zur Navigation zum Inhalt
 
Infektiologie 1. März 2012

Multiresistente Keime: Wieder starben Frühchen in Bremen

Nach Angaben der Klinik handelt es sich bei den frühgeborenen Toten um einen Jungen und ein Mädchen. Beide Kinder seien per Notkaiserschnitt zur Welt gekommen. Ein Baby habe nur rund 500 Gramm gewogen. Das zweite Baby sei in der 36. Schwangerschaftswoche unter schweren Komplikationen zur Welt gekommen und habe wiederbelebt werden müssen.

Todesursache noch unklar

Ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Tod der beiden Frühchen und den erneut aufgetretenen resistenten Keimen besteht, war zunächst unklar. Bei beiden Kindern könne man noch nicht sagen, ob die nachgewiesenen Bakterien die Todesursache seien, sagte die Senatorin. Beide Kinder werden gerichtsmedizinisch untersucht, auch die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.

Multiresistente Darmkeime

Im vergangenen Jahr waren drei Neugeborene an Infektionen mit den Bakterien gestorben und mehrere schwer erkrankt. Die Neugeborenen-Intensivstation der Klinik war daraufhin vorübergehend für Desinfektion und Umbau geschlossen worden.

Ende vergangener Woche waren dann erneut die multiresistenten Darmkeime bei drei Frühchen auf der Station nachgewiesen worden, sie erkrankten aber nicht daran. Nach dem erneuten Nachweis des genetisch identischen Keims hatte die Senatorin am vergangenen Freitag einen Aufnahmestopp verhängt.

Seit 2009 Klebsiella Bakterien

Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper stellte den Geschäftsführer des kommunalen Klinikunternehmens Geno, Diethelm Hansen, am Mittwoch unbefristet frei. Die Senatorin sprach von einem schleichenden Vertrauensverlust. Bereits am Mittwoch begann die Räumung der Neonatologie.

Tags zuvor war bekanntgeworden, dass der gefährliche Keim bereits mindestens seit 2009 in der Klinik vorhanden war. Ein spezialisiertes Labor in Bochum hatte eine aufbewahrte Probe aus diesem Jahr untersucht und die genetische Übereinstimmung mit den aktuellen Klebsiella-Bakterien bestätigt. Außerdem seien erst jetzt in den Akten weitere Fälle gefunden worden.

Quelle noch unbekannt

Noch stehen die Befunde der Abstrich-Untersuchung von etwa 50 Mitarbeitern aus. Auch der Bericht eines Expertenteams des Berliner Robert Koch-Instituts, das am Wochenende im Klinikum war, lag am Mittwoch noch nicht vor. Die Verantwortlichen hoffen, doch noch Hinweise zur Quelle der Bakterien zu bekommen.

Experten hatten von erheblichen Hygiene- und Organisationsmängeln in der Klinik gesprochen und den Umgang mit der Krise kritisiert. Unter anderem waren die Behörden erst Anfang November über die Infektionen informiert worden - lange nach dem Keimausbruch.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben