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Abb. 5: Zuweisung an die Bakteriologie nach festgelegten Kriterien, gebunden an das jeweilige zu untersuchende Material.

Abb. 6: Festgelegte klinische und mikrobakteriologische Parameter für die Diagnose.

Abb. 7: Risikofaktoren für Atemwegsinfektionen.

Abb. 8: Die Diagnose wird verfiziert.

 
Infektiologie 2. März 2011

Nosokomiale Infektionen reduzieren

Screening und Surveillance an der anästhesiologischen Intensivstation im LKH Villach

Unsere anästhesiologische Intensivstation am LKH Villach umfasst acht systemisierte Betten, mit der Möglichkeit Patienten bei Bedarf in zwei Einzelkojen zu isolieren. Wir betreuen allgemeinchirurgische, unfallchirurgische, gynäkologische und orthopädische sowie traumatologisch-neurologische Patienten.

Nosokomiale Infektion

Screening und Surveillance sind wichtige Instrumente, da die Häufigkeit, mit der sich ein Patient während des Krankheitsverlaufs eine nosokomiale Infektion zuzieht, trotz des Fortschritts in der Medizin nicht abnehmen, sondern eher noch zunehmen wird.

Folgende Faktoren sind hierfür verantwortlich:

  • Das hohe Alter vieler Patienten, verbunden mit chronischen Grundkrankheiten und verminderter Reservekapazität.
  • Aufgrund der Fortschritte in der operativen Technik werden immer kompliziertere und schwierigere Operationen durchgeführt
  • Immer häufiger werden komplizierte invasive, apparative Maßnahmen mit erhöhtem Infektionsrisiko durchgeführt.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der vermehrte Antibiotikaverbrauch bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen, sowohl durch die zunehmenden Verschreibungen im stationären wie auch im niedergelassenen Bereich, zu einer besorgniserregenden Zunahme von multiresistenten Problemkeimen (MRSA, VRE, ESBL) geführt.

Krankenhausinfektionen machen den Großteil aller im Spital auftretenden Komplikationen aus. Entsprechend müssen sie als ein ernstzunehmendes Problem jedes Krankenhauses erkannt werden. Im Krankenhaus erworbene Infektionen führen einerseits zu einem verlängerten KH-Aufenthalt – je nach Art der Infektion im Durchschnitt um vier Tage – und andererseits zu einer erhöhten Morbidität und Mortalität.

Statistisch gesehen, treten in Akutkliniken in Europa durchschnittlich 3,5 bis 11,6 Krankenhausinfektionen auf. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt in seinem Bericht von 2005 drei Millionen nosokomiale Infektionen pro Jahr in Europa an, bzw. 50.000 daraus resultierende Todesfälle. (Annual European Communicable Disease Epidemiological Report 2005)

Nicht zu übersehen ist, dass invasive medizinische Hilfsmittel eine weitaus größere Rolle bei der Entstehung von nosokomialen Infektionen spielen als die Grundkrankheiten der Patienten. Bei diesen Hilfsmitteln handelt es sich beispielsweise um den Harnwegskatheterismus (Ursache von nosokomialen HWIs) oder die endotracheale Intubation und die apparative Beatmung (Ursache von Beatmungspneumonien).

Screening

Screening ist ein auf bestimmte Kriterien ausgerichteter orientierender Siebtest.

Screening an der IBST Villach

MRSA (methicillin resistenter Staphylococcus aureus)

  • Nasenabstrich 1 x pro Woche , an einem festgelegten Tag
  • Durchgeführt bei Patienten, die aus Pflegeeinrichtungen kommen bzw. einen längeren stationären Krankenhausaufenthalt hinter sich haben, sofort bei der Aufnahme (werden nach Möglichkeit bis zum Befundergebnis isoliert)

01/08/2008 bis 31/07/2009

  • Nasenabstriche 276
  • Davon positiv 32 = 11,6 %
  • Bereinigte Daten MRSA : 4 = 1,4 %

Trachealsekret

Wöchentliche Kontrolle (um einen Hinweis auf das Keimspektum bei ev. später auftretenden broncho-pulmonalen Infekten zu bekommen, keine Therapiekonsequenz).

Surveillance

Unter Surveillance wird die systematische und kontinuierliche Überwachung von Erkrankungen verstanden. Neben dem Erfassen von Krankenhausinfektionen, zählen dazu auch das Erfassen, Überwachen und Bewerten bestimmter resistenter Erreger. In der Folge werden Maßnahmen zur Eingrenzung oder womöglich Verhinderung einer Infektionskrankheit getroffen.

