken 86 Prozent der Bevölkerung bei „erhöhten Leberwerten“ an Alkoholkonsum oder Übergewicht/Fehlernährung (39%) und nur etwa vier Prozent an Hepatitis C. Auch das Wissen über mögliche Übertragungswege und seine Folgen ist in der Bevölkerung sehr gering. 61 Prozent der Österreicher fühlen sich generell über Hepatitis C nicht gut informiert. Jeweils jeder Zweite hat keine Ahnung, welche Folgen eine Erkrankung haben kann bzw. ist fälschlich der Meinung, man könne sich vor einer Hepatitis-C-Infektion mittels Impfung schützen. „Nur ein Viertel der Bevölkerung weiß, dass es eine Therapie gegen Hepatitis C gibt, die zur Heilung führen kann“, berichtete Dr. Walter Wintersberger, Spectra Marktforschungsges.m.b.H. Diese Resultate decken sich mit jenen des Euro Hepatitis Care Index (www.hepindex.eu/) der ELPA (European Liver Patient Association) und EASL (European Association for Study of the Liver), der Ende des vergangenen Jahres publiziert wurde. Bei dieser Analyse wurde die Versorgung von Hepatitis-Infizierten in 30 europäischen Ländern verglichen. Österreich liegt bei diesem Ranking im Mittelfeld auf Platz 15, hat allerdings – so ergab die Analyse – Schwächen in der routinemäßigen Untersuchung der Bevölkerung und in Risikogruppen, sodass eine große Zahl von Infektionen erst spät erkannt wird, Folgeschäden auftreten und eine unbewusste Weitergabe des Virus kaum verhindert werden kann.

Diese Ergebnisse haben die Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) und ihre Kooperationspartner zum Anlass genommen, eine breit gefächerte und umfassende Aufklärungskampagne über Hepatitis C zu initiieren.

Akuter Handlungsbedarf

Hepatitis C wird bei mehr als zwei Drittel der Betroffenen – oft erst in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien – durch einen Zufallsbefund diagnostiziert, davon knapp die Hälfte im Krankenhaus. Jeder fünfte Betroffene kann nicht angeben, wo er sich infiziert hat. Und fast zwei Drittel der Diagnostizierten unterziehen sich derzeit keiner medizinischen Therapie. „Gefragt sind Präventionsmaßnahmen, aber auch Screeningprogramme, um infizierten Personen eine rechtzeitige Therapie zu ermöglichen“, betonte ao. Prof. Dr. Harald Hofer, Facharzt für Innere Medizin, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Medizinische Universität Wien, Vorstandsmitglied der ÖGGH. Aus diesem Grund soll auch die „Aufklärungskampagne Hepatitis C“ einen niederschwelligen Zugang zu Beratungs- und Testmöglichkeiten bieten. So können sich ab sofort Personen mit Verdacht auf Hepatitis C an vielen Stellen informieren: nicht nur in den Kliniken und bei Fachärzten der Gastroenterologie und Hepatologie, sondern auch bei jedem Allgemeinmediziner und in der Apotheke.

Früherkennung ist wichtig

Speziell in der Früherkennung spielt der Hausarzt eine wichtige Rolle, da er für Patienten mit den uncharakteristischen Beschwerden einer Hepatitis-C-Erkrankung häufig der erste Ansprechpartner ist. „Bei erhöhten Leberwerten oder entsprechenden Beschwerden sollte auch an Hepatitis – und nicht nur an Alkoholkonsum oder Fettleber – gedacht und der Patient bei Verdacht zu einem Facharzt für Hepatologie überwiesen werden“, betonte Prof. Dr. Manfred Maier, Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin der Medizinischen Universität Wien. Diesem obliegen die Diagnose und die Entscheidung, welche Therapie im Einzelfall den bestmöglichen Erfolg verspricht und wie lange diese gegeben werden soll. Je früher eine Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Heilungsraten bis zu 90 Prozent

