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Immunologie 24. Oktober 2007

Mastzellen bekämpfen Bakterien

Mastzellen spielen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Allergien. Aber sie haben auch eine wichtige Funktion bei der Abwehr bakterieller Infektionserreger: Sie locken mit Hilfe chemischer Botenstoffe Zellen an den Infektionsherd, welche die Eindringlinge zerstören und unschädlich machen (Cell Microbiol. 2007 Aug 20; Epub ahead of print). „Uns war zwar klar, dass dieser Zelltyp bei der bakteriellen Infektabwehr irgendeine Rolle spielen muss“, erklärt Studienleiter Siegfried Weiß, „aber welche das ist – da tappte die Wissenschaft bisher im Dunkeln.“ Für die Untersuchungen verwendeten Weiß und seine Mitarbeiter Labormäuse. „Die Tiere haben genauso wie wir Menschen im Grunde zwei Immunsysteme, ein angeborenes und ein durch die Abwehr von Infektionserregern antrainiertes“, so Weiß. „Die Mastzellen gehören zum angeborenen Immunsystem, das besonders schnell aber dafür auch unspezifisch auf Krankheitserreger reagiert.“
Bei einem Teil der Versuchstiere wurden experimentell die Mastzellen entfernt. Danach wurden die Mäuse mit Listeria monocytogenes infiziert. Die Reaktion gegen Listeriose ruht primär auf der unspezifischen Abwehr, Mäuse mit B- und T-Zell-Defizienz können sich gut gegen Listerien zur Wehr setzen. Bei fehlenden Mastzellen konnten dann jedoch 100-fach mehr Bakterien in Milz und Leber nachgewiesen werden. Obwohl Listerien also mit Mastzellen zu interagieren scheinen, konnten in den Mastzellen keine Erreger nachgewiesen werden. Die Mastzellen sonderten aber TNF-alpha ab und lockten so Neutrophile und Makrophagen an.
Bislang hat die Wissenschaft Mastzellen hauptsächlich im Zusammenhang mit Allergien beforscht. „Aber uns war klar, dass der Körper normalerweise keine Waffen auf sich selbst richtet“, erläutert Weiß. „Allergien und damit die Fehlfunktion der Mastzellen sind eine Folge unserer Hygiene. In einer Umgebung mit höherer Keimbelastung haben die Mastzellen genug Infektionen zu bekämpfen, so dass sie sich nicht auf harmlose Stoffe einschießen. Bei einem ‚zivilisierten’ Menschen langweilen sie sich gewissermaßen – und bekämpfen dann auch mal Pollen oder Nahrungsbestandteile.“

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