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Infektiologie 16. April 2009

Gute und böse Botenstoffe in der Lunge

Ob Krankheitserreger schwerwiegende Entzündungen auslösen können, hängt auch von der individuellen Reaktion der lokalen Schleimhautzellen ab.

Mitarbeiter des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung haben herausgefunden, dass Zellen der Lungenschleimhaut Entzündungsreaktionen mit unterschiedlichen Folgewirkungen hervorrufen können. Mit den Erkenntnissen sollen neue und maßgeschneiderte Therapien für Atemwegserkrankungen möglich werden.

 

„Die Zellen in der Lungenschleimhaut sind in der Lage, die Immunreaktion auszubalancieren“, sagt Markus Gereke von der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe in Braunschweig. Die Schleimhautzellen haben das Potenzial, sowohl entzündungsfördernd als auch entzündungshemmend zu wirken. Entscheidend dafür sind verschiedene Botenstoffe, die sie dabei produzieren (Am J Respir Crit Care Med, 179, 2009, 344). Schütten sie beispielsweise den entzündungshemmenden Botenstoff TGF-beta aus, können sie das Immunsystem besänftigen, indem sie regulatorische T-Zellen heranreifen lassen. Diese TRegs besitzen die Fähigkeit, Entzündungsreaktionen abzumildern. So können sie die Lunge vor einer zu aggressiven Immunantwort schützen, die unter Umständen sogar die Atemfunktion gefährden würde.

Antigene verschlimmern Entzündungssymptome

Die Schleimhautzellen können aber auch Entzündungen verstärken, indem sie das Signal zur Erregerabwehr geben. Dazu präsentieren die Schleimhautzellen auf ihrer Oberfläche Antigene des Erregers, die von T-Zellen erkannt werden. Die T-Zellen schalten dann auf gezielte Abwehr, wodurch Entzündungsreaktionen in der Lungenschleimhaut ausgelöst werden können.

Damit avancieren die Schleimhautzellen zu einem wichtigen Teil der spezifischen Immunabwehr in der Lunge, betonen die deutschen Forscher. Diese neuen Erkenntnisse könnten sich in naher Zukunft als wichtige Grundlagen für die Entwicklung neuer, maßgeschneiderter Therapien im Bereich chronischer Lungenerkrankungen wie z.B. Asthma und COPD etablieren. In der Folge wollen die Wissenschafter auf Basis ihrer Entdeckungen versuchen, weitere entzündungshemmende Botenstoffe zu identifizieren und mit deren Hilfe gezielt in die Zellkommunikation einzugreifen – vor allem, um regulatorische T-Zellen zu stimulieren und so Entzündungsreaktionen zu mildern.

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