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Infektiologie 7. September 2012

"Dengue ist weltweit auf dem Vormarsch"


Wegen der Gelenkschmerzen, die es verursacht, wird Dengue auch breakbone fever genannt. Das "Knochenbrecher-Fieber" soll nun in Griechenland aufgetaucht sein.


In Deutschland gibt es jedes Jahr hunderte importierte Dengue-Fälle. Anders als bei dem Verdachtsfall in Griechenland werden diese aus zumeist tropischen Ländern eingeschleppt. Doch das könnte sich bald ändern, sagte der Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, Jonas Schmidt-Chanasit, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.



In Griechenland hat sich wahrscheinlich erstmals seit etwa 85 Jahren jemand in seiner Heimat mit Dengue-Fieber infiziert. Besteht diese Gefahr auch in Deutschland?

Schmidt-Chanasit: "Bislang gab es nur importierte Infektionen, die Urlauber aus den Reiseländern mitgebracht hatten. Bis zum 5. September waren das in diesem Jahr 262 gemeldete Fälle. Es werden wohl auf jeden Fall mehr als im letzten Jahr, der bisherige Höchststand war 2010 - da hatten wir 595 importierte Fälle. Da manche Menschen gar nicht bemerken, dass sie infiziert sind, kann die Dunkelziffer aber bis zu zehnmal höher sein.

Das Dengue-Virus wird von der Asiatischen Tigermücke auf den Menschen übertragen. Die haben wir im vergangenen Jahr und auch dieses Jahr schon in Deutschland nachgewiesen, nämlich in Bayern und Baden-Württemberg. Sollte die Asiatische Tigermücke aber in Deutschland ansässig werden, wäre das ein sehr großes Problem, denn sie überträgt nicht nur potenziell das Dengue-Virus, sondern auch eine Reihe anderer tropischer Viren."

Und wie ist die Entwicklung weltweit?

Schmidt-Chanasit: "Dengue ist weltweit ganz stark auf dem Vormarsch - was die Ausbreitung betrifft, aber auch die Fallzahlen. Wir haben jährlich ungefähr 50 Millionen bis 100 Millionen Infektionen, von denen verlaufen 500 000 schwer. Dengue verursacht in der schwersten Verlaufsform Blutungen. Das kann tödlich enden. 2009 ist eine junge Reiserückkehrerin aus Ecuador in Deutschland an Dengue verstorben. Das war der erste Dengue-Todesfall in Deutschland. Wenn eine Infektion nicht frühzeitig und richtig behandelt wird, können die Patienten daran sterben."

Warum ist es so schwer die Verbreitung zu bekämpfen?

Schmidt-Chanasit: "Das Virus verbreitet sich in der Mücken-Population, weil es über die Eier weitergegeben wird. Das ist der Unterschied zum Malaria-Parasit - dort muss immer eine Mücke einen infizierten Menschen stechen, um es weiter übertragen zu können. Beim Dengue-Virus ist das nicht notwendig: Wenn das einmal in die Mückenpopulation eingebracht wurde, dann bekommt man es so schnell nicht mehr heraus."

Das Gespräch führte Sophia Weimer (dpa)

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