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Infektiologie 11. Jänner 2011

VIR-576: Neues Therapieprinzip gegen Aids

Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universität Ulm konnten in einer klinischen Studie zeigen, dass das Peptid VIR-576 die Vermehrung von HI-Viren bei Patienten wirksam hemmt.

Die meisten Medikamente für HIV-Infizierte unterdrücken Vermehrungsschritte der Viren in den Zellen. Zwei Medikamente mit einem anderen Wirkmechanismus sind zugelassen, die die Verschmelzung von Viren und menschlichen Zellen hemmen. Sie verändern zum Teil die Oberflächenstruktur der menschlichen Zelle und wirken so dieser Fusion entgegen. Das Peptid VIR-576 hingegen bindet an das Hüllprotein des HI-Virus. Es blockiert auf der Virusseite das Fusions-Eiweiß („sticky finger“), das für die Verankerung auf der Membran der menschlichen Zelle essenziell ist. VIR-576 verringert, wie andere AIDS-Medikamente, die Anzahl der Viren im Blut HIV-Infizierter. Der Vorteil des innovativen Konzepts besteht darin, dass weniger Nebenwirkungen auftreten. Dies wird damit erklärt, dass das Peptid nicht auf die menschliche Zelle wirkt, sondern an die Fusionspeptide des Virus bindet. Zudem ist VIR-576 ein Abkömmling eines normalerweise im Blut vorkommenden Eiweißes. Die Wahrscheinlichkeit von Resistenzbildungen sei zudem geringer als bei bisher gebräuchlichen Medikamenten, weil das Peptid an einen Teil des Virus bindet, der sehr konstant ist. In der klinischen Studie belegten die Forscher die Verträglichkeit von VIR-576 und die Wirksamkeit sowie die notwendige Dosierung. Sie verabreichten das Peptid 18 HIV-Infizierten zehn Tage lang in verschiedenen Dosen – per Dauerinfusion, weil VIR-576 im Blut rasch abgebaut wird. Allerdings ist die Substanz derzeit noch nicht für die breite klinische Anwendung geeignet.

Quelle: Forssmann, W.-G. et al.: Science Translational Medicine 22 December 2010; 2 (63): 63re3; doi:10.1126/scitranslmed.3001697

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