zur Navigation zum Inhalt
 
Infektiologie 25. Mai 2011

Zahl der Erkrankungen wächst stündlich

Die Zahl neuer Erkrankungen mit dem gefährlichen EHEC-Erreger wächst stündlich. Mittlerweile leiden allein 140 Menschen an der schweren Komplikation. Nach der Ursache wird fieberhaft geforscht. Experten erwarten bald erste Ergebnisse.

Auch am dritten Tag in Folge wächst die Zahl der Menschen, die mit dem enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) infiziert sind.

Was aber bedrohlicher ist: Die Zahl derjenigen, die an der schwerwiegenden Komplikation, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), erkrankt sind, ist in zwei Wochen auf das Doppelte des üblichen Jahresschnitts gestiegen.

140 HUS-Fälle

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin sprach am Dienstag von rund 140 HUS-Fällen, die bis Dienstagabend bekannt geworden seien. Tags zuvor war noch von schätzungsweise 80 Fällen die Rede.

RKI-Chef Professor Reinhard Burger nannte am Mittwoch zunächst 138 Fällen. Die Fallzahlen ändern sich offenbar stündlich. Die Meldungen laufen zunächst von den Kommunen an die Länder und von dort an das RKI.

Kein Krisenstab

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte am Mittag, er stehe in engem Kontakt mit dem RKI. Das Institut unterstütze die Bundesländer mit Hochdruck bei der Ursachensuche.

Bahr: "Ich bin optimistisch, dass das RKI die Ursache bald findet wird und die entsprechenden Maßnahmen veranlassen wird."

Nach Bahrs Worten sind derzeit 15 Mitarbeiter der Instituts in Hamburg im Einsatz. Dort waren vergangene Woche die ersten Fälle bekannt geworden.

Forderungen nach einem speziellen Krisenstab wies der Gesundheitsminister allerdings zurück. Dafür gebe es keinen Anlass, die bestehenden Mechanismen seien bislang völlig ausreichend.

Keime über Salatbars

Die Suche nach der Quelle für die Infektionswelle hat bislang keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Weiterhin sind vor allem Hypothesen im Raum, etwa die von der Gülle auf Gemüsefeldern, verseuchtem Trinkwasser oder ähnlichem.

Die ärztliche Leiterin des Labors an den Hamburger Asklepios-Kliniken, Dr. Susanne Huggett, brachte am Mittwoch eine neue Theorie ins Spiel. "Im Moment sieht es so aus, als wenn Salatbars, also vorbereitet Salatteile, eine Rolle spielen", sagte sie im "ARD-Morgenmagazin".

Die Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Das Großlabor überprüft seit den ersten Verdachtsfällen etliche Proben auf EHEC-Toxine.

Experten zeigten sich am Mittwochmittag dennoch zuversichtlich, die Ursache bald ermittelt zu haben. Man sei sehr dicht dran, hieß es.

Parlamentarier stellen Fragen

 

Während die Experten in Kliniken, Labors und Ämtern fieberhaft auf der Suche der Quelle sind, nahm Mittwochmorgen der Gesundheitsausschuss im Bundestag die EHEC-Welle auf die Tagesordnung.

RKI-Chef Burger äußerte am Rande der Veranstaltung die Erwartung aus, dass die Fälle abflauen werde. "An sich muss das jetzt abfallen, das kann nicht weitergehen."

Zurückhalten äußerte er sich zu den Spekulationen über eine mögliche Quelle für die Infektionen. Möglicherweise werde man nie eine eindeutige Quelle finden können, sagte Burger.

Bislang zwei Todesfälle

 

Unterdessen sank die Zahl der offiziellen Todesfälle durch die EHEC-Infektion ab. Am Dienstag war zunächst von drei Opfern die Rede. Bei zweien war die Infektion als Ursache bereits bestätigt worden.

Bei einer über 80 Jahre alten Frau, die im schleswig-holsteinischen Kreis Stormarn verstorben war, hat sich der Verdacht indes nicht erhärtet. Sie hatte zwar EHEC im Blut, die Infektion sei aber nicht Todesursache, teilte Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Mittwoch mit.

nös/sun/ÄZ

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben