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© Henrik Larsson / shutterstock.com
Mücken und Zecken sind oft Überträger tropischer Viruserkrankungen.
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Infektiologie 23. Juni 2012

Exotische Viren sind im Anmarsch

Internisten raten bei unklarem Fieber zu Tests.

Tropische Viren dringen zunehmend nach Europa vor. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) warnt vor Krankheiten, die hierzulande bisher relativ unbekannt waren, wie zum Beispiel Chikungunya-, Pappataci- oder Westnil-Fieber.

 

Noch ist in Zentraleuropa niemand am Krim-Kongo-Fieber erkrankt. Dessen Überträger, die Schildzecken Hyalomma und Rhipicephalus, wurden aber in Deutschland und Holland schon gesichtet. Die Erkrankung könnte deshalb jederzeit von Südosteuropa eingeschleppt werden. Sie geht mit Fieber und oft mit inneren Blutungen einher. Die Sterberate liegt in Bulgarien bei 18 Prozent – eine Impfung gibt es nicht.

„Insgesamt ist die Zahl der neuen Viruserkrankungen zwar noch sehr gering“, meint DGIM-Generalsekretär Prof. Dr. Ulrich R. Fölsch. Klimaerwärmung, wachsender Reiseverkehr, Tourismus und internationaler Warentransport könnten dies jedoch rasch ändern.

Milde Winter

Überträger von Viren sind oft Zecken oder Mücken. Wie stark sie sich verbreiten, hängt vom Wetter ab. Prof. Dr. Emil C. Reisinger, Universitätsmedizin Rostock, erläutert dies in einem Artikel in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (Löbermann M et al: DMW 2012; 137(17): 900–5) anhand der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Sie tritt immer dann gehäuft auf, wenn zwei milde Winter aufeinander folgen. Denn dann vermehren sich Hasen und Rehe, die den Zecken ebenso wie der Mensch als Wirt dienen, und mit ihnen die Zecken selbst.

Tigermücken werden heimisch

Auch Infektionen wie das Chikungunya-Fieber, das zuletzt im Großraum des Indischen Ozeans ausgebrochen war, nähern sich Europa. Im Jahr 2007 kam es in der italienischen Emilia Romagna zum ersten Mal in der Geschichte Europas zu einem Ausbruch mit 205 Erkrankungen. Der fiebrige Infekt ist oft begleitet von Hautausschlägen und Muskelschmerzen.

Der Überträger, die asiatische Tigermücke, ist in den Mittelmeerländern heimisch geworden, warnt Reisinger. Das Insekt gelange häufig im Auto oder Zug in entfernte Regionen. In Deutschland fanden sich Eier der Tigermücke erstmals entlang der Autobahn in Baden-Württemberg.

Tigermücken übertragen auch Dengue-Fieber. Diese weltweit häufigste durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung war in Europa zuletzt 1927/1928 in Griechenland ausgebrochen. Auch Sindbis-Viren, Überträger des gleichnamigen Fiebers, mit Hautausschlägen und Gelenkbeschwerden, wurden in Baden-Württemberg in Mücken nachgewiesen. „Die Neue Grippe hat uns in den Jahren 2009/2010 vor Augen geführt, wie rasch sich neue Viren ausbreiten können“, sagt Fölsch.

Unspezifische Beschwerden

Wegen der oft unspezifischen Beschwerden tropischer Viruserkrankungen (Fieber, Kopfschmerzen, Husten, Schnupfen und Schlappheit) wenden sich viele Patienten an einen Internisten. Bei der Abklärung von Fiebererkrankungen sollten Ärzte auch neue Viruserkrankungen in Betracht ziehen, so Fölsch, und im Verdachtsfall die notwendigen Tests durchführen.

 

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