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Infektiologie 22. März 2012

Impfversorgung für Migranten verbessern

Der 21. Österreichische Impftag legt seinen Schwerpunkt auf die geringe Durchimpfungsrate bei Migranten, die für uns alle schwerwiegende Folgen haben kann. Impfexperten warnen und fordern ein eigenes Impfprogramm für Migranten.

Einwanderungsland

Mit 1,5 Millionen Migranten ist Österreich ein klassisches Einwanderungsland. Die Wirtschaft unseres Landes funktioniert nur durch die regelmäßige Zuwanderung. Menschen mit Migrationshintergrund machen heute 18,6 Prozent der österreichischen Bevölkerung aus und haben eines gemeinsam: Sie sind oft medizinisch schlechter versorgt als die heimische Bevölkerung und das betrifft auch die Impfversorgung.  Die Ursachen dafür sind ein erschwerter Zugang zu Gesundheitseinrichtungen, Sprachbarrieren, fehlendes Wissen über Impfungen und finanzielle Gründe.  

Spezielle Impfprogramme

Um höhere Durchimpfungsraten für eine Eliminierung von Infektionskrankheiten zu erreichen sei die aktive Teilnahme von Migranten an Impfprogrammen unerlässlich, appelliert Univ. Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Vorstand des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinuniversität Wien und Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums: "Spezielle Impfprogramme für Migranten müssen zukünftig ein wichtiger Pfeiler in der Präventionsmedizin sein."

Beispiel Masernvirus

Wie in den USA könnten Masern in Europa längst ausgerottet sein, wären da nicht neben der wachsenden Zahl der impfmüden Personen und hartnäckigen Impfverweigerer auch die Gruppe der Migranten mit ungenügender Impfversorgung. Eine Erhebung der Durchimpfungsraten bei Personen mit Migrationshintergrund (vorwiegend Türkei, Ex-Jugoslawien) ergab eine Impfabdeckung gegen bedeutsamen Infektionen wie Grippe, Tetanus, Diphtherie, Polio, FSME und Hepatitis A, B zwischen 12 und knapp über 40 Prozent.

Vermehrte Aufklärung

Auch in der Gruppe der "visting friends and relatives" (= Personen mit Migrationshintergrund der 2. oder 3. Generation, die Verwandtenbesuche in ihr ursprüngliches Heimatland tätigen) fehlt es an Bewusstsein. Das zeigt sich u.a. am Beispiel der Hepatitis A: Sie wird durch verschmutztes Wasser und verunreinigte Lebensmittel übertragen und vermehrt von Personen mit Migrationshintergrund auf Heimaturlaub aus ihren Ursprungsländern als unliebsames "Souvenir" mitgebracht. Impfexperten fordern nun gezielte gesundheitspolitische Maßnahmen:

Sieben-Punkte-Programm

1. Erhebung des Impfschutzes bei Migranten
2. Staatlich finanzierte "Catch up"- Impfprogramme für Kinder und Erwachsene
3. Klar definierte Impfprogramme für Migranten im Österreichischen Impfplan
4. Aufklärungsbögen in verschiedenen Sprachen
5. Schulimpfprogramme für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
6. Impfversorgung der Eltern im Rahmen der Mutter-Kindpaßuntersuchungen
7. Eigene Impfstellen für Migranten im ambulanten Bereich

Impfbeteiligung

Während die Impfsituation bei Migranten stark verbesserungswürdig ist, zieht das Bundesministerium für Gesundheit bei den Gratis-Impfprogrammen eine positive Bilanz: So wurde 2011 bei Rotaviren eine bleibend hohe Impfbeteiligung von 84 Prozent registriert und die Masern-Mumps-Rötelimpfung war mit einer Beteiligung von 98 Prozent bei der Erstimpfung (MMR1) und mit 86 Prozent bei der Zweitimpfung (MMR 2) ebenfalls hoch.

Bei der Pneumokokkenimpfung wurden so gut wie alle Hochrisikokinder geimpft. Und die Ausweitung der Gratisimpfung auf alle Kinder im Jahre 2012 ist gut angelaufen.

"Für heuer lässt sich erfreulicherweise erstmals ein Aufwärtstrend auch bei Schulimpfungen prognostizieren", erklärt Dr. Pamela Rendi-Wagner, Leiterin Sektion III - Öffentliche Gesundheit und Medizinische Angelegenheiten im Bundesministerium für Gesundheit. Auch die neu im Programm befindliche Impfung gegen Meningokokken (mit 4 Stämmen) wird gut angenommen.

Rendi-Wagner führt diese positive Entwicklung unter anderem auf die verstärkte Information und die seit 2011 bundesweit online verfügbaren Impf-Aufklärungsmaterialien zurück.

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