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Immunologie 26. Juni 2008

Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko

Ein Umzug oder die Trennung der Eltern kann bei Kindern das Risiko deutlich erhöhen, später an einer Allergie zu erkranken. Das geht aus einer Langzeitstudie über Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Immunsystem und Allergien hervor. Forscher aus Leipzig, München und Düsseldorf hatten Blutproben von 234 sechsjährigen Kindern untersucht und im Zusammenhang mit Umzug oder Trennung der Eltern erhöhte Blutkonzentrationen des Stresspeptides VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) gefunden. Der Botenstoff VIP könnte eine Vermittlerrolle zwischen Stressereignissen im Leben und der Immunregulation einnehmen, wird in Pediatric Allergy and Immunology (doi:10.1111/j.1399-3038.2008.00727.x) berichtet.
Stressereignisse in der Kindheit stehen zunehmend im Verdacht, eine große Rolle bei der späteren Entwicklung von Asthma, Hautkrankheiten oder allergischen Sensibilisierungen zu spielen. Dramatische Lebensereignisse wie der Tod eines Angehörigen, schwere Erkrankungen eines Familienmitgliedes oder die Trennung der Eltern, aber auch harmlose Ereignisse wie beispielsweise ein Umzug stehen im Verdacht, das Allergie-Risiko bei betroffenen Kindern zu erhöhen. Offenbar spielt das Immunsystem eine Vermittlerrolle zwischen Stress auf der einen Seite und allergischen Krankheiten auf der anderen Seite. Da diese Mechanismen bisher kaum verstanden worden sind, versuchten die Forscher im Rahmen einer epidemiologischen Studie (LISA), stressbedingte Faktoren mit Einfluss auf das Immunsystem zu identifizieren. Parallel zu Blutuntersuchungen analysierten die Forscher auch verschiedenste soziale Faktoren im Umfeld der Kinder, um Auslöser für stressbedingte Fehlregulationen des Immunsystems herauszufinden.
Bei Kindern, deren Eltern sich innerhalb des letzten Jahres getrennt hatten, fanden die Forscher erhöhte Blutkonzentrationen des Neuropetides VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) sowie erhöhte Konzentration von Immunmarkern, die mit der Auslösung allergischer Reaktionen verbunden sind, wie das Zytokin IL-4. Schwere Krankheiten oder der Tod von nahen Verwandten führten dagegen zu keinen auffälligen Veränderungen. Auch Arbeitslosigkeit der Eltern war nicht mit erhöhten Stresspeptidkonzentrationen im Blut der Kinder assoziiert. So tragisch diese Ereignisse auch sind, offenbar sind sie jedoch für die Stressreaktionen von Kindern von geringerer Bedeutung. Wie bereits in einer frühen Arbeit aus der gleichen Studie gezeigt wurde, können auch nach einem Umzug (ebenso wie bei Trennung der Eltern) erhöhte Konzentrationen des Stresspeptides VIP im Blut der Kinder nachgewiesen werden. Vorangegangene Untersuchungen in LISA zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Konzentration u.a. des Neuropeptides VIP und allergischen Sensibilisierungen bei sechsjährigen Kindern gibt.
Auch wenn die Ergebnisse wegen der vergleichsweise geringen Anzahl an betroffenen Kindern vorsichtig interpretiert werden sollten, so geben sie doch wertvolle Hinweise darauf, was durch Stress im Körper passiert. An der Studie waren das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ), das Helmholtz Zentrum München und das Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf sowie weitere universitäre und klinische Partner beteiligt.

www.ufz.de / PH

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