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Foto: victoriapeckham / flickr.com
Individualität aus bakterieller Sicht: Die bisher kompletteste Darstellung dieses Bereiches des menschlichen Körpers liegt nun vor.
 
Infektiologie 17. November 2009

Die Siedler auf und im Körper

Studie ergibt unerwartet große Unterschiede von Mensch zu Mensch und von Test zu Test.

Ein Atlas der Bakterien, die den menschlichen Körper besiedeln, haben Wissenschaftler der Universität von Colorado entwickelt.

 

Das Team um Rob Knight fand unerwartet große Unterschiede bei den verschiedenen untersuchten Personen. Die Wissenschaftler hoffen, dass diese Forschungsergebnisse eines Tages die klinische Forschung unterstützen werden. Es könnte dann möglich sein, bestimmte Stellen am Körper zu identifizieren, wo die Transplantation bestimmter Mikroben Umständen gesundheitliche Vorteile bringt.

Die Studie basiert auf der genauen Analyse der Bakterien, die sich an 27 verschiedenen Stellen der Körper von neun gesunden Freiwilligen fanden. Nicht nur unterschieden sich die Bakterien von Mensch zu Mensch, sie unterschieden sich auch deutlich von einer Körperstelle zur anderen und von Test zu Test. Trotzdem wurden einige Muster sichtbar.

Knight betonte, dass es sich um die bisher kompletteste Darstellung dieses Bereiches des menschlichen Körpers handele. Weitere Forschungsprojekte zu diesem Thema sind bereits geplant. Ziel sei es, herauszufinden, was bei einem normalen Menschen als normal gelten kann. Damit entstehe eine Grundlage für weitere Studien zur Erforschung von Abweichungen, von Krankheiten.

Auf oder im menschlichen Körper leben rund 100 Billionen Mikroben, die eine entscheidende Rolle bei zahlreichen physiologischen Vorgängen spielen sollen. Dazu gehören die Entwicklung des Immunsystems und die Verarbeitung von wichtigen Lebensmitteln.

Die Wissenschaftler sammelten von jedem der Freiwilligen innerhalb von drei Monaten vier Proben. Sie wurden jeweils etwa ein bis zwei Stunden nach einer Dusche entnommen. Mittels der neuesten Gensequenzierungs- und Computertechnik wurden die Profile der an jeder Stelle gefundenen Mikroben erstellt.

Die meisten Stellen wiesen bei den Tests große Abweichungen bei den ermittelten Bakterien auf. Das galt sogar für denselben Menschen. Eine geringere Abweichung konnte bei den Achseln und den Fußsohlen festgestellt werden. Verantwortlich dafür dürfte sein, dass sie den Bakterien eine ähnlich dunkle und feuchte Umgebung bieten. Die geringste Abweichung wurde in der Mundhöhle nachgewiesen. Hautbereiche am Kopf wie Stirn, Nase, Ohr und Haar wurden von einer bestimmten Bakterienart dominiert, Bereiche des Rumpfes und der Beine von einer anderen.

In einer früheren Studie hatten die Wissenschaftler Bakterien auf 102 menschlichen Händen untersucht. Sie identifizierten mehr als 4.200 Arten. Nur fünf kamen jedoch bei allen 51 Teilnehmern vor.

 

www.sciencemag.org/cgi/content/full/1177486/DC1

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