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Infektiologie 1. Oktober 2010

Ein Fall einer fakultativen Diversifizierung des Lebenszyklus des Egels Pleurogenoides sp. (Lecithodendriidae, Plagiorchiida)

Zahlreiche Exemplare des heimischen digenen Darmegels Pleurogenoides sp. (Lecithodendriidae, Plagiorchiida) – eine Gattung, die für die gleichzeitige Koexistenz von genuinen Adultstadien und progenetischen, Erwachsenen-ähnlichen Metazerkarien bekannt ist – wurden zufällig im Ösophagus einer kürzlich zuvor importierten, tropischen Rauhschuppen-Buschviper (Atheris hispida) parasitierend vorgefunden. Die Schlange war zuvor mit dem angenommenen Endwirt des Egels, heimischen Grünfröschen, zwangsgefüttert worden. Demgemäß scheinen Grünfrösche als zweiter Zwischenwirt oder als paratenischer Wirt für Pleurogenoides-Egeln zu fungieren; jedenfalls müssen diese Frösche progenetische Egellarven beherbergen, die sich zu genuinen Erwachsenen entwickeln, wenn sie in einen passenden, nachfolgenden Wirt übertragen werden, in den Ur-Endwirt, in ein Reptil. Die Europäischen Pleurogenoides-Egelarten scheinen eine fakultative Diversifikation ihres Lebenszyklus zu entfalten, sie können ihre Entwicklungsstrategie entsprechend den unmittelbaren Übertragungsgelegenheiten anpassen. Diese phänotypische Plastizität lässt den Parasiten auf jede Veränderung in der Häufigkeit eines Wirts prompt reagieren; üblicherweise führt diese biologische Merkwürdigkeit zu einer Verkürzung des Lebenszyklus, die mit einer Elimination des Endwirtes einhergeht.

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