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Immunologie 25. November 2013

Inhalative Therapie mit Adrenalin getestet

Beim anaphylaktischen Schock müssen Patienten zur Spritze greifen, in Zukunft tut es vielleicht auch der Inhalator.

Bei lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen ist Adrenalin i. m. das wichtigste Medikament. Viele Patienten scheuen jedoch den Einsatz des Autoinjektors. Ist eine inhalative Applikationsmöglichkeit eine Alternative?

Pharmakologen der Universität Köln haben untersucht, ob die Inhalation von vernebeltem Adrenalin für die Selbstmedikation geeignet ist. Bei acht gesunden Probanden wurden Pharmakokinetik und -dynamik von vernebeltem inhaliertem Adrenalin in zwei Dosierungen (4 mg und 8 mg) mit denen von i. m. injiziertem Adrenalin (0,3 mg) und denen einer inhalierten Placebolösung verglichen.

Nach der Anwendung stieg der Adrenalin-Plasmaspiegel in allen drei Gruppen rasch an: Die maximale Konzentration (Cmax) wurde innerhalb von etwa 20 Minuten erreicht. Nach 45–60 Minuten war der Spiegel bei den meisten Probanden auf das Ausgangsniveau zurückgefallen. Die mittlere Adrenalin-Exposition war mit der 8-mg-Dosis inhalativen Adrenalins am höchsten, gefolgt von der 4-mg-Dosis und dem I.-m.-Adrenalin, wobei alle Werte signifikant höher lagen als bei der Placebotherapie.

Die Bioäquivalenz von inhaliertem und injiziertem Adrenalin konnte trotzdem nicht bewiesen werden. Wegen der großen Schwankungsbreite von Cmax- und AUC-Werten (Konzentrations-Zeit-Kurve) waren relevante Unterschiede nicht auszuschließen. „Trotzdem weisen die AUC-Werte darauf hin, dass die Inhalation von 8 mg Adrenalin der I.-m.-Injektion von 0,3 mg Adrenalin nicht unterlegen ist“, schreiben die Studienautoren unter Leitung von Prof. Dr. Uwe Fuhr.

Als Reaktion auf die Verumtherapien erhöhte sich die Herzfrequenz, und zwar signifikant stärker mit den inhalativen Therapien als mit der I.-m.-Gabe. Die Unterschiede wurden gemäß vordefinