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Foto: photos.com
 
Infektiologie 11. Oktober 2011

Angst vor dem Amsel-Virus

Deutschland fürchtet sich vor dem Usutu-Virus, das kürzlich in einem hessischen Vogel gefunden wurde.

Mysteriöses Massensterben: Im Teilen Europas sterben reihenweise Amseln am tropischen Usutu-Virus. Deutsche Experten sind alarmiert: Der Erreger kann auch Menschen infizieren. In Österreich verendeten vor zehn Jahren zahlreiche Amseln, die mit dem Virus infiziert waren. Damals sind allerdings keine erkrankten Menschen registriert worden, und die Amselpopulation hat sich auch wieder erholt, nachdem die Vögel gegen den Erreger immun geworden sind.

 

Wissenschaftler um Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut (BNI) haben in einer toten Amsel aus Hessen mittels quantitativer Echtzeit-PCR Usutu-Viren nachgewiesen. Das zur Gruppe der Flaviviren gehörende Virus ist ursprünglich in Afrika beheimatet und wird durch Moskitos übertragen.

„Der Befund ist alarmierend, da Usutu-Viren auch den Menschen infizieren können. In Deutschland sind jedoch bisher keine Infektionen von Menschen diagnostiziert worden“, berichtet Schmidt-Chanasit in einer Meldung des BNI.

Einer Übersicht im europäischen Journal für Infektionskrankheiten Eurosurveillance zufolge wurde das Virus vor einigen Jahren nach Europa eingeschleppt.

Österreichische Amseln sind immun geworden

Im Sommer 2001 verendeten in Österreich massenhaft mit Usutu-Viren infizierte Amseln. Bei dem dortigen Ausbruch sind allerdings keine erkrankten Menschen registriert worden, und die Amselpopulation hat sich auch wieder erholt, nachdem die Vögel dort gegen den Erreger immun geworden sind.

In den folgenden Jahren wurde das Virus dann in toten Vögeln und/oder Moskitos in weiteren Ländern nachgewiesen, unter anderem in Ungarn, Italien, Spanien, der Schweiz, Deutschland, Tschechien, Großbritannien.

Für den Menschen wurde das Usutu-Virus lange Zeit nicht als Bedrohung angesehen, da keine schweren oder tödlichen Erkrankungen bekannt waren. Im Jahr 2009 wurde in Italien bei mehreren Patienten Usutu-Fieber diagnostiziert.

Unter ihnen waren zwei immungeschwächte Personen, die eine Enzephalitis entwickelten. Sie waren die weltweit ersten Fälle, in denen ein ZNS-Befall durch Usutu-Viren beschrieben wurde.

Übertragung durch Stechmücken

Üblicherweise geht die Infektion mit Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschlag einher. Die Ansteckung erfolgt über Blut, das heißt, Stechmücken können Überträger sein. Infizierte Vögel sind dagegen keine Gefahr.

In Italien wurden die Krankheitsfälle im Rahmen eines Überwachungsprogramms für das ebenfalls zu den Flaviviren gehörende West-Nil-Virus entdeckt. Die tatsächliche Zahl der Usutu-Virus-Infektionen beim Menschen könnte also durchaus auch höher liegen.

Zwar stelle das Virus derzeit keine größere Bedrohung dar, schreiben die Autoren des Artikels. Da es jedoch keine Möglichkeit zur Therapie gebe, müsse die Überwachung der Virusaktivität verstärkt werden.

Vázquez, A. et al.: Usutu virus – potential risk of human disease in Europe. Eurosurveillance, Volume 16, Issue 31, 04 August 2011; 

www.eurosurveillance.org

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