Ein positiver Test ist nach heutigem Therapiestandard längst nicht mehr so dramatisch wie noch vor 20 Jahren. So lagen die Heilungschancen zu Beginn der antiviralen Therapie bei unter zehn Prozent. Dank der Entwicklungen in den letzten zwei Jahrzehnten konnten abhängig vom jeweiligen Genotyp (für das Hepatitis-C-Virus sind sechs Genotypen bekannt) Heilungsraten von bis zu 90 Prozent erreicht werden. „Möglich wurden diese Erfolge durch die Weiterentwicklung der Kombinationstherapie aus Interferon und Ribavirin sowie die Ergänzung mit der neuen Wirkstoffklasse der Proteasehemmer, welche eine Verbesserung der Heilungsraten bei Patienten mit dem schwer zu behandelnden Hepatitis-C-Virus Genotyp 1 ermöglichten“, so Hofer.

Die Therapie der Hepatitis C stellt für die meisten Patienten eine Belastung dar. Im Vordergrund stehen grippeartige Symptome ausgelöst durch Interferon sowie die Anämie, welche zu Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit führt. Zusätzlich können Depressionen, Hautausschläge und Juckreiz sowie ein metallischer Geschmack im Mund auftreten. „In dieser Phase ist es wichtig, dass der Hausarzt über das potenzielle Nebenwirkungsspektrum gut informiert ist, dem Patienten – abseits der regelmäßigen Kontrollen beim Facharzt – kontinuierlich mit Rat und Tat zur Seite steht und ihn so beim Durchhalten der Therapie unterstützt“, erklärte Maier.

Allerdings ist dabei besonders wichtig: Je früher ein Patient im Krankheitsverlauf eine Behandlung erhält und je besser sein Allgemeinzustand ist, desto besser verträgt er im Allgemeinen die Therapie. So ist bei Vorhandensein einer Leberzirrhose die Verträglichkeit (und auch die Wirksamkeit) der Therapie eingeschränkt bzw. kann eine fortgeschrittene Leberzirrhose die Durchführung einer Therapie gänzlich unmöglich machen.

Aufklärungskampagne mit vielen Kooperationspartnern

„Auch die Apotheken bieten umfassende Informationen rund um die Hepatitis C und ihre Therapie“, erklärte Mag. pharm. Viktor Hafner, Vizepräsident der Wiener Apothekerkammer. „Gerade bei einer hochkomplexen Behandlung mit antiviralen Medikamenten kommt der Therapietreue eine bedeutende Rolle zu. Werden die Medikamente falsch – zum Beispiel nicht mit der Nahrung – eingenommen, kann es zu nachhaltigen Wirkungsverlusten kommen. Die Beratung zur Einnahmen und zu Nebenwirkungen sowie die Begleitung während der Therapie sind daher besonders wesentlich.“

Unter der Ägide der ÖGGH arbeiten das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Konsumentenschutz, das Österreichische Rotes Kreuz, die Österreichische Apothekerkammer sowie die Österreichische Wirtschaftskammer, die Wiener Gebietskrankenkasse, die Ärztekammer für Wien und Merck Sharp & Dohme (MSD) Österreich gemeinsam an der Information der Bevölkerung. Geplant ist, mittels Plakaten und Kurzfilmen in den öffentlichen Verkehrsmitteln (Infoscreen) das Bewusstsein der österreichischen Bürger hinsichtlich der Gefahren einer Hepatitis-C-Infektion zu steigern.

Weiters sind Poster und Informationsfolder zur Verteilung in Apotheken, Allgemeinmedizinischen Ordinationen sowie allen Blutspendezentralen und Außenstellen der Wiener Gebietskrankenkassen vorgesehen. Interessierten wird eine Homepage mit interaktiven Tools zur Verfügung stehen.

Quelle: Pressefrühstück „Hepatitis C – Die unterschätzte Gefahr“, 7. Mai 2013, Wien

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