zur Navigation zum Inhalt
© Reckitt Benckiser
 
Infektiologie 3. Juli 2012

Allergiegefahr durch zu viel Desinfektion

Leserbrief

„Zwei Schneidbretter sind kein Luxus“, Ärzte Woche Nr. 23 vom 8. Juni 2012

Wir haben uns darüber gefreut, dass sich die Ärzte Woche in der Ausgabe 23 vom 8. Juni 2012 dem oft vernachlässigten Thema „Hygiene im Haushalt“ gewidmet hat.

Problematisch erscheint uns jedoch z.B., wenn in Kasten 2 folgende Empfehlungen gegeben werden: „Oberflächen sofort säubern und desinfizieren, wann immer sie verschmutzt sind“ und „regelmäßig, wenn eine Oberfläche oft berührt wird.“

Die Desinfektion von Oberflächen im Haushalt ist aus hygienischer Sicht in der Regel nicht notwendig, so wie dies auch vom Robert-Koch-Institut Berlin betont wird. Die damit verbundenen Risiken – speziell bei unsachgemäßer bzw. überflüssiger Anwendung von Desinfektionsmitteln im Haushalt – sind vielfältig.

Studien wie z.B. die „Avon Longitudinal Study of Parents and Children“ (ALSPAC) oder der deutsche Kinder-Umwelt-Survey haben ergeben, dass die häufige Verwendung von Desinfektionsmitteln und übertriebene häusliche Hygiene das Asthma- und Kontaktallergierisiko von Kindern erhöht (Sherriff et al. 2005, Straff 2008). Darüber hinaus stellen Desinfektionsmittel im Haushalt eine Vergiftungsgefahr für Kinder dar, wie etwa das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und das Umweltbundesamt Wien in einer gemeinsamen Presseerklärung betonten.

In seiner Stellungnahme Nr. 030/2006 hat das BfR zudem festgehalten, dass Desinfektionsmittel (wie z.B. Triclosan) nur in Kliniken und Arztpraxen eingesetzt werden sollen, nicht jedoch im Haushalt. Zu bedenken ist auch, dass die Anwendung von Desinfektionsmitteln ein hohes Maß an Sachkunde verlangt. Diese ist in Haushalten im Allgemeinen nicht vorhanden, sodass damit gerechnet werden muss, dass die zur Keimabtötung nötigen Konzentrationen im Anwendungsfall oft nicht erreicht werden.

Generell wissen wir, dass das in dem Artikel zitierte sogenannte Hygiene Council dem „Desinfektionswahn“ im Haushalt huldigt und anscheinend die Umwandlung von Wohnungen in OP-Säle anstrebt.

Dies lässt sich möglicherweise durch den Sponsor des Hygiene Council (Reckitt Benckiser, wie auch auf der Website nachgelesen werden kann) erklären, der entsprechende Mittel für die „Desinfektion“ im Haushalt produziert.

Mit freundlichen Grüßen

OA Assoz. Prof PD DI Dr. med. Hans-Peter Hutter

Univ.-Prof. Dr. Michael Kundi

Dr. Peter Wallner

Institut für Umwelthygiene, Medizinische Universität Wien

Literatur:

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): http://www.bfr.bund.de

Hygiene Council: http://hygienecouncil.de

Sherriff A, et al.: (2005) Frequent use of chemical household products is associated with persistent wheezing in pre-school age children. Thorax 60:45-49

Straff W (2008): Kontaktallergien bei Kindern häufiger als gedacht. Ergebnisse aus dem Kinder- und Jugendsurvey des Umweltbundesamtes. Fortbildung für den öffentlichen Gesundheitsdienst. http://www.bfr.bund.de/cm/343/fortbildung_fuer_den_oeffentlichen_gesundheitsdienst_abstracts.pdf

Umweltbundesamt (UBA): http://www.umweltbundesamt.at/presse/lastnews/newsarchiv_2003/news031112

 

Hans-Peter Hutter, Michael Kundi, Peter Wallner


, Ärzte Woche 27/28/2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben