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Infektiologie 19. Mai 2013

Wenn das Krankenhaus „ungesund“ ist

Krankenhauskeime und postoperative Wundinfektionen sind ein europaweites Problem.

Nosokomiale Infektionen stellen europaweit ein Problem und Risiko bei einem Spitalsaufenthalt dar. Darauf wies die Initiative „Sicherheit im OP“ aus Anlass des Europäischen Infektionskongresses ECCMID 2013 in Berlin hin, der 10.000 Infektionsexperten zusammenführte.

Eine Vielzahl von in Berlin präsentierten Studien beschäftigte sich mit der Häufigkeit, Prävention und Behandlung von nosokomialen Infektionen im Allgemeinen und postoperativen Wundinfektionen. Laut einem Bericht des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) erkranken in Europa jedes Jahr etwa 4,1 Millionen Menschen an nosokomialen Infektionen. Rund 37.000 Patienten sterben daran. Der Anteil operationsbezogener Wundinfektionen (SSI) macht mit 17 Prozent einen erheblichen Teil davon aus.

Erhebliche Unterschiede zwischen Spitälern

In einer präsentierten Analyse wurden Daten von 3.394 Patienten in 20 Krankenhäusern in GB, den USA, Deutschland und Spanien ausgewertet, die an einer Infektion mit dem Bakterium Staphylococcus aureus erkrankten. 40,7 Prozent der bakteriellen Infektionen waren als nosokomial einzustufen. Fast ein Drittel der Patienten (28,3 %) starben innerhalb von 90 Tagen. Hinsichtlich der Mortalität beobachteten die Experten erhebliche Unterschiede zwischen den Krankenhäusern. Unterschiede im Patientenmanagement könnten dafür verantwortlich sein.“

SSI unterschätzt

Die Zahl von SSI wird möglicherweise unterschätzt, weil ein nicht unerheblicher Teil erst nach der Spitalsentlassung auftritt, zeigt eine weitere niederländische Studie. Ein Maastrichter Forscher-Team hatte 1.719 gefäßchirurgische Eingriffe auf SSI untersucht. Insgesamt erlitten acht Prozent der Patienten eine SSI, 39 Prozent davon wurden erst nach der Spitalsentlassung diagnostiziert – eine Infektionsüberwachung nach der Entlassung von chirurgischen Patienten ist also essenziell für eine zuverlässige Einschätzung der SSI-Rate.

Größeres Infektionsrisiko

Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Risiko, eine SSI zu erleiden, zeigte eine Leipziger Studie. Untersucht wurden insgesamt 1.230 insulinpflichtige Diabetiker, die sich einer Bypassoperation unterzogen. 6,9 Prozent der Frauen litten nach dem Eingriff unter einer operationsbezogenen Wundinfektion, bei den Männern waren es nur 4,1 Prozent.

Alter nicht immer entscheidend

Höheres Alter wird häufig mit einem höheren Risiko assoziiert, an einer SSI zu erkranken. Dass dies nicht unbedingt der Fall sein muss, sondern von der Art der Operation abhängt, zeigt eine Berliner Studie. Analysiert wurden mehr als 120.000 Hüft- und fast 89.000 Knie-Prothesenoperationen, bei denen in 0,9 bzw. 0,8 Prozent der Fälle SSI auftraten, während bei Hüfteingriffen Menschen über 50 Jahren einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt waren, mit dem höchsten Risiko bei Menschen über 85, ging bei Knieoperationen das Infektionsrisiko mit dem Alter zurück.

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