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© Paul Minder/panthermedia.net

Hübsch aber für Allergiker häufig belastend: Frühblühende Sträucher

 
Immunologie 2. März 2015

Es ist soweit

Die ersten Pollen fliegen durch die Luft und treiben rat- und hilfesuchende Heuschnupfenpatienten in die Apotheke.

Hasel und Erle sind „Frühstarter“ und lassen ihre Pollen bereits dann fliegen, wenn Wintersonne und fehlende Kaltluft für einen milden Jahresbeginn sorgen. Fast nahtlos löst daher inzwischen die Nachfrage nach Heuschnupfenpräparaten jene nach Erkältungsmitteln ab. Heuschnupfen – oder auch Pollinose oder saisonale allergische Rhinitis – ist heute die häufigste allergische Erkrankung in zahlreichen mitteleuropäischen Ländern.

Etwa zwölf Millionen Deutsche und zwei Millionen Österreicher sind betroffen: Unmittelbar nach dem Kontakt mit Pollen leiden sie unter Niesreiz, Fließschnupfen oder einer verstopften Nase sowie roten, juckenden Augen. Zudem können Hautausschläge und Schwellungen - vor allem im Gesicht - , Lichtempfindlichkeit und Einschränkungen im Geruchs- und Geschmackssinn auftreten. Verantwortlich für die Beschwerden ist eine Fehlreaktion des Immunsystems: Die körpereigene Abwehr macht gegen an und für sich harmlose Pollenproteine mobil. Die Pollensaison dürfte durch den Klimawandel verlängert werden. Klimaforscher berichten, dass die Blütenstaubmenge in den vergangenen Jahren europaweit deutlich gestiegen sei, besonders deutlich in den – wärmeren – Städten (etwa drei Prozent jährlich), auf dem kühleren Land immerhin um ein Prozent. So gelten mittlerweile nur noch zwei Monate im Jahr als pollenfrei, der November und der Dezember.

Pollen als Allergene

Die Allergene der Pollinose sind Proteine aus Blütenpollen. Da diese über den Atemtrakt aufgenommen werden, gehören sie zu den Inhalationsallergenen. Für die allergische Reaktion können unterschiedliche Pollenarten verantwortlich sein. Die Frühjahrspollinose wird durch Hasel-, Erlen-, Birken- oder Eschenpollen, die Frühsommerpollinose durch Gräser- oder Getreidepollen und die Spätsommerpollinose durch Kräuter- oder Sträucherpollen ausgelöst.

Frühzeitig eingreifen

Heuschnupfen sollte frühzeitig und konsequent behandelt werden. Dies beugt zum einen unnötigem Leiden sowie einer möglichen Verschlechterung der Symptome vor. Darüber hinaus steigt bei einer unzureichend behandelten Pollinose das Risiko für weitere allergische Erkrankungen. Besonders hoch ist die Gefahr der Entwicklung eines allergischen Asthmas (Etagenwechsel). Hierbei kommt es zu anfallartiger Atemnot, die durch Allergene, körperliche und geistige/psychische Belastung sowie Viren ausgelöst wird.

Medikamentöse Therapie

Verschiedene rezeptfreie Medikamente können die Symptome des Heuschnupfens lindern. Eine rein lokale Therapie ist bei leichten und örtlich begrenzten Beschwerden angezeigt. Bei stärkeren Beschwerden ist eine systemische Therapie beziehungsweise eine Kombination von systemischer und lokaler Therapie angebracht.

Antihistaminika: Sie sind die Klassiker für die Selbstmedikation bei Heuschnupfen. Die gute Wirkung bei allergischen Beschwerden beruht auf einer Blockade von Histaminrezeptoren. Histamin verursacht als stark vasodilatierende Substanz Symptome wie eine laufende Nase und tränende Augen. Zudem ruft Histamin Juckreiz hervor und führt in höheren Dosen durch die Kontraktion der glatten bronchialen Muskulatur zu Atemnot.

Glukokortikoide: Bei starkem allergischem Schnupfen helfen glukokortikoidhaltige Nasensprays. Sie wirken dem Entzündungsprozess in der Nasenschleimhaut entgegen. Dieser hat nach neuen Erkenntnissen neben der Histaminausschüttung große Bedeutung für die nasalen Heuschnupfensymptome. Selbst ein kurzfristiger Allergenkontakt kann eine lang andauernde, subakute Entzündung hervorrufen. Mit Dauer der Entzündung soll die Empfindlichkeit der Nasenschleimhaut gegenüber den auslösenden Allergenen zunehmen. Dann reichen immer geringere Pollenmengen aus, um Heuschnupfensymptome hervorzurufen.

