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Infektiologie 1. Mai 2008

Kampf gegen Antibiotikaresistenzen in Schweden – einst, jetzt und in Zukunft

Mit dem vermehrten Auftreten von Pneumokokken mit eingeschränkter Empfindlichkeit gegenüber Penicillin und von Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus wurden in Schweden Forderungen laut, durch zielgerichtete Maßnahmen einem Überschreiten kritischer Schwellenwerte der Resistenzraten vorzubeugen. Anfangs der 1990er Jahre fand sich Schweden aufgrund niedriger Antibiotika-Resistenzraten und eines geringen Antibiotikaverbrauchs in einer sehr günstigen Ausgangssituation. Eine Durchsicht der bisherigen schwedischen Erfahrungen im Lichte neuer und zukünftiger Herausforderungen war das Ziel der vorliegenden Arbeit. Daten zur Resistenzsituation in Schweden, zu Antibiotikaverbrauch, Meldungen anzeigepflichtiger Erkrankungen, Ausbruchskontrolle und Notfallpläne sowie einschlägige wissenschaftlicher Publikationen wurden ausgewertet. In Schweden ist durch gut etablierte mikrobiologische Diagnostiklaboratorien und durch die Möglichkeit, klinische Proben ohne finanzielle Restriktionen zum kulturellen Erregernachweis einsenden zu können, der Aufbau von Resistenz-Surveillancesystemen erleichtert. Antibiotikaverbrauchsdaten können für den Humanbereich seit über 20 Jahren problemlos erhoben werden. Gesetzliche Vorgaben erlaubten die Bildung intersektoraler Gruppen, sogenannter Strama (Swedish Strategic Programme Against Antibiotic Resistance)-Gruppen, zur Resistenzüberwachung auch in den Bereichen Veterinärmedizin und Lebensmittelproduktion auf regionaler Basis. Als Schwachstelle für die Surveillance von Antibiotikaresistenzen wurden unzureichende Datenverarbeitungssysteme ausgemacht. Die Grundstruktur eines dezentralisierten Überwachungssystems hat dazu geführt, dass sich sowohl geplante Maßnahmen als auch konkrete Vorgaben regional sehr unterschiedlich entwickelt haben. Die Tatsache, dass es Schweden bislang gelungen ist, die Problematik der antimikrobiellen Resistenz weitgehend zu beherrschen, kann mit der engen Kooperation zwischen Humanbereich und Vetrinärmedizin und den – mit Unterstützung der Regierung – bereits frühzeitig gesetzten Maßnahmen erklärt werden. Durch laufende Überarbeitung der einschlägigen Gesetze und der Surveillance-Systeme wird derzeit versucht, dem rezenten Anstieg von Breitspektrumbetalaktamasen-bildenden Keimen in Schweden und dem dadurch bedingten Anstieg des Antibiotikaverbrauchs entgegen zu wirken.

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