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Prof. Dr. Michael Popp betreibt Forschung und auch die Landwirtschaft mit großer Leidenschaft
 
Immunologie 29. August 2016

Ein „Pharmer“ aus Leidenschaft

Phytoneering. Mit dem Vertrieb von Naturheilmitteln und Tee-Sorten gründete Josef Popp 1933 in Nürnberg Bionorica. Sein Enkel, Prof. Dr. Michael A. Popp, leitet das Unternehmen heute und forciert das Zusammenwirken von Wissenschaft und Natur.

Wie waren die Reaktionen in der Medizin auf den Beginn der wissenschaftlichen Absicherung der Wirksamkeitsnachweise der Bionorica-Produkte?

Prof. Dr. Michael Popp: Die Wirksamkeit unserer pflanzlichen Arzneimittel haben wir bereits in den 1970er/80er Jahren in kontrollierten Doppelblindstudien getestet, was schon damals national und international Beachtung fand. Auch heute ist Bionorica im Bereich der pflanzlichen Arzneimittel weltweit der Vorreiter, wenn es um den harten wissenschaftlichen Beleg der Wirksamkeit mittels pharmakologischer/klinischer Studien geht.

Nehmen wir das Beispiel Sinupret eXtract, das wir in Österreich unter dem Namen Sinupret intens anbieten. Im Jahr 2012 publizierte das Fachjournal „Rhinology“ die Studienergebnisse, durchgeführt gemäß europäischen Leitlinien zur Behandlung einer Rhinosinusitis. Diese ARhiSi-2-Studie haben wir unter Leitung von Prof. Bachert in Deutschland durchgeführt. Für Sinupret eXtract erhielten wir darüber hinaus ein Patent, das bis 2032 gültig ist. Unser Hustenmedikament Bronchipret wird aufgrund der Studienlage in der Behandlungsleitlinie der deutschen Pneumologen stark empfohlen.

Wir präsentieren unsere Forschungsergebnisse auf den Weltkongressen der Fachgesellschaften. Dabei können wir auf ein starkes internationales Forschungsnetzwerk zurückgreifen. Bionorica hat mittlerweile Kooperationen mit weltweit über 500 führenden Instituten, Kliniken und Universitäten aufgebaut. Rund um den Globus gewinnt die Entschlüsselung von Naturstoffen immer mehr an Bedeutung. Heute sind 60 bis 70 Prozent der neuen Arzneimittel Naturstoffe oder von Naturstoffen abgeleitete Arzneimittel. Auch hier lässt sich deutlich ein Umdenken ablesen.

Wann entstand die Idee, dass standardisierte Pflanzen verwendet werden sollten?

Popp: Mitte der 1990er-Jahre wurde der Anbau von Arzneipflanzen für Bionorica etabliert. Wir arbeiten hier eng mit Wissenschaftlern, Züchtern, Jungpflanzenproduzenten und Anbauern zusammen. Eine spezifikationskonforme Drogenqualität im Anbau erreichen wir mit der Verwendung von ausgewähltem bzw. eigens für Bionorica gezüchtetem Saatgut sowie der Standardisierung von qualitätsrelevanten Faktoren im Anbau, zur Ernte, Nachernte, hier beispielsweise bei der Trocknung, und in der Lagerung. Die Qualität des pflanzlichen Rohstoffs bestimmt maßgeblich die Qualität des pflanzlichen Arzneimittels – und die muss immer gleich hoch sein.

Die Zusammenarbeit auf Forschungsebene mit Österreich ist ein wesentlicher Teil der Forschung bei Bionorica. Sie sehen die Angebote und Rahmenbedingungen in Österreich als ausgezeichnet an, die Österreicher beklagen eher die schlechten Rahmenbedingungen – können Sie die Diskrepanz erklären?

Popp: Hier kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen, und die ist in der Rückschau eindeutig positiv. Wir sind schon seit Mitte der 1980er-Jahre in Österreich aktiv. Denn Österreich spielt für uns eine überaus wichtige Rolle, auch als Forschungsstandort. Im Jahr 2005 gründeten wir die Bionorica research GmbH als 100-prozentiges Tochterunternehmen in Innsbruck. Die Schwerpunkte der Arbeit liegen dort auf der analytischen Charakterisierung pflanzlicher Arzneimittel für alle relevanten Krankheitsbereiche. Unsere Mitarbeiter führen in der Tiroler Landeshauptstadt gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft etwa 30 Forschungsprojekte durch. Es ist die erste private Einrichtung dieser Art in Österreich. Hier haben wir vom Staat und vom Bundesland Tirol viel Unterstützung erfahren. Die Gründung der Bionorica research GmbH wurde durch Fördermittel der Tiroler Zukunftsstiftung und der Republik Österreich mitfinanziert. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden klappt ausgezeichnet.

Sieben Jahre nach Gründung der Bionorica Research kam dann für uns in Europas „Silicon Valley der Phytomedizin“ das nächste Highlight: 2012 wurde das ADSI (Austrian Drug Screening Institute) in Innsbruck eröffnet. Das Institut der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck ist das weltweit erste Forschungsinstitut, an dem Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam mittels Drug Screening nach medizinischen Wirkstoffen suchen und dabei auch die Schätze der Natur nutzen. Bionorica ist exklusiver Partner im Bereich der Phytoforschung. Unser gemeinsames Ziel ist die umfassende pharmakologische wie analytische Charakterisierung von Heilpflanzenextrakten. Man schätzt, dass es weltweit rund 72.000 Heilpflanzen für die Behandlung von Krankheiten gibt. Bisher wurden aber erst 100 erforscht. Wir haben also noch viel vor.

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