Daher sollen nasale Glukokortikoide neben der Linderung von akuten Symptomen langfristig auch die Sensibilität der Nasenschleimhaut gegenüber Pollen verringern.

Mastzellenstabilisatoren: Sie verhindern, dass Histamin und andere Entzündungsstoffe aus Mastzellen, den körpereigenen Abwehrzellen, freigesetzt werden. Cromoglicinsäure und Nedocromil werden lokal eingesetzt und sind aufgrund des langsamen Wirkeintritts nur zum Vorbeugen und für die Langzeittherapie geeignet. Im Vergleich zu Antihistaminika wirken sie schwächer.

Weitere Medikamente: Ist die Nase kurzfristig stark verstopft, können Nasensprays mit Vasokonstriktoren sinnvoll sein. Aufgrund möglicher Gewöhnungserscheinungen dürfen sie nicht länger als fünf Tage hintereinander eingesetzt werden. Homöopathische Alternativen sind Euphrasia D2 (wenn besonders die Augen betroffen sind) und Allium cepa D6 (wenn besonders die Nasenschleimhaut betroffen ist). Bei starken Beschwerden ist von einer alleinigen Einnahme von Homöopathika abzuraten.

Pollenkarenz

Die medikamentöse Therapie ist in jedem Fall mit Maßnahmen zur Reduktion des individuellen Pollenkontakts zu kombinieren. Hier wird tägliches stoßweises Lüften empfohlen, wenn die Pollenkonzentration in der Luft gering ist. Dies ist auf dem Land abends und in der Stadt morgens der Fall. Zudem hilft es, bei hoher Pollenbelastung Aufenthalte im Freien zu meiden und vor dem Schlafengehen die Haare zu waschen, wodurch Pollen ausgespült werden.

Zum Arzt

Patienten, die länger als vier Tage die Woche und länger als vier Wochen im Jahr unter Heuschnupfensymptomen leiden, sollten diese ärztlich abklären lassen. Im Anschluss an eine ärztliche Diagnose darf auch ein langfristiger Heuschnupfen im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Sind die allergischen Beschwerden sehr stark, kann eine spezifische Immuntherapie sinnvoll sein. Bei diesem Behandlungsansatz werden dem Körper über einen längeren Zeitraum kleine Mengen der allergieauslösenden Pollen verabreicht. Dadurch wird die Sensibilität des Immunsystems gegenüber der auslösenden Pollensorte erniedrigt.

 

Allergie-Risiko-Checks in NÖ Apotheken Erhöhtes Allergie-Risiko oft nicht bekannt

Zur Früherkennung von Asthma führten die Niederösterreichischen Apotheken mit dem Land Niederösterreich und der Österreichischen Lungenunion einen kostenlosen Allergie-Risiko-Check durch. Bei knapp der Hälfte der 1753 Teilnehmer wurde ein erhöhtes Allergie-Risiko festgestellt.

Etwa ein Viertel der österreichischen Bevölkerung leidet an allergischer Rhinitis und etwa 700.000 Personen an allergischem Asthma. Dennoch wird eine Allergie häufig ignoriert. Von den ersten Symptomen bis zur richtigen Diagnose vergehen durchschnittlich sechs bis neun Jahre.

Zwei Drittel der Patienten, die allergische Symptome zeigten, haben noch nie einen Allergietest gemacht. Erst durch die Beratung in der Apotheke wurden Sie auf eine mögliche allergische Erkrankung aufmerksam gemacht. Die Aktion zeigt somit deutlich, dass die Apotheken einen wichtigen Stellenwert bei der Früherkennung von Krankheiten einnehmen“, so die NÖ Apothekerkammer.

Quelle: ÖAK

Fakten

• Viele Pollenallergiker leiden zusätzlich an einer pollenassoziierten Lebensmittelallergie (Kreuzallergie). So reagieren beispielsweise Patienten mit einer Allergie gegen Birkenpollen häufig auch auf Äpfel, Haselnüsse oder Karotten allergisch.

• Als typisches Symptom tritt Brennen und Jucken an Gaumen, Mund und Lippen auf.

• Die Vernetzung kommt durch eine Ähnlichkeit in der Proteinstruktur der Allergene in Pollen und Lebensmitteln zustande.

springer-gup.de, Apotheker Plus 2/2015

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