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Infektiologie 4. Dezember 2012

Wenn die Influenzawelle da ist

Impfung und antivirale Therapie in Österreich selten genutzt.

Die Influenza ist eine häufig unterschätzte Infektionskrankheit, da sie oft mit banalen grippalen Infekten gleichgesetzt wird. Vorbeugend kann vor einer Influenza eine Impfung schützen, im Fall einer Erkrankung eine rasch antivirale Therapie.

Obwohl die Symptome einer Influenza und eines grippalen Infekts oft ähnlich erscheinen können, unterscheiden sich die auslösenden Viren entscheidend. Influenzaviren weisen vor allem ein epidemisches Potenzial auf. Allerdings haben Influenzaviren einen Vorteil im Vergleich zu den Erregern grippaler Infekte: es gibt eine Impfung und bei manifester Erkrankung eine antivirale Therapie, die jedoch rasch und gezielt eingesetzt werden muss. Beide Möglichkeiten werden aber in Österreich trotz klarer Empfehlungen auf nationaler (Consensus Statement „Therapie der Grippe“ der Österreichischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten) und internationaler Ebene selten genutzt, nämlich nur von weniger als 10 Prozent der betroffenen Bevölkerung bzw. Influenzapatienten. Dem gegenüber werden Betroffene in anderen Ländern wie beispielsweise in Japan standardmäßig meist schon in den ersten Stunden nach Auftreten der typischen Symptomatik antiviral behandelt. Den Erfolg dieser breiten und frühen Therapie konnte man während der letzten H1N1v Pandemie beobachten: Japan hatte die niedrigste Rate an schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen aller Länder weltweit (Sugaya et al., J Infect Chemother 2011, 17:595-601).

Schnelle und zielführende Diagnostik essenziell

Für den sinnvollen Einsatz einer antiviralen Influenza-Therapie ist eine schnelle und zielführende Diagnostik essenziell, wobei sich diese primär auf die Klinik stützt. Eine zusätzliche Labordiagnostik während der Influenzasaison ist laut Expertenmeinung nicht notwendig und nicht sinnvoll, da dies nur zu einer unnötigen Therapieverzögerung führen würde.

Um möglichst sicher zwischen einer Influenza und einer grippalen Infektion mit anderen respiratorischen Viren unterscheiden zu können, sind große klinische Erfahrung und Kenntnis der aktuellen epidemiologischen Situation notwendig. Ein Kardinalsymptom der Influenza-Infektion ist Fieber, das – kontinuierlich oder intermittierend – meist vorliegt und vier bis acht Tage andauern kann. Im Normalfall kommt es zu einem raschen Anstieg auf bis 40 oder 41°C, es können aber auch sechs bis acht Stunden Verzögerung auftreten. Weitere typische Symptome sind vor allem Frösteln und Schüttelfrost, Husten, Kopf- und Halsschmerzen.

Der richtige Zeitpunkt

Um eine optimale Wirkung durch antivirale Influenzamedikamente zu erzielen, müssen diese innerhalb von 12 bis 24 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome gegeben werden. Eine frühzeitige Therapie kann den Verlauf der Influenzainfektion abschwächen und die Regenerations- bzw. Erholungsphase nach der Infektion deutlich verkürzen. Der wichtigste Nutzen ist aber zweifellos die Reduktion von Akut- und Spätkomplikationen und die Reduktion der Übersterblichkeit infolge der Infektion. Dies wurde in zahlreichen internationalen Publikationen, die aus den praktischen Erfahrungen während der vergangenen Pandemie entstanden sind, aufgezeigt und steht in Übereinstimmung mit den aktuellen Empfehlungen aller nationaler und internationaler Fachorganisationen, die eine so früh wie mögliche Therapie bei allen Risikopatienten für einen schweren Krankheitsverlauf fordern. Das sind vor allem Patienten mit chronischen Erkrankungen und Personen über 60 Jahre. Aber auch bei Patienten ohne Risikofaktoren kann der Krankheitsverlauf bei Therapie innerhalb von 48 Stunden deutlich gemildert und das Komplikationsrisiko gesenkt werden.

Die dabei seit über 10 Jahren eingesetzten Neuraminidasehemmern blockieren die Vermehrung und Freisetzung von Influenzaviren im Körper und, bekämpfen damit die Infektion kausal. Damit kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflussen werden. Je später der Therapiebeginn – dabei handelt es sich schon um Stunden, desto geringer ist jedoch der Nutzen.

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