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Infektiologie 7. Februar 2012

Die unheilvolle Geschichte der Malariatherapie

Der Tropenmediziner Herwig Kollaritsch zu den medizinischen Fakten.

Bei der "Malariatherapie" wurde Blut von mit Plasmodium vivax infizierten Menschen verwendet, was schon allein wegen anderer möglicher Übertragungen von Krankheiten nach modernem medizinischen Wissen heute völlig untragbar wäre. Ehemals aber wurde die Therapie in größeren Kliniken durchgeführt, wobei ein Patient quasi als "Kulturmedium" für die folgenden diente." , so der Wiener Tropenmediziner Herwig Kollaritsch.

"Es erfolgt eine Blutinfektion. Nach 15 bis 20 Fieberanfällen erlischt die Infektion dann." Freilich, die absichtlich hervorgerufenen schweren Fieberschübe würden heute inakzeptable "Nebenwirkungen" jeglicher moderner Therapie darstellen. Noch dazu würde man bei jeder Therapie auftretende Fieberschübe als Nebenwirkung behandeln - und nicht als erwünscht hinnehmen.

Nobelpreis für Wagner-Jauregg

Wagner-Jauregg hatte 1927 den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung bekommen, dass man die Progressive Paralyse als Spätfolge einer nicht ausgeheilten Syphilis durch die Übertragung von Blut von mit dem Malaria-Erreger Plasmodium vivax Infizierten und die dadurch ausgelösten Fieberschübe in den Griff bekommen könnte. Antibiotika gegen die Syphilis gab es bis in die 1940er-Jahre nicht.

Die Fiebertherapie

Abseits der Syphilis zog die die "Fiebertherapie" in der Psychiatrie und in anderen medizinischen Fachgebieten bei ehemals sonst unheilbaren Erkrankungen weite (Experimentier-)Kreise. Ob für die zweifellos beobachteten positiven Effekte die künstlich hervorgerufene Hyperthermie (hohes Fieber) und/oder vorübergehende immunologische Reaktionen verantwortlich waren, ist nicht geklärt.

Während des Nationalsozialismus wurden in psychiatrischen Krankenhäusern Versuche bei Schizophrenie durchgeführt, in NS-Konzentrationslagern an Häftlingen und Kriegsgefangene auch gegen Tuberkulose. Die beteiligten Mediziner landeten als Kriegsverbrecher vor dem Nürnberger Ärzteprozess, wurden zu langen Haftstrafen oder gar zum Tod verurteilt.

Nach dem zweiten Weltkrieg

Auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg spukte die Malariatherapie weiter herum. In Großbritannien wurden beispielsweise Paralyse-Therapien bis 1960 durchgeführt. Der 1978 gestorbene deutsche "Ganzheitsmediziner" Werner Zabel "behandelte" Krebskranke damit.

 Noch vor wenigen Jahren gab es in den USA Mediziner, die eine Malariatherapie gegen chronische Borreliose propagierten.

Einsatz in der Psychiatrie

Von der Entdeckung durch Julius Wagner-Jauregg bis in die 1960er-Jahre wurde die sogenannte Malariatherapie bei verschiedenen Erkrankungen in der Psychiatrie eingesetzt oder einzusetzen versucht.

Im Falle jenes Mannes, der nun mit Berichten über eine solche Therapie 1964 an der Universitätsklinik für Psychiatrie in Wien für Aufmerksamkeit sorgte, wird sich der Verdacht nach Jahrzehnten nicht objektivieren lassen, da die Antikörper längst nicht mehr nachweisbar sind.

Nachweis nur über Krankengeschichte

Rückfälle über Jahre hinweg, wie in dem Bericht in Wien jetzt aufgetaucht, sind aber bei der Malariatherapie nicht möglich. Kollaritsch: "Ohne Infektion durch Mücken geht das Rezidiv nicht." Eine Ansteckung per Bluttransfer reiche da nicht aus, Antikörper sind nicht mehr im Blut. Damit seien die Informationen des Wieners im Jahr 2011 ohne existente Krankengeschichte kaum noch objektivierbar.

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