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Infektiologie 4. März 2009

Zeckengefahr weiterhin unterschätzt

Schwere Verlaufsformen der FSME in bis zu 40 Prozent der Infektionen.

Die FSME-Endemiegebiete in Österreich breiten sich aus: Mittlerweile kommen Zecken bereits in Höhen über 1.500 Metern vor. Zunehmend wird auch eine Erweiterung der Endemiegebiete in Richtung Norden beobachtet.

„In mathematischen Modellen wurde berechnet, dass in den letzten 30 Jahren die höchst gelegenen Zecken-Infektionsorte um fünf bis zehn Meter pro Jahr angestiegen sind“, so Prof. Dr. Erich Schmutzhard, Neurologische Intensivstation, Universitätsklinik für Neurologie, MedUni Innsbruck.

Eine Impfung reicht nicht

86 FSME-Fälle und einen Todesfall gab es 2008 in Österreich, 2007 waren es mit nur 46 Fälle. Zwar sind 87 Prozent der Österreicher zumindest einmal gegen FSME geimpft, einen dauerhaften Infektionsschutz stellt dies allerdings nicht dar. Laut einer Meinungsumfrage des Institutes Fessl/Gfk im Auftrag des Pharmaunternehmens Baxter hält sich in der Bevölkerung hartnäckig das Gerücht, eine einzige Impfung würde dauerhaft vor der Frühsommermeningoenzephalitis schützen. Nur 66 Prozent der Geimpften weisen eine korrekte Einhaltung des Impfschemas auf (siehe Kasten). 58 Prozent der befragten Personen gaben an, Zeckengebiete zu meiden und sich deshalb geschützt zu fühlen.

Ungeachtet dessen sollten Reisende innerhalb Europas, besonders nach Osteuropa und in den asiatischen Raum (vor allem China und Japan) auf ausreichenden FSME- Impfschutz achten: „Das Risiko ist ähnlich hoch wie in einem Ruhrendemiegebiet“, betonte Prof. Dr. Michael Kunze, Institut für Sozialmedizin, MedUni Wien. „Und niemand würde meinen, eine Impfung gegen Ruhr sei sinnlos.“ Nachholbedarf in Bezug auf die FSME-Impfung ortet der Sozialmediziner in Deutschland, Schweden und den östlichen Nachbarländern Österreichs.

Neue Endemiegebiete

Die Ausbreitung der Zecken in höhere Regionen belegte Prof. Dr. Franz X. Heinz, Vorstand des klinischen Institutes für Virologie der MedUni Wien: In Vorarlberg wurde durch nichtpasteurisierte Milch eine Übertragung des FSME-Virus beobachtet. Sechs ungeimpfte Personen wurden durch den Genuss von Käse – hergestellt aus der Milch einer einzigen infizierten Ziege – mit dem FSME-Virus angesteckt (die Ärzte Woche berichtete). „Vier dieser Personen entwickelten eine FSME und mussten hospitalisiert werden“, berichtete Heinz. „Bemerkenswert ist dabei, dass sich diese Ziege auf einer Alm in einer Seehöhe von 1.564 Metern aufhielt und alles darauf hinweist, dass sie sich auch in dieser Höhe mit dem FSME-Virus infiziert hatte.“ Durch Pasteurisierung wird das Virus übrigens abgetötet.

Tirol führt in der Statistik

„Dieses Beispiel zeigt, wie sich neue Endemiegebiete vor allem in den Tälern alpiner Regionen etablieren“, hielt der Virologe fest. So nimmt etwa Tirol erstmals seit Erfassung der FSME-Fälle in Österreich mit 20 hospitalisierten Patienten Platz eins in der Erkrankungsstatistik ein, gefolgt von Kärnten und der Steiermark mit je 17 Erkrankungen. An dritter Stelle liegt Oberösterreich mit 14 FSME-Fällen.

Wie schon in den vergangenen Jahren sind Personen ab dem 50. Lebensjahr überproportional häufig betroffen, mehr als 65 Prozent aller FSME-Erkrankungen betreffen diese Altersgruppe. Aber bereits ab dem 40. Lebensjahr steigt die FSME-Gefahr deutlich an: Im Vorjahr waren 68 FSME-Patienten älter als 40 Jahre, das sind fast 80 Prozent der berichteten Erkrankungen. Ein 78-jähriger Patient aus der Steiermark verstarb an den Folgen einer schweren Meningoenzephalitis. Beobachtet wurde auch die Erkrankung einer ungeimpften Schwangeren, das Neugeborene trug allerdings keine Schäden davon.

Bis 31. Juli wird der FSME-Impfstoff vergünstigt abgegeben. Der Preis beträgt für Jugendliche bis zum vollendeten 16. Lebensjahr 22,60 Euro, für ältere Personen 26,60 Euro.

 

Quelle: Pressekonferenz von Baxter, 17. Februar 2009, Wien.

Kasten:
FSME-Impfschema
• 2 Impfungen im Abstand von 2-4 Wochen
• 3. Impfung nach 9-12 Monaten
• 1. Auffrischungsimpfung nach 3 Jahren, danach
• Auffrischungsimpfungen alle 5 Jahre bis zum 60. Lebensjahr
• ab dem 60. Lebensjahr Auffrischung alle 3 Jahre
• Kinder unter 1 Jahr sollten nur bei zwingender Indikation geimpft werden, unterste Altersgrenze sind 6 Monate.

Von Sabine Fisch, Ärzte Woche

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