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Prof. Dr. Sepp Leodolter Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie an der Medizinischen Universität Wien
 
Infektiologie 11. Jänner 2011

Fortschritte in der Diagnose verbessern die Prognose

Moderne Labordiagnostik trägt wesentlich dazu bei, Krankheiten früh zu erkennen und Leiden zu vermindern.

50 Prozent aller Gebärmutterhalskrebsvorstufen bleiben durch herkömmliche Diagnosemethoden unerkannt. Durch eine neue Screeningmethode könnte diese Rate auf 10 Prozent gesenkt werden.

 

Ein neuer Genotypisierungs-Test verspricht große Fortschritte in der Erkennung von bösartigen Infektionen mit dem Humanen Papillomavirus (HPV), wie Zwischenergebnisse der bisher umfassendsten Studie in diesem Bereich, die ATHENA-Studie, zeigen.

Im Rahmen dieser im Auftrag von Roche durchgeführten Studie wurden von Mai 2008 bis August 2009 rund 47.000 Frauen untersucht. Eine von zehn Patientinnen im Alter von 30 Jahren oder älter, bei der der HPV-Genotypisierungstest für die HPV-Risikotypen 16 oder 18 positiv ausfiel, zeigte eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs, obwohl ihr PAP-Abstrich unauffällig war.

„Die Studie belegt klar, dass nur eine Kombination von HPV-Genotypisierungstest und PAP-Abstrich ausreichende Sicherheit bietet. Wendet man beide Untersuchungen an, erkennt man 90 Prozent aller Krebsvorstufen. Das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, sinkt daher auf ein Minimum, ist Prof. Dr. Sepp Leodolter, Leiter der Klinischen Abteilung für allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie an der Medizinischen Universität Wien, überzeugt.

DNA-Diagnostik kann Krebs verhindern

In Österreich leben rund 1,9 Millionen Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren. Die Anzahl an Neuerkrankungen an Gebärmutterhalskrebs liegt in Österreich bei 375 Fällen pro Jahr, 2009 starben in Österreich laut Statistik Austria 141 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Eine Zellprobe kann das Risiko von Gebärmutterhalskrebs erkennen: Für die Patientinnen ist der Genotypisierungstest absolut schmerzfrei, für Ärztinnen und Ärzte einfach durchzuführen. Nach dem Abstrich wird die Zellprobe in einem molekulardiagnostischen Labor vollautomatisch untersucht. 14 HPV-Hochrisiko-Typen können auf diese Weise ermittelt werden – die Prüfung der Typen HPV 16 und 18, die rund 70 Prozent aller Zervixkarzinome verursachen, erfolgt durch Genotypisierung. Ist das Testresultat positiv, werden weitere Schritte in der Diagnostik und eventuell eine Behandlung eingeleitet, da ein erhöhtes Risiko für Krebsvorstufen besteht.

Im Falle eines negativen Ergebnisses kann die Patientin sofort beruhigt werden.

„Der Nutzen von Labordiagnostik und Genotypisierung liegt auf der Hand: Eine rasche DNA-Diagnostik von HPV-Infektionen kann Gebärmutterhalskrebs verhindern. Das bringt Sicherheit, Ruhe und mehr Lebensqualität für die Patientinnen. Und nicht zuletzt wird die Prävention anstelle von reaktiver Behandlung gestärkt“, plädiert auch Prof. Dr. Thomas Szekeres, Facharzt für Labormedizin und Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, für die Kombination von Genotypisierung und PAP im Rahmen der HPV-Labordiagnostik.

Hepatitis C – Heilung durch rasche Diagnose

Als weiteres Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Labordiagnostik führte Prof. Dr. Szekeres den Bereich Hepatitis C an. Hier hat die Labordiagnostik ihren medizinischen Nutzen bereits unter Beweis gestellt – heute ist eine Heilung durch rasche Diagnose möglich. Durch eine Viruslastbestimmung profitieren derzeit rund 30 Prozent aller Patienten von einer verkürzten Therapie: Diese müssen nur 24 statt 48 Wochen behandelt werden, was die Lebensqualität erhöht und Nebenwirkungen reduziert.

Effiziente Behandlung spart Kosten

In Österreich erkranken pro Jahr rund 1.000 Personen an Hepatitis C. Gesundheitsökonom Prof. Dr. Thomas Schröck: „Ein Hepatitis C-Test kostet zirka 40 Euro und wird im Schnitt fünfmal durchgeführt. Bei 1.000 Patienten entspricht dies 200.000 Euro pro Jahr. Die Kosten für eine Therapie von 48 Wochen belaufen sich auf rund 18.000 Euro, die Ersparnis bei einer verkürzten Therapie von 24 Wochen liegt bei 300 Fällen somit bei insgesamt 2,5 Millionen Euro pro Jahr bei gleichem medizinischen Nutzen. In ein bis eineinhalb Jahren wird eine neue Therapie erwartet, die eine verkürzte Behandlung für 70 Prozent der Patienten ermöglicht“, kündigte Schröck an.

Auch beim HPV belegt eine Kosten-Nutzen-Rechnung eindeutig die Effektivität und Bedeutung der Vorsorgeuntersuchungen.1

 

1 Deutsche Agentur für HTA, 2010: Entscheidungsanalytische Modellierung zur Evaluation der Langzeit-Effektivität und Kosten-Effektivität des Einsatzes der HPV-DNA-Diagnostik im Rahmen der Zervixkarzinomfrüherkennung in Deutschland

 

Quelle: Pressekonferenz „HPV: Neue Diagnostik verspricht großen Fortschritt in der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs“, 7. Dezember 2010, Wien

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