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Infektiologie 4. März 2009

Viele Grippeviren, eine Impfung

Im Laborversuch mit Mäusen gelang die Neutralisierung verschiedener Erreger.

Zurzeit müssen laufend neue Grippeimpfungen entwickelt werden, um die sich verändernden Viren unschädlich zu machen. Nun haben Wissenschaftler entdeckt, dass Antikörper, die an einer anderen Stelle andocken als die bisherigen Vakzinen, viel effizienter sein können, denn auch Grippeviren haben eine „Achillesferse“. Im Laborversuch gelang es, eine ganze Reihe von Influenzaviren in Schach zu halten.

 

Amerikanischen Forschern ist es gelungen, eine kleine Gruppe von Antikörpern zu identifizieren, die bei Zellkulturen und im Tierversuch mit Mäusen in der Lage waren, eine ganze Reihe von Grippevirenstämmen zu neutralisieren. Gegen zehn der 16 bekannten Varianten des Membranproteins Hämagglutinin erwiesen sie sich als wirksam: Geimpfte Mäuse überlebten die Exposition gegenüber tödlichen Dosen von H5N1 (Erreger der Vogelgrippe) oder H1N1 (Auslöser der Spanischen Grippe), auch gegen mehrere der aktuell verbreiteten Stämme waren sie geschützt.

Immunsystem wird geködert

Ursprünglich hatte das Team von Wissenschaftlern um Dr. Wayne A Marasco von der Harvard Medical School „nur“ nach einem Antikörper gegen H5N1 gesucht, es stellte dann aber fest, dass die gefundenen Antikörper auch andere Stämme blockieren konnten.

„Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen, die wir im Laufe unserer Studie gemacht haben, war, dass wir bei Influenza-Viren eine hochkonstante Region im ‚Hals‘ des Hämagglutinin-Proteins entdeckt haben, gegen die der Mensch aber selten Antikörper bildet“, erklärt Marasco. „Indem der Kopf des Proteins immer wieder mutiert, bringt er das Immunsystem dazu, Antikörper gegen den Kopf statt gegen dessen Hals zu bilden. Somit fungiert der Kopf als eine Art Köder, der das Immunsystem ablenkt, wie wir glauben.“

Gewusst wo ansetzen

Dass der stabförmige Mittelteil des Hämagglutinin-Proteins sich kaum verändert, liegt daran, dass die Fähigkeit der Fusion der Virenhülle mit der Zellmembran gewährleistet bleiben muss. Würde sich der Mittelteil ebenso rasch verändern wie der Kopf, wäre das Eindringen des Erregers in die Zelle nicht mehr möglich. Damit käme es auch zu keiner Erkrankung. Also bilden die identifizierten Antikörper, die genau dort andocken, sozusagen einen Breitband-Grippeschutz.

Dauerhafter Impfschutz

Trotz der heute verfügbaren Impfungen und Medikamente fordern saisonale Grippeinfektionen weltweit über 250.000 Todesopfer. Daher soll nun, wie Studienleiter Marasco weiter ausführt, versucht werden, eine Impfung zu entwickeln, die eine Immunantwort nach sich zieht, die sich gegen die invariable Region des Hämagluttinins richtet, um so eine dauerhafte Immunität zu erlangen. Die Forscher hoffen, dass vor allem Personen mit Immunschwächen oder die besonders exponiert sind, wie etwa medizinisches Personal, von den monoklonalen Antikörpern profitieren könnten, sei es zur Impfung oder zur Therapie.

Nach dem Mäuseversuch sind jetzt aber erst einmal die Frettchen dran, bis dann in weiterer Folge daran gedacht werden kann, Studien am Menschen zu beginnen. Auch im besten Fall würden daher bis zur Markteinführung einer solchen Impfung noch Jahre vergehen. Da aber Antikörper relativ kurzfristig in großen Mengen hergestellt werden können, wären sie dann in Zeiten einer Pandemie relativ rasch verfügbar.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology (doi: 10.1038/nsmb.1566 ) vorab online publiziert.

Von Mag. Patricia Herzberger, Ärzte Woche

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