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Infektiologie 11. Jänner 2011

Nur geringe Akzeptanz

Aktive Immunisierung zur Prävention von invasiven Pneumokokken-Erkrankungen.

Pneumokokkenerkrankungen könnten vor allem bei Kindern durch eine Impfung verhindert werden, aber auch ältere Personen würden von ihr profitieren.

 

Laut Daten der WHO beträgt die weltweite Mortalität von Kindern unter 5 Jahren durch impfpräventable Erkrankungen bei Pneumokokken 28 Prozent, bei Masern 21 Prozent, bei Rotaviren 16 Prozent, bei Haemophilus influenzae 15 Prozent, bei Pertussis 11 Prozent, bei Tetanus acht Prozent und bei Gelbfieber ein Prozent. „Die wahre Krankheitslast wird jedoch oft unterschätzt, weil keine sensitiven und spezifischen Diagnosen existieren und Blutkulturen, Trommelfellpunktionen sowie Thoraxröntgen nicht routinemäßig durchgeführt werden“, betonte Prof. Dr. Heinz Burgmann von der Universitätsklinik für Innere Medizin I in Wien.

Häufigstes durch Pneumokokken bedingtes Krankheitsbild ist Otitis media (bei Kindern), aber auch Pneumonien und in selteneren Fällen Bakteriämie/Sepsis bzw. Meningitis können die Folge sein.

Die Inzidenz vor allem der invasiven Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) ist bei Kindern und älteren Personen am höchsten. Daher sind sie Zielpopulationen der Impfung. Weitere wichtige Risikofaktoren sind Grunderkrankungen wie angeborene oder erworbene Immundefizienz, Sichelzellkrankheit, Asplenie, HIV, Lungenkrankheit, chronische Herzerkrankungen und Niereninsuffizienz, nephrotisches Syndrom, Diabetes, zerebrospinale Fistel und Chochlea-Implantat.

Schwierige Impfstoffentwicklung

Voraussetzung für die lokale und IPD ist die nasopharyngeale Besiedelung durch Streptococcus pneumonie. Bisher sind 91 Serotypen von S. pneumoniae identifiziert, wobei zehn Serotypen für mehr als 60 Prozent der Erkrankungen weltweit verantwortlich sind, 23 für mehr als 90 Prozent. Die Serotypenprävalenz unterscheidet sich jedoch nach Altersgruppe und geographischem Gebiet.

Der derzeit verfügbare Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff deckt die wichtigsten 23 Serotypen ab, wird jedoch für Kinder unter 2 Jahren nicht empfohlen.

Der erste konjugierte Pneumokkoken-Impfstoff (PCV) war der siebenvalente Prevenar (Serotypen: 4, 6B, 9V, 14, 18C, 19F, 23F), der für Kinder unter 2 Jahren, jedoch nicht unter 2 Monaten zugelassen ist. Die Vorteile von PCV lassen sich wie folgt zusammenfassen (Harrison Clin Microbiol Rev 2006; 19: 142-64):

  • Wirksamkeit im Säuglings- und Kleinkindalter
  • Ausbildung eines Immungedächtnisses (Memory)
  • Verlängerte Schutzdauer
  • Möglichkeit der Boosterung
  • Reduktion der Trägerrate
  • Aufbau von Herdenimmunität
  • Keine Hyporesponsiveness

Diese Impfung führte zu einer deutlichen Reduktion der IPD in der geimpften und nicht-geimpften Bevölkerungsgruppe (CDC Morb Mortal Wkly Rep. 2005, 54: 893-897). In Österreich lag 2007 die Durchimpfungsrate bei 25 Prozent, die Kosten werden nur für Risikokinder erstattet.

Durch die Verwendung des PCV7 ist aber auch ein Serotypen-Replacement zu beobachten, besonders durch nicht-Impfstoff-Typen wie 19A. Aber auch epidemische Serotypen wie 1, 5, 7F tragen zu einem signifikanten Erkrankungsanteil in vielen Regionen der Welt bei. Daher wurden im zehnvalenten PCV10 (Synflorix) die Antigene 1, 5 und 7F ergänzt, der PCV13 (Prevenar 13) enthält zusätzlich noch 3, 6A und 19A und verfügt damit über die derzeit breiteste Serotypenabdeckung bei den Pneumokokken-Konjugatimpfstoffen. Prevenar 13 ist für Säuglinge und für Kinder im Alter von sechs Wochen bis fünf Jahren zugelassen. Derzeit laufen auch Studien zur Wirksamkeit bei Erwachsenen.

 

Quelle: Fortbildungsveranstaltung der Ö. Ges. für antimikrobielle Chemotherapie, 20. November 2010

Von Dr. Friederike Hörandl, Ärzte Woche 2 /2011

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