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Infektiologie 25. Jänner 2012

Pneumokokken: Die unterschätzte Gefahr

Durchschnittlich erkrankt fast täglich ein Österreicher an einer schweren invasiven Pneumokokken-Infektion, die Lungenentzündungen, Gehirnhautentzündung und Blutvergiftung verursachen kann. Ein Großteil aller schweren bakteriellen Lungenentzündungen (med. Pneumonien) weltweit wird durch Pneumokokken verursacht (2), die meist plötzlich auftreten und mit einer hohen Sterblichkeit verbunden sind. Laut WHO sterben jährlich 1,6 Millionen Menschen durch die gefährlichen Pneumokokken-Bakterien.


Neben Säuglingen und Kleinkindern weisen vor allem Erwachsene ab 50 Jahren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko auf. Durch die Indikationserweiterung bietet die Pneumokokken-Schutzimpfung ab sofort auch für Erwachsene ab 50 Schutz vor gefährlichen Infektionen.


In Österreich erkrankten 2010 laut dem Jahresbericht (3) der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken der AGES 325 Menschen an einer invasiven Pneumokokken-Infektion. 16 von ihnen starben an den Folgen der Infektion. Mehr als Dreiviertel der Erkrankungen betrafen Österreicher ab 45 Jahre.


Konjugat-Schutzimpfung


Die 13-valente Konjugat-Schutzimpfung ist nun auch für Erwachsene ab 50 Jahren zugelassen. Die 13 im Impfstoff enthaltenen Serotypen sind für den Großteil der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen bei Erwachsenen ab 60 Jahren verantwortlich. 2010 hätte der Konjugat-Impfstoff ca. 71 Prozent der in Österreich vorkommenden Serotypen bei Erwachsenen ab 60 Jahren abgedeckt.(5)

Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Leiter der Arbeitsgruppe "Epidemiologie und Reisemedizin" am Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinischen Universität Wien: "Durch die Konjugat-Impfung bildet das Immunsystem ein Langzeitgedächtnis und setzt vermehrt Antikörper gegen die 13 Bakterienstämme frei. Dadurch kommt es im Vergleich zu Polysaccharid-Impfstoffen zu einer verbesserten Abwehrreaktion und zu einem immunologischen Gedächtnis." Risikogruppe der Älteren


Für Erwachsene ab 50 Jahre reicht eine einmalige Impfung, die ganzjährig verabreicht werden kann. Außerdem wirken sich Konjugat-Impfstoffe günstig auf die Bakterien-Ansiedlung im Nasen-Rachen-Raum aus. Da geimpfte Personen keine Überträger der Erreger mehr sind, schützen sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitmenschen.


Über 435 Mio. verimpfte Dosen bei Kindern


Der Impfstoff kann auf umfassende Sicherheitsdaten von mehr als 6.000 Erwachsenen über 50 Jahre inklusive Erwachsene mit bestehenden Grunderkrankungen zurückgreifen.(5) Darüber hinaus baut der 13-valente Konjugat-Impfstoff auf den etablierten wissenschaftlichen Grundlagen des 7-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffes auf. Von beiden Impfstoffen wurden weltweit über 435 Mio. Dosen bei Kindern und Säuglingen verimpft. Kollaritsch: "Da Pneumokokken jederzeit übertragen und eine Infektion das ganze Jahr über auftreten kann, ist die Impfung ganzjährig möglich und ratsam. Für Erwachsene ist eine einmalige Impfung empfohlen."


Aufklärung der Risikopersonen


"In Österreich ist die Impfskepsis relativ hoch, es herrschen häufig Verunsicherung und Fehlinformation vor. Das gilt auch für die Pneumokokken-Impfung. Es ist daher eine wichtige Aufgabe des Arztes, Risikopersonen ausführlich über die Infektionskrankheit, das Risiko aber auch über Wirkung und Nebenwirkungen einer Impfung aufzuklären. Gleichzeitig müssen Ärzte ihren Patienten bewusst machen, dass Impfungen zu den wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum Schutz vor Infektionskrankheiten zählen", erläutert Dr. Rudolf Schmitzberger, Impfreferent der Wiener Ärztekammer.


Pneumokokken-Impfaktion bis Ende März


"Die Apotheken verzichten bis Ende März auf einen wesentlichen Teil der Gewinnspanne. Dadurch kann zum Beispiel der Pneumokokken-Impfstoff um ein Drittel billiger angeboten werden", weist Mag. Dr. Christiane Körner, Vize-Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, hin. Der vergünstige Preis liegt dann bei Euro 72,40 statt EUR 108,-. Außerdem informieren die Apotheker umfassend über Erkrankungen und Impfung und motivieren Risikogruppen zur schützenden Impfung.


Referenzen

2) Kunze, Ursula/Kunze, Michael: Epidemiologie und Krankheitslast durch Pneumokokken-Erkrankungen bei Erwachsenen - Burden of Disease Report; Update, Internationale Zeitschrift für ärztliche Fortbildung, Dezember 2011

3) Jahresbericht 2010 der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken; Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), Institut für medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Graz

4) World Health Organization. 23-valent pneumococcal polysaccharide vaccine: WHO position paper. Wkly Epidemiol Rec. 2008; 83:373-384.

5) Prevenar13 Fachinformation, Stand Oktober 2011

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