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Frisched Handschuhe anziehen - nicht nur auf pädiatrischen Intensivstationen eine sinnvolle Präventionsmaßnahme.
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Infektiologie 6. Mai 2013

Händehygiene: Ein wesentlicher Beitrag zur Heilung

Erfolgreiche Kampagne im Wiener AKH und positive Ergebnisse einer Kohortenstudie in Iowa City.

Händehygiene ist eine der einfachsten und wichtigsten Maßnahmen zum Schutz vor Übertragung von Krankheitserregern im Krankenhaus. 

 

Kampagne "Reine Hände retten Leben"

Die an der MedUni Wien und im AKH Wien laufende Händehygiene-Kampagne „Reine Hände retten Leben“, die vor einem Jahr gestartet wurde, zeigt Wirkung: „Die Händehygiene-Compliance bei den MitarbeiterInnen der MedUni Wien konnte um rund zehn Prozent gesteigert werden. Die fünf Momente der Händehygiene zur Prävention von nosokomialen Infektionen müssen immer wieder in Erinnerung gerufen werden“, sagt Elisabeth Presterl, Leiterin des Klinischen Instituts für Krankenhaushygiene, anlässlich des Welttags der Händehygiene am 5. Mai 2013. 

 „Händehygiene ist simpel, effektiv und dauert weniger als 30 Sekunden, kann aber Leben retten“, betont Presterl. „Durch die steigende Zahl von multi-resistenten Krankheitserregern muss immer wieder an die Wichtigkeit der Prävention einer Übertragung von Infektionen und deren Erregern erinnert werden.“

Zahlreiche Studien beweisen, dass Händedesinfektion das Auftreten von nosokomialen Infektionen verhindert, also Infektionen, die mit dem Aufenthalt oder die Behandlung in einem Krankenhaus oder Gesundheitseinrichtungen assoziiert werden.

Handschuhzwang: Weniger nosokomiale Infektionen


Um nosokomiale Infektionen zu vermeiden, kann das Personal angewiesen werden, bei jedem Patientenkontakt frische Handschuhe anzuziehen. Pädiater hatten so großen Erfolg.


Versorgungsforscher untersuchten in einer retrospektiven Kohortenstudie, wie sich das Tragen von Handschuhen auf die Rate nosokomialer Infektionen in den pädiatrischen Abteilungen der Universitätsklinik von Iowa City auswirkte (Pediatrics 2013; 131: e1515). Die Analyse erstreckte sich auf die Jahre 2002 bis 2010. In dieser Zeit zogen sich 686 Patienten während ihres stationären Aufenthalts eine Infektion zu, wobei diese Zahl vor dem Hintergrund von mehr als 360.000 Patiententagen im untersuchten Zeitraum zu sehen ist. In diesen neun Jahren war es dem medizinischen Personal während der Erkältungszeit vorgeschrieben, bei jedem Patientenkontakt frische Handschuhe überzustreifen.

Das Risiko eines nosokomialen Infekts sank während der Zeiten der Handschuhpflicht im Vergleich zu den handschuhfreien Perioden um 25 Prozent. Infektionen der Blutbahn ereigneten sich allgemein um 37 Prozent und im Zusammenhang mit liegenden zentralen Venenkathetern um 39 Prozent seltener. Die Gefahr, in der Klinik an einer Pneumonie zu erkranken, ging um 80 Prozent zurück.

Besonders deutlich schlugen die verminderten Risiken auf der pädiatrischen, der Neugeborenen-Intensivstation und der Station für Knochenmarktransplantationen zu Buche. In der hämatologisch/onkologischen Abteilung und auf der Normalstation fielen die Ergebnisse hingegen nicht signifikant aus. Im Jahr 2009 war die Pflicht zum Handschuh wegen der H1N1-Pandemie verlängert worden.

Die Pflicht als Last?

Die Infektionsraten waren dennoch gestiegen - für die Forscher aus Iowa ein Indiz, dass die Pflicht manchem als Last erschienen war und die Handschuhe womöglich nicht oft genug gewechselt wurden. Die Ergebnisse insgesamt sprechen in ihren Augen jedenfalls dafür, die Handschuhpflicht bei Patientenkontakten zumindest für pädiatrische Intensivstationen auf das gesamte Jahr auszuweiten.

Die Vorteile der Handschuhpflicht

  • Um 25 Prozent sank das Risiko eines nosokomialen Infekts während der Zeiten der Handschuhpflicht im Vergleich zu den handschuhfreien Perioden.
  • Um 37 Prozent seltener ereigneten sich allgemein Infektionen der Blutbahn.
  • Um 39 Prozent seltener ereigneten sich Infektionen der Blutbahn im Zusammenhang mit liegenden zentralen Venenkathetern.
  • Um 80 Prozent ging die Gefahr, in der Klinik an einer Pneumonie zu erkranken, zurück.

Informationen:

Download des Info-Plakats „5 Momente für die Händehygiene“

Groß angelegtes Händehygiene-Event am 17. Juni 2013

Das Bundesministerium für Gesundheit organisiert diesbezüglich in Kooperation mit dem Klinischen Institut für Krankenhaushygiene der MedUni Wien (Nationale Referenzzentrale für Antibiotikaresistenz und nosokomiale Infektionen), der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) und dem European Union Network for Patient Safety and Quality of Care (PaSQ) am 17. Juni 2013 eine Veranstaltung zum Thema Händehygiene. Die Veranstaltung soll einen Überblick über nationale und internationale Aktivitäten im Bereich der Händehygiene bieten.

Näheres und Anmeldung über http://www.plattformpatientensicherheit.at oder https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public  

ÄZ/rb/MUW/IS, springermedizin.at

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