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Infektiologie 12. September 2012

Welt-Sepsistag 13. September: Die unterschätzte Gefahr

Sepsis - unbemerkt, unterschätzt und absolut lebensgefährlich

"World Sepsis Day" am 13. September

Sie zählt zu den am meisten unterschätzten, unbekannten und dennoch weit verbreiteten Krankheiten Österreichs mit enorm hoher Sterblichkeitsrate - und ist eigentlich gar keine. Die Sepsis, eine außer Kontrolle geratene, von Bakterien, Viren oder Pilzen verursachte, sich rasch ausbreitende Infektion, hängt sich mit Vorliebe an Lungen- und andere schwerwiegende Entzündungsarten und kann innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. Früherkennung und rechtzeitige Behandlung sei der Schlüssel zum Überleben, betonten führende Intensivmediziner  im Rahmen einer Pressekonferenz zum World Sepsis Day (13. September) in Wien.


Es beginnt mit lokalen Schmerzen, im Bauch oder an der Schulter, man ermüdet rasch, hat mitunter Fieber, kann kaum noch klare Gedanken fassen, sich auf die einfachsten Dinge nicht mehr konzentrieren, der Puls rast, die Atmung ist beschleunigt. Prof. Walter Hasibeder, einer der profundesten Kenner der Sepsis und Vorstand der Federation of Austrian Societies of Intensive Care Medicine (FASIM), hatte selbst großes Glück, eine Sepsis zu überleben. "Das größte Problem dabei ist, dass man selbst nicht mehr beurteilen kann, wie schlecht es einem tatsächlich geht." Ein Kollege hat die Symptome richtig beurteilt und sofort gehandelt.

Mortalität steigt mit der Zeit

Hasibeder befand sich somit im Kreis jener, bei denen die Sepsis rechtzeitig diagnostiziert wurde - Mortalität: sechs Prozent. Verstreicht wertvolle Zeit, wird der sich stetig verschlechternde Zustand eines Betroffenen zu spät erkannt, kann die Folge eine schwere Sepsis sein - Mortalität: bereits 18 Prozent. Wirklich dramatisch wird es beim Septischen Schock, der extremsten Verlaufsform. Es kommt zu Kreislaufversagen, Organe werden nur noch mangelhaft mit Blut und Sauerstoff versorgt, es droht Multiorganversagen - Mortalität: 50 Prozent.

Laut aktuellen Studien liegt die Erkrankungsinzidenz bei etwa 50 bis 95 Menschen pro 100.000 Einwohner pro Jahr.

Für Österreich bedeutet dies jährlich rund 18.000 Sepsis-Patienten, die Hälfte davon mit schwerem Verlauf. Auch wenn die Intensivmedizin in den vergangenen Jahrzehnten im Bereich der Sepsis-Forschung massive Fortschritte gemacht habe und so die Prognose für die Patienten deutlich gestiegen sei, so sind Intensivmediziner dennoch bestrebt, so viel Aufklärung und Bewusstseinsbildung wie möglich zu betreiben. Denn selbst die beste intensivmedizinische Betreuung stößt auf ihre Grenzen, wenn die Sepsis bereits zu weit fortgeschritten ist.


Die Lösung des Problems lautet: Früherkennung

"Lieber einmal zu viel den Arzt rufen oder ins Krankenhaus als zu wenig", appellierte Prof. Dr. Philipp Metnitz, leitender Oberarzt an der Uni-Klinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie am AKH Wien. Wer "Glück" hat, bei dem beginnt eine Sepsis mit Schmerzen, doch oftmals sind es wesentlich harmlosere Symptome, wegen denen viele keinen Arzt aufsuchen. Die Sensibilisierung der Spitäler in Österreich schreite stetig voran, versicherte auch FASIM-Präsident Prof. Dr. Andreas Valentin. Trotzdem ist die Sepsis hierzulande mit 7.500 Todesfällen pro Jahr die dritthäufigste Todesursache. Viele davon wären - bei ausgeprägterem Bewusstsein - frühzeitig erkennbar und mit einer Antibiotika-Therapie relativ leicht behandelbar.

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