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Foto:  wikipedia
Die Therapie der durch die Anopheles-Mücke übertragenen Erkrankung wird schwieriger.
 
Infektiologie 25. August 2009

Mittel gegen Malaria büßt seine Wirkung zunehmend ein

Studie: Ausbreitung der Therapie-Resistenz gegen Artemisinin in Asien könnte unabsehbare Folgen haben.

Eine Ausbreitung der Resistenz gegenüber dem derzeit wichtigsten Malariamedikament Artemisinin könnte langfristig katastrophale Folgen für die Bekämpfung einer der gefährlichsten Krankheiten der Menschheit haben. Im nunmehr zweiten Artikel im New England Journal of Medicine beschreiben die Autoren erstmals die fortschreitende Verbreitung der Resistenz in Asien, ausgehend von einem kleinen Herd an der thailändisch-kambodschanischen Grenze.

 

Noch im 19. Jahrhundert war die Malaria über fast ganz Europa verbreitet. Obwohl sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dank neuer Therapiemöglichkeiten und Insektizide aus weiten Teilen der Welt erfolgreich verdrängt werden konnte, sterben auch heute jedes Jahr rund eine Million Menschen an Malaria, die meisten von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren.

Trotz massiven Einsatzes gelang es in den letzten Jahrzehnten kaum mehr, die Malaria weiter zurückzudrängen. Eine der größten Herausforderungen stellt dabei die Entwicklung von Resistenzen gegenüber praktisch allen in den letzten Jahrzehnten entwickelten Medikamenten dar, die vor kurzem durch Doz. DDr. Harald Noedl vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der MedUni Wien und seinem Team nachgewiesen worden war1 (die Ärzte Woche berichtete).

Frühwarnsystem für Resistenzen gegen Malaria-Medikament

Zwischen den Jahren 2004 und 2007 wurden unter Leitung von Doz. DDr. Noedl in drei Ländern in Süd- und Südostasien (Bangladesh, Thailand, Kambodscha) mehrere klinische Studien mit dem Ziel durchgeführt, das Auftreten und die geographische Ausbreitung von Resistenzen frühzeitig zu erfassen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen wurden im New England Journal of Medicine 2 publiziert. Nachdem im Rahmen dieser Studien erstmals Resistenzen gegenüber dem neuesten und wichtigsten Malariamedikament Artemisinin nachgewiesen werden konnten, belegen die nunmehr publizierten Daten einen deutlichen Trend zu einer Abnahme der Wirksamkeit dieses Medikaments innerhalb Asiens von West nach Ost.

Gestoppter Siegeszug

„Während die neuen Therapien in Südasien noch äußerst wirksam sind, zeigt sich im Westen Thailands schon eine deutliche Abnahme ihrer Wirksamkeit und in Kambodscha echte Resistenz“, so Noedl, „Das Ziel dieser Studien war, ein Frühwarnsystem für das Auftreten von Resistenzen zu etablieren.“

Artemisinine, eine Gruppe von neuartigen Malariamedikamenten, die aus dem einjährigen Beifuß extrahiert werden, bilden derzeit das Rückgrat praktisch aller Versuche, die Malaria zu kontrollieren. Für sie gibt es in der großflächigen Behandlung zurzeit keine wirklichen Alternativen. Dank ihrer hervorragenden Wirksamkeit haben die Artemisinine im letzten Jahrzehnt einen beispiellosen Siegeszug in der Therapie der Malaria angetreten. Praktisch alle derzeit verfügbaren Malariatherapien basieren in irgendeiner Form auf einem Verwandten des Artemisinins. „Da diese einen neuen Wirkungsmechanismus haben und meistens in Kombination mit anderen Medikamenten verabreicht werden, gingen viele Kollegen davon aus, dass es gegenüber den Artemisininen nicht oder zumindest erst sehr spät zur Entwicklung von Resistenzen kommen würde. Unsere Daten zeigen deutlich, dass diese Annahme wahrscheinlich zu optimistisch war“, so Noedl.

Die beiden neuen Studien belegen, dass eine Ausbreitung der Artemisinin-Resistenz jederzeit möglich ist. Eine rasche Ausbreitung über die weltweit von Malaria betroffenen Gebiete (Afrika, Südostasien, Südamerika) könnte die Behandlung ungleich schwieriger bis unmöglich machen.

Keine Gefahr für Reisende

Für Europa bzw. Fernreisende sieht Noedl allerdings keine Gefahr: „Die neueste bei uns verfügbare Malaria-Prophylaxe baut auf anderen Wirkstoffen auf. Aus verschiedenen Gründen, unter anderem aufgrund der Kosten, kommen diese Mittel für einen großflächigen Einsatz in den betroffenen Gebieten allerdings nicht in Frage.“

 

1) Noedl, H. et al. New England Journal of Medicine 2008; 359: 2619–20

 

2) Dondorp, A. M. et al. New England Journal of Medicine 2009; 361: 455–67

MedUni Wien/PH, Ärzte Woche 35 /2009

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