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Infektiologie 15. Dezember 2010

TB – Gefahr für die Zukunft

Internationale Zusammenarbeit soll Ausbreitung kontrollieren

Vor dem Hintergrund von Migration und Reisetätigkeiten betrachten internationale Experten die Verbreitung von Tuberkulose in Osteuropa und den GUS-Staaten mit großer Besorgnis. Das Koch-Metschnikow-Forum richtete daher im vergangenen November in Berlin einen Appell an die deutsche und die russische Regierung, den Transfer von Labormaterialien zwischen den beiden Ländern zu erleichtern.

In Osteuropa ist die Verbreitung von Tuberkulose 13-mal so hoch wie in Deutschland. Im Jahr 2006 wurden in Russland etwa 125.000 Tuberkulosefälle und 28.000 durch die Krankheit verursachte Todesfälle registriert. „Alarmierend sind jedoch nicht nur die absoluten Fallzahlen der Tuberkulose in den GUS-Staaten“, erklärte Dr. Timo Ulrichs, Leiter der Sektion Tuberkulose am Koch-Metschnikow-Forum, „die Verbreitung multiresistenter TB-Erregerstämme, gegen die gängige Präparate nahezu wirkungslos sind, nimmt zu.“

Richard Zaleskis, zuständig für die Tuberkulosekontrolle am WHO-Regional-Büro Europa, bestätigt die bedrohliche Situation in Osteuropa: „85 Prozent aller Fälle von Multiresistenter Tuberkulose weltweit treten in nur 27 WHO-Mitgliedstaaten auf. Von diesen schwer betroffenen Staaten gehören 15 zur WHO-Region Europa.“

Nach Schätzungen der WHO treten weltweit jedes Jahr 450.000 neue Fälle von Multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB) auf. Die höchsten Resistenzraten liegen dabei in Litauen (27,8 %), Usbekistan (26,8 %), Kasachstan (24,7 %), Lettland (12 %) sowie in Regionen der Russischen Föderation (17–19 %). Auch in Deutschland werden multiresistente Erreger nachgewiesen. Im Oktober 2007 vereinbarten die Gesundheitsminister der WHO-Region Europa in der „Berlin Declaration on Tuberculosis“, einen effizienten Kampf gegen die Krankheit zu führen.

Rasche Entdeckung verringert Ansteckungsgefahr

„Entscheidend für eine effektive Tuberkulose-Bekämpfung sind die rasche Entdeckung erkrankter und ansteckender Personen und damit verbunden eine schnell einsetzende effiziente Therapie“, betonte Prof. Dr. Helmut Hahn, Vorsitzender des Koch-Metschnikow-Forums und fordert: „Wir müssen alles tun, um die Zusammenarbeit der engagierten Forscher und Spezialisten in Ost und West weiter zu stärken. Der Austausch von biologischen Probenmaterialien ist für Diagnostik und Forschung existenziell notwendig.“ Darum sei eine Erleichterung des Transfers von Labormaterialien, wie klinischen Isolaten, Stammsammlungen oder Probenmaterialien von Patienten, ein wichtiger Schritt, um die Partnerschaft russischer und deutscher Forscherteams und Diagnostiker sinnvoll fortsetzen zu können.

Quelle: Presseinformation Koch-Metschnikow-Forum, Internet: www.kmforum.eu

Koch-Metschnikow-Forum
Das Koch-Metschnikow-Forum (KMF) ist eine deutsch-russische Wissenschaftsorganisation zur Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Gesundheitswesen in praktisches Handeln. Entstanden als Initiative des Petersburger Dialogs (PD), arbeitet das Forum in Abstimmung mit den Gesundheitsministerien der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation im Rahmen der Modernisierungspartnerschaft Deutschland/Russland. Ziel der Aktivitäten des KMF ist, einen Beitrag zur Angleichung des Russischen Gesundheitswesens an das Niveau der EU zu leisten. Das KMF arbeitet kooperativ mit dem Deutsch-Russischen Forum zusammen, das die gleiche Zielsetzung verfolgt: die Stärkung der Zivilgesellschaften beider Länder. Weiterer Kooperationspartner ist der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft. Die Arbeit des KMF findet in folgenden Sektionen statt: Tuberkulose, HIV/Aids, Virusdiagnostik, eHealth.

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