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Foto: MDC
Molekulares Modell für die ringförmige Anordnung des Mx Proteins. In infizierten Zellen werden Bestandteile des Grippevirus von diesem Ring umschlossen und das Virus damit an der Vermehrung gehindert.
 
Infektiologie 8. Juni 2010

Grippeviren an der Angel

Das Immunsystem kann gegen neue Grippeviren rasch einen Schutzmechanismus aktivieren. Dabei spielt ein Protein, kurz Mx genannt, eine wichtige Rolle. Wie dieses seine antivirale Wirkung entfaltet, haben deutsche Forscher nun klären können.

Unter normalen Umständen wird das Schutzprotein Mx (Myxovirus-Resistenz) kurzfristig Interferon-induziert nach Bedarf hergestellt. Das Mx-Protein entfaltet seine volle Kraft erst nach Zusammenfügung der Einzelmoleküle zu einem hochmolekularen Verbund, wobei sich Ringstrukturen ausbilden. Ein zentrales Element der Ringbildung besteht in der besonderen Faltung eines Teils von Mx, der als Stiel (engl. stalk) bezeichnet wird. Nun wurde die „Stalk“-Struktur am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Freiburg von Mx auf atomarer Ebene entschlüsselt. Dies erlaubt Voraussagen zur Funktionsweise des antiviralen Moleküls. Zusammen mit Ergebnissen aus früheren biochemischen Untersuchungen wird jetzt klar, dass Mx mit der „Stalk“-Struktur eine Art Fußangel bildet, die wichtige Bestandteile des Influenzavirus in der infizierten Zelle fesselt und inaktiviert. Dass es dennoch bei dem Auftreten neuer Grippeviren zu Epidemien oder gar Pandemien kommen kann, hängt mit der Aggressivität und Massivität dieser Erreger zusammen.

Quelle: Gao, S. et al.: Nature 2010; doi:10.1038/nature08972

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