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Immunologie 10. Juli 2008

Allergisch gegen Straßenverkehr

Allergische Erkrankungen treten bei Kindern, die in der Nähe stark befahrener Straßen aufwachsen, häufiger auf. Dies ist das Ergebnis einer Studie an mehreren tausend Münchner Kindern, die jetzt im American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine (2008 Jun 15;177(12):1331-7) veröffent­licht wurde. Eine deutsche Forschergruppe untersuchte in einer Längsschnittbeobachtung über sechs Jahre, ob zwischen dem Auftreten atopischer Erkrankungen und der Belastung durch Luftschadstoffe aus dem Straßenverkehr Zusammenhänge feststellbar sind.
Ihrer Analyse legten die Wissenschaftler einerseits die jeweilige Entfernung der elterlichen Wohnung zu verkehrsreichen Straßen zugrunde, andererseits die dortigen Werte der Luftbelastung mit Feinstaub, Dieselruß und Stickstoffdioxid.
Das Forscherteam um Dr. Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrums München verglich damit die Daten von 3.061 sechsjährigen Kindern aus München und Umgebung. Deren Entwicklung wird im Rahmen der sogenannten GINI- und LISA-Studien seit ihrer Geburt verfolgt.
Die Studien haben unter anderem zum Ziel, verhaltensabhängige und umweltabhängige Risikofaktoren für allergische Erkrankungen zu studieren. In die aktuelle Analyse flossen die Ergebnisse medizinischer Untersuchungen und der regelmäßigen Elternbefragungen ein.
Darüber hinaus wurde bei den Kindern im Alter von sechs Jahren das Auftreten spezifischer IgE-Antikörper gegen häufige Allergene im Blutserum getestet. Mit Hilfe von Rechenmodellen konnten die Wissenschaftler individuelle Werte der Exposition der Kinder durch Feinstaub und Stickstoffdioxid abschätzen. Es zeigte sich, dass mit steigender Feinstaub-Exposition eine Zunahme der asthmatischen Bronchitis sowie der Sensibilisierung gegenüber Pollen und anderen häufigen Allergenen stattfand.
Erhöhte Stickoxid-Exposition war mit der Zunahme von Ekzemen verknüpft. Besonders deutlich zeichneten sich die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von asthmatischer Bronchitis, Heuschnupfen, Ekzemen sowie allergischer Sensibilisierung und dem Wohnumfeld auf: Kinder, die weniger als 50 Meter von einer viel befahrenen Hauptstraße entfernt wohnten, hatten im Vergleich zu abgeschiedener wohnenden Altersgenossen ein um bis zu 50 Prozent höheres Risiko für diese Erkrankungen. Die statistische Analyse der Daten zeigte ein mit steigendem Abstand zur Hauptstraße sinkendes Risiko.

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