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Immunologie 20. November 2015

Herbstzeit – Virenzeit

Immunabwehr stärken mit Grippeimpfung und pflanzlichen Präparaten

Atemwegsinfekte sind die häufigsten Krankheitsbeschwerden zu Beginn der kalten Jahreszeit. In über 90 Prozent der Fälle sind Viren die Auslöser, vor allem Rhino,- Adeno-, Corona-, RSV- und Metapneumoviren.

„Warum die Zahl der Erkältungskrankheiten ausgerechnet im Herbst und Winter deutlich ansteigt, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich ist es nicht nur die Kälte, sondern es spielen auch Faktoren wie selteneres Lüften von Räumen, ein in der dunklen Jahreszeit steigender Vitamin-D-Mangel, Stress, Schlafmangel oder auch Alkohol eine Rolle“, so Prof. Norbert Nowotny, Institut für Virologie, VetMedUni Wien.

Vorbeugen mit Impfung

Echte Grippe, also Influenza, mit schweren Beschwerden, wird von Influenza A- und B-Viren verursacht. Da sich Influenza-Viren laufend verändern, werden sie bereits im Sommer analysiert. Die Virus-Isolate werden an die Impfstoffhersteller weitergeleitet und dienen als Grundlage für den jährlich zusammengestellten Impfstoff. Besonders älteren Menschen wird diese Impfung empfohlen.

Alternative pflanzliche Wirkstoffe

Um das Immunsystem gegen virale Infektionskrankheiten zu stärken, werden zunehmend pflanzliche Wirkstoffe für die Vorbeugung und Therapie untersucht und angewendet. „Arzneipflanzen-Extrakte gegen virale Infekte können auf zweierlei Art wirken: Durch direkte antivirale Effekte werden Viren unmittelbar abgetötet oder zumindest in ihrer Vermehrung gehemmt. Eine immunstimulierende Wirkung führt zusätzlich dazu, dass bestimmte Immunzellen die virusinfizierten Zellen erkennen und eliminieren können. Dadurch wird der Krankheitsverlauf verkürzt oder sogar rechtzeitig verhindert“, berichtet Prof. Dr. Rudolf Bauer, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz.

Purpur-Sonnenhut – Echinacea

Diese Pflanze bietet einiges Potential: Echinacea purpurea. Sie ist eine der am besten untersuchten Pflanzen, die gegen virale Infekte verwendet werden. „Für die immunstimulierenden Effekte werden ihre Inhaltsstoffe, wie v.a. Alkylamide und Polysaccharide/Glykoproteine angeführt, die Killerzellen oder zytotoxische T-Zellen gegen eindringende Viren aktivieren. Zusätzlich entfalten die in Echinacea enthaltenen Alkylamide auch eine entzündungshemmende Wirkung“, beschreibt Bauer, der auch Vorstandsmitglied der Österr. Gesellschaft für Phytotherapie ist, die vielfältige Wirkung. In zahlreichen klinischen Studie wird gezeigt, dass Echinacea am besten wirkt, wenn es bereits bei den ersten Anzeichen eines Infekts eingenommen wird und so die Erkrankung „abfängt“. Die Präparate gibt es als Echinacea-Tabletten und Echinacea-Tropfen. Eine erste kürzlich präsentierte Untersuchung belegt, dass Echinacea bei der Behandlung von grippalen Infekten im Frühstadium genauso wirksam ist wie der konventionelle antivirale Arzneistoff Oseltamivir.

Eine ebenfalls aktuelle Meta-Analyse randomisierter, Placebo-kontrollierter Studien zeigt, dass die Therapie mit den pflanzlichen Arzneimitteln aus Echinacea das Risiko wiederkehrender Infekte signifikant vermindert. „Es zeigt sich weiters, dass die alkoholische Tinktur eine besonders gute direkte, dosisabhängige antivirale Wirkung ausübt und die Virusbelastung deutlich reduziert“, ergänzte Bauer.

Zu den weiteren pflanzlichen Arzneimitteln gegen virale Infekte zählen die Kapland-Pelargonie, eine alte Heilpflanze aus Südafrika, die traditionell bei Lungenerkrankungen eingesetzt wird, und die im gesamten Mittelmeerraum wachsende Zistrose. Für die Kaplan-Pelargonie belegen einige Studien eine positive Wirkung, bei den Zitrosen sind die bisher erschienen Studien umstritten.

Quelle : Presseinformation Natürliche Waffen gegen Virusinfektionen, 24. September 2015

An der Tara – mit Mag. pharm. Ilona Leitner*

„Gerade in der Übergangszeit suchen viele Kunden Rat in der Apotheke, um ihre – meist banalen – Beschwerden zu lindern. Traditionelle Arzneimittel, Teemischungen und Hausmittel helfen bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit, wie sie durch die derzeitigen kalten Morgen und warmen Nachmittage entstehen.

Daher kommen rund um die Uhr viele Fragen auf uns zu, die wir als Apotheker gern beantworten: sowohl therapeutisch mit Phytopräparaten und Teemischungen des Österreichischen Arzneibuches, als auch präventiv mit unserer Expertise.

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Bienenprodukte für die Resistenzsteigerung und Verkürzung der Abheilung banaler Infekte. Sie enthalten Gelee Royal und andere wichtige Aufbaustoffe. Besonders bei jungen, im Stress des Berufslebens stehenden Personen sind Vorbeugung und die Stärkung des Körpers gegen kommende Infektionen wichtig.

* Apothekerin und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie

G. Niebauer, Apotheker Plus 9/2015

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