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Die Hygieneverordnung muss für jede Ordination eigens definiert werden.
 
Infektiologie 7. Dezember 2010

Neue Hygieneverordnung

Stärken und Schwächen der mit 1. Jänner 2011 in Kraft tretenden Regelung.

Seit etlichen Jahren ist die Rede davon, dass das Gesundheitsministerium eine Hygiene-Verordnung (zum Medizinprodukte-Gesetz) erlassen werde. Auch ein Entwurf kursierte bereits. Eher überraschend hat nun die Ärztekammer – basierend auf dem Ärztegesetz – im Sommer eine Hygiene-Verordnung veröffentlicht, die mit 1. Jänner 2011 in Kraft tritt.

Wie es in der Verordnung heißt, hängen die Anforderungen an die Hygiene in einer Ordination „von der Art der in der Ordination erbrachten Leistungen, der Patientenfrequenz und dem Gefährdungspotenzial besonderer Erkrankungen” ab. Deswegen müssen sie für jede Ordination – basierend auf dem Infektionsrisiko – eigens definiert werden. Weiters wird betont, dass Mitarbeiter über Infektionsquellen, Infektionswege und Hygieneerfordernisse in Kenntnis gesetzt werden müssen. Den Mitarbeitern sind auch – unter Beachtung des Risikoprofils der Ordinationsstätte und der Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates – Schutzimpfungen anzubieten (z.B. gegen Hepatitis und Influenza). Eine Ablehnung angebotener Schutzimpfungen ist zu dokumentieren.

Zu der Verordnung gibt es eine Anlage mit genaueren Richtlinien. Diese werden in Zukunft mindestens alle drei Jahre auf ihre Aktualität geprüft und entsprechend überarbeitet werden. Nachverfolgung und Koordination der Versionsführung obliegen der ÖQMed.

In den Richtlinien wird etwa daran erinnert, dass nach jeder Patientenbehandlung mit Hautkontakt die Hände 30 Sekunden lang desinfiziert werden müssen und dass in Behandlungsräumen keine Pflanzen vorhanden sein dürfen.

Sehr ausführlich wird auch die Abfallentsorgung (gemäß der ÖNORM S2104) behandelt. Werden Abfälle über den Restmüll entsorgt, muss sich der Arzt oder die Ärztin (was wenig bekannt ist) Aufzeichnungen über die Zahl der Restmülltonnen, ihr Fassungsvermögen, die Entleerungsintervalle sowie das Unternehmen, das die Tonnen entleert, machen.

Unter- und überrepräsentierte Themenbereiche

„Grundsätzlich finde ich es begrüßenswert, dass die Österreichische Ärztekammer die Hygiene-Thematik behandelt hat“, sagt Prof. Dr. Franz F. Reinthaler, Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Medizinischen Universität Graz und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin (ÖGHMP). Die in der Verordnungsanlage erwähnten Ziele und Grundsätze sowie die allgemeinen Erfordernisse (Teil A) seien unbestritten und lobenswert. Im Teil B bei den speziellen Erfordernissen seien jedoch zahlreiche Mängel zu finden.

Es erhebe sich daher die Frage, warum bei der Ausarbeitung dieser Thematik nicht Hygiene-Fachgesellschaften (ÖGHMP, Österreichische Gesellschaft für Sterilgutversorgung) oder ein universitäres Hygieneinstitut involviert waren. Reinthaler: „Während die ÖNORM S2104 (Abfälle aus dem medizinischen Bereich) und deren Umsetzung überrepräsentiert vorkommen, sind andere Normen und Erkenntnisse wenig oder gar nicht berücksichtigt. Dies trifft insbesondere auf die Aufbereitung von Medizinprodukten zu. Es fehlen hier zum Beispiel Hinweise auf die neuen Erkenntnisse zur Aufbereitung von Endoskopen (so ist die manuelle oder halbautomatische, rein chemische Desinfektion von Endoskopen unsicher, nicht validierbar und daher nur in Ausnahmesituationen vertretbar) oder zum Umgang mit Medizinprodukten, welche bei Creutzfeldt-Jakob-Krankheit-Risikopatienten eingesetzt werden.“ In diesem Zusammenhang stelle sich auch die Frage, warum das Gesundheitsministerium die Hygiene-Verordnung zum §94 Medizinprodukte-Gesetz seit Jahren nicht umsetzt, so der Hygiene-Experte.

 

Link zur Hygiene-Verordnung: http://cms.arztnoe.at/cms/beitrag/1007186/100317/

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Von Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 49 /2010

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