Surveillance an der IBST

im Sinne der Surveillance überwachen wir:

  • HWI – durch Uricult
  • VAP – durch PTC (protected telescopic catheter)
  • Sepsis – durch BK , Septifast ( PCR = Polymerasenkettenreaktion )

Statistik

Die Infektionsrate wird als Dichte bezeichnet:

Dichte VAP (n Patienten mit VAP/n Beatmungstage)* 1000

Dichte Harnwegsinfekt: (n Patienten mit HWI/n Harnkathetertage) * 1000

Sowohl die Device-Dichte als auch die Dichte der auftretenden Harnwegsinfektionen und Ventilatorassoziierten Pneumonien an unserer Intensivstation, werden mit den KISS-Daten des ITS-Moduls chirurgischer Intensivstationen des NRZ (Nationales Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen, Deutschland) verglichen. Unser Abteilungsziel ist es, die 75. Perzentile der KISS-Daten nicht zu überschreiten. Würde eine der Indikator-Infektionen über die 75. Perzentile des NRZ hinausgehen, müssten entsprechende gegenregulatorische Maßnahmen getroffen und damit die Infektionsrate wieder gesenkt werden.

Die Vergleichszeiträume werden möglichst ähnlich gehalten. Derzeitige Letztdaten des KISS stammen von Dezember 2009 (http//www.nrz-hygiene.de/surveillance/its.htm).

Sepsis

Im Vorjahr haben wir mit dem neuen Infektionserfassungssystem erstmals unsere Sepsisdaten erfasst. Die Einteilung erfolgt nach den Richtlinien der Surviving Sepsis campaign und wird unterteilt in

  1. SIRS (septic inflammatory response syndrom) = ohne Keimnachweis SEPSIS, SCHWERE SEPSIS und SEPTISCHER SCHOCK
  2. nach dem zeitlichen Auftreten in community acquired (weniger als 48 Stunden im Krankenhaus), nosokomial acquired (mehr als 48 Stunden im Krankenhaus) und ICU acquired (mehr als 48 Stunden an der IBST)

und da eine negative BK eine Sepsis nicht ausschließt

  1. in klinisch (kein Keimnachweis) und verifiziert (mit Keimnachweis).

Infektionserfassungssystem

Zu den Daten kommen wir durch ein Infektionsdatensystem, das im März 2009 neu konfiguriert wurde. Das Ausfüllen der Zuweisung an die Bakteriologie erfolgt nach festgelegten Kriterien, welche an das jeweilige zu untersuchende Material gebunden sind.

Ein wichtiger Faktor ist der Zeitpunkt der Aufnahme des Patienten in das Krankenhaus – weniger als 48 Stunden = community acquired – bzw. an der Intensivstation – weniger als 48 Stunden an der IBST = nosokomial acquired – mehr als 48 Stunden = ICU acquired

Weiters werden zum jeweiligen Krankheitsbild die CDC (Centers for Disease Control and Prevention) Kriterien abgefragt.

Daraus ergibt sich beim Vorliegen entsprechender Parameter die klinische Diagnose, welche durch einen Keimnachweis von der Bakteriologie bestätigt und dadurch verifiziert werden kann.

Mit dem Keimnachweis erhalten wir ein Antibiogramm und eine Quantifizierung der Keime (z. B.: 102, 103, 104 … oder +, ++, +++).

Ergibt sich kein Keimnachweis, behält der Patient die klinische Diagnose.

Zusammenfassung

Um die Problematik einer nosokomialen Infektion möglichst zu minimieren, führen wir ein Screening der Patienten, sowie eine Surveillance der Infektionsdaten an unserer IBST durch. Dadurch ergibt sich für uns die Möglichkeit das Keimspektrum der nosokomialen Infektionen zu erfassen und gegebenenfalls frühzeitig auf Änderungen im Keimspektrum zu reagieren.

Auf der Basis der Ergebnisse der jährlich, aus allen an unserer Station abgenommenen Proben erstellten Keimstatistik, wird in Zusammenarbeit mit unserem hygienebeauftragten Arzt eine Leitlinie zur empirischen Therapie der jeweiligen nosokomialen Infektionen erstellt. Weiters können durch den Vergleich der erhobenen Daten mit den Vorjahren, Veränderungen des Keimspektrums im Sinne einer Selektion, sowie Resistenzentwicklungen erkannt und diesen sofort entgegengesteuert werden. Diese First line-Therapie erhält jeder Patient bis zum Keimnachweis und dem dazugehörigen Antibiogramm. Danach erfolgt eine Anpassung der antibiotischen Therapie, wenn möglich mit Deeskalation.

Die Erfolge mit einer Reduktion von multiresistenten Keimen, sowie einer Verminderung der Antibiotikaverschreibungen und der damit verbundenen Kostensenkung, ermutigen uns mit dieser Arbeit fortzufahren.

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