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Wer mit Prionkrankheiten zu tun hat, sollte sich besser schützen.
 
Infektiologie 16. August 2011

BSE und CJD: Neue Richtlinien für Sicherheit gefordert

Jüngste Erkenntnisse über Übertragungswege spongiformer Enzephalopathien stellen bisherige Maßnahmen in Frage.

Nachdem nachgewiesen werden konnte, dass Prionen direkt über die olfaktorischen Nerven der Nase – und damit ohne den Zwischenschritt der Vermehrung im lymphatischen System – in das Gehirn gelangen können, empfehlen Wissenschaftler nun, diese neuen Erkenntnisse auch in den Biosicherheitsrichtlinien für Forschungseinrichtungen, Laborpersonal und Mitarbeiter in der fleischverarbeitenden Industrie zu berücksichtigen.

 

„Ausgangspunkt unserer Studie war die Beobachtung, dass bei Creutzfeldt-Jakob-Patienten auch in der Nasenschleimhaut, die über die olfaktorischen Nerven direkt mit dem Riechhirn verbunden ist, Prionenablagerungen gefunden werden können“, berichtet Prof. DDr. Johannes Haybäck, Institut für Pathologie, MedUni Graz. „Wir stellten uns die Frage, ob Prionen das Gehirn unter Umgehung des lymphatischen Systems eventuell auch direkt über Nervenbahnen infizieren können.“ Und eine zweite Frage drängte sich auf: Können Prionen auch auf dem Luftweg übertragen werden? Als experimentellen Ansatz wählten Haybäck und seine Kollegen aus Zürich und Tübingen ein Mausmodell, in dem infektiöses Material in einem Käfig zerstäubt oder intranasal verabreicht wurde. Das überraschende Ergebnis: Bereits eine einminütige Aerosolexposition führte zu einer 100-prozentigen Infektionsrate.

Es zeigte sich auch, dass der Erkrankungsverlauf in direktem Zusammenhang mit der Expositionsdauer und der Konzentration des infektiösen Agens stand. Da auch Mäuse mit verschiedenen Immundefekten erkrankten, schlossen die Forscher, dass eine aerogene Prioneninfektion unabhängig von einem intakten oder nicht funktionierenden Immunsystem entstehen kann. Es muss also einen direkten Übertragungsweg ins Gehirn geben. Dafür, dass auch unter natürlichen Bedingungen Prioneninfektionen auf dem Luftweg vorkommen, gibt es zwar keine Belege, aber Verdachtsmomente: Etwa wenn ein Schaf an Scrapie – wie BSE und Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung eine spongiforme Enzephalopathie – erkrankt und sich die Infektion auf andere Tiere ausbreitet. Das bei vielen Tieren übliche Schnüffeln von Urin könnte eine Erklärung für die horizontale Transmission sein.

Für die Menschen, die mit Prionenerkrankungen zu tun haben (Hirnforscher, Pathologen, Laborpersonal und Schlachthofmitarbeiter, die mit infektiösem Material in Kontakt kommen können) sind die Studienerkenntnisse von besonderer Bedeutung. Sie sollten maximale Anstrengungen unternehmen, bei ihrer Arbeit die Produktion von Aerosolen zu vermeiden und generell die Sicherheitsvorkehrungen an diese mögliche Gefahr anpassen, empfehlen die Forscher.

 

 

Haybaeck, J. et al.: Aerosols Transmit Prions to Immunocompetent and Immunodeficient Mice. PLoS Pathogens 2011; 7(1): e1001257; doi:10.1371/journal.ppat.1001257

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 29/33/2011

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