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© Sebastian Schreiter/Springer Verlag GmbH
 
Infektiologie 16. April 2013

Besorgnis über neue Vogelgrippe

Neuer Vogelgrippe-Virus in China aufgetreten. Bis Montag wurden elf Tote bei 49 Erkrankungsfällen in vier Provinzen gezählt, erstmals wurde das Virus in Peking festgestellt.

Der Ausbruch der Vogelgrippe im Osten Chinas ist nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kein Grund zur Panik. Bisher gebe es nur vereinzelte Fälle und vielleicht werde es dabei bleiben, erklärte der für China zuständige WHO-Experte Michael O’Leary. Die Chefin der chinesischen Gesundheitsbehörde hatte zuvor gesagt, sie sei zuversichtlich, dass die Behörden das Virus unter Kontrolle hätten.

Das Virus H7N9 wurde bisher nur im Osten der Volksrepublik nachgewiesen. Erste Fälle sollen allerdings bereits im Februar aufgetreten sein. Die Gruppe der H7-Viren befällt normalerweise Vögel. Mit H und N werden die Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt, von denen es jeweils verschiedene Strukturen gibt.

Groß angelegte Tests nötig

Im Kampf gegen das neue Vogelgrippe-Virus H7N9 in China sind nach Einschätzung der WHO groß angelegte Tests von Geflügel erforderlich. Der Erreger werde nach aktuellen Erkenntnissen von Vögeln an Menschen weitergegeben, die Tiere zeigten aber keine Symptome, sagte WHO-Vertreter Michael O’Leary in Peking. „Das macht massive Tests der Tierpopulation nötig. Wir können nur im Labor sehen, ob sie krank sind.“ Das neue Virus unterscheide sich in seiner Wirkung auf die Tiere grundlegend von der Vogelgrippe H5N1 vor einigen Jahren. „Bei H5N1 starben besonders Hühner in großer Zahl. Wir konnten den Erreger daher viel leichter in der Population der Tiere verfolgen“, sagte O’Leary. Die meisten der Patienten wurden schwer krank: „Die Krankheit ist sehr ernst“, sagte O’Leary. Am Samstag wurde der Erreger erstmals in Peking bei einem sieben Jahre alten Mädchen festgestellt

Bisher hatten die Weltgesundheitsorganisation WHO und das chinesische Gesundheitsministerium nicht von einer Epidemie gesprochen, da die ersten Fälle lokal begrenzt auftraten. Ob sich die Lage mit dem Nachweis des Erregers in Peking ändert, war am Samstag noch nicht klar.

Ein vier Jahre alter Bub in Shanghai konnte sich allerdings von der Infektion erholen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Für O’Leary sind jedoch keine Kontrollen an chinesischen Flughäfen oder Grenzen nötig.

Kein Hinweis auf Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Bisher wurde zwar keine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen, die genauen Infektionswege sind aber noch unklar. Die Weltgesundheitsorganisation rechnete dennoch kaum mit einer Epidemie. Die Sorge war nach der Erkrankung zweier Söhne eines mit Vogelgrippe infizierten Mannes aus Shanghai gewachsen. Der Vater und einer der Söhne starben. Bei den Söhnen konnte aber nicht der Vogelgrippe-Erreger nachgewiesen werden.

Gegenmaßnahmen ergriffen

In Shanghai wurden Klassenzimmer desinfiziert; zuvor waren bereits mehr als 20.000 Hühner, Enten, Gänse und Tauben geschlachtet worden. Zudem wurde die Einfuhr von lebendem Geflügel aus anderen Landesteilen sowie der Verkauf von Wildvögeln als Haustiere verboten.

Auch der Zugang zu Vogelausstellungen im Zoo von Shanghai wurde untersagt, zudem wurden Tauben in den städtischen Parks eingefangen. Viele verängstigte Bewohner der 23-Millionen-Stadt griffen zu Gesichtsschutzmasken, in Apotheken gingen traditionelle chinesische Grippeschutzmittel zur Neige.

Auch andere chinesische Großstädte verstärkten ihre Schutzvorkehrungen. In der Acht-Millionen-Metropole Nanjing wurden am Samstag sämtliche Märkte mit Verkaufsständen für Geflügel geschlossen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. In der ähnlich großen Stadt Hangzhou seien nach der Entdeckung infizierter Wachteln massenweise Vögel gekeult worden.

Betroffen sind neben Shanghai auch die Provinzen Zhejiang, Jiangsu und Anhui. Auch Taiwan meldete am Sonntag zwei mögliche Krankheitsfälle. Betroffen sind demnach zwei Menschen, die in die betroffenen Gebiete im Osten Chinas reisten.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden müssen aber noch weitere Tests abgewartet werden, um eine Infektion zu bestätigen.

Hohe Wachsamkeit nötig

„Die neue A(H7N9)-Influenza stellt derzeit keine akute Bedrohung für Europa dar. Wir sollten aber sehr wachsam sein.“ Das erklärte vergangenen Freitag der Chef des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC/Stockholm), Marc Sprenger, bei einem Hintergrundgespräch in Wien.

Sprenger hielt sich zwei Tage lang zu Expertengesprächen in Wien auf, in deren Verlauf es zu einem Treffen mit Gesundheitsminister Alois Stöger kam. Hauptthemen waren Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen, auf dem Tapet war aber auch die A(H7N9)-Influenza. Der Experte: „Laut den letzten verfügbaren Daten gab es in China bisher 38 Erkrankungsfälle in vier Provinzen. Zehn Patienten sind gestorben, was eine Mortalität von rund 25 Prozent bedeutet. Das ist hoch. Ebenfalls 25 Prozent der Erkrankten hatten einen schweren Verlauf der Infektion.“ Zu einer möglichen weiteren Verbreitung dieser Influenza meinte der ECDC-Chef: „Diese Viren kommen aus der Vogelwelt. Man hat von Tauben und von Wachteln gesprochen. Aber das ist noch nicht klar. Bei Vögeln verursacht A(H7N9) aber nur eine leichte Erkrankung. Aus der Sicht der Viren ist das sehr klug, weil sie sich dann besser weiterverbreiten können. Normalerweise töten solche Viren die befallenen Vögel.“

Positiv zu werten sei, so Sprenger, dass China derzeit sehr aktiv die Hintergründe untersuche und alle Daten zur Verfügung stelle. Was man sagen könne: Die vorhandenen antiviralen Medikamente (Oseltamivir und Zanamivir) wirken gegen A(H7N9). Hoffnung auf eine schnelle Impfstoffentwicklung macht er sich nicht: „Das dauert Monate.“

China gilt als Land mit erhöhtem Vogelgrippe-Risiko, da es zu den weltweit größten Geflügelfleisch-Produzenten gehört. Außerdem werden viele Hühner in der Nähe von Menschen gehalten. An der weiter verbreiteten H5N1-Variante der Vogelgrippe starben seit 2003 weltweit mehr als 360 Menschen.

Quellen: APA, ÄZ

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