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Foto: IHB
Abb.: Analog zu bakteriellen Keimträgerläppchen besteht der virale Bioindikator aus einem textilen Baumwoll-Läppchen (A), auf den eine künstliche Kot-Anschmutzung mit Phage MS2 eingebracht wurde (B). Verpackt in Mullschläuche (C), können die Bioindikatore
 
Infektiologie 7. Mai 2009

Bioindikator für Antiviruseffekte

Praxistauglicher Waschtest mit Norovirus-ähnlichem Erreger.

Das Institut für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten in Bönningheim, Deutschland, hat weltweit erstmals einen Virus-Bioindikator entwickelt, um Waschverfahren auch in der Praxis auf viruzide Wirksamkeit zu überprüfen.

 

Die Notwendigkeit einer praxisnahen Überprüfung der Viruzidie ist angesichts der aktuellen Zahlen von Viruserkrankungen unbestritten. So nehmen beispielsweise Infektionen des Magen-Darm-Traktes, insbesondere Norovirus-Erkrankungen, konstant zu. Diese betreffen vor allem Gemeinschaftseinrichtungen des Gesundheitswesens wie Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime.

Humane Noroviren sind sehr resistent und nicht im Labor kultivierbar, daher beruhen bisherige Untersuchungen ihrer Desinfizierbarkeit hauptsächlich auf Ergebnissen von strukturell ähnlichen Viren. Als ein geeignetes Surrogatvirus von Noroviren gilt derzeit ein Bakterienvirus, der Phage MS2, welchen die Forscher am Institut für Hygiene und Biotechnologie bei ihrer Entwicklung eines viralen Bioindikators verwendet haben.

Waschtest mit Norovirus- ähnlichem Erreger

Zur Prüfung der abtötenden Wirkung gegenüber Bakterien werden üblicherweise mit Bakterien beladene textile Keimträgerläppchen als sogenannte Bioindikatoren eingesetzt. Analog dazu brachten die Wissenschaftler den Phagen MS2, als dem Norovirus vergleichbaren Erreger, auf kleine Baumwoll-Lappen auf und wuschen diese unter praxisnahen Bedingungen (siehe Abbildung). Zum Einsatz kam dabei ein viruzid gelistetes desinfizierendes Waschverfahren im Niedertemperaturbereich von 40°C, bei welchem man eine thermische Inaktivierung nicht per se erwarten kann. Zur Simulation realistischer Bedingungen bei der Aufbereitung von Alten- und Pflegeheimwäsche wurde das Virus in einer organischen Prüfanschmutzung (künstlicher Kot) eingebracht. Mit dieser Trägermasse erfüllte der Phage die notwendigen Anforderungen für den Einsatz als Prüfvirus und konnte erfolgreich zur Bewertung eines gelisteten Niedertemperaturwaschverfahrens herangezogen werden.

Umfangreiche Analysen bestätigen Praktikabilität

Darüber hinaus wurden weitere umfangreiche Analysen zur Kultivierbarkeit, Nachweisspezifität, Stabilität und Desinfizierbarkeit durchgeführt, welche die Praktikabilität des Phagen MS2 als Norovirus-Ersatz unterstreichen. Die Untersuchungen zeigen, dass sich virale Bioindikatoren mit Bakterienviren wie MS2 als Prüfinstrument eignen, um desinfizierende Waschverfahren unter Praxisnähe auf ihre virusabtötende Wirkung zu prüfen und diese zu belegen. Die viralen Bioindikatoren können bezogen werden unter .

 

 www.hohenstein.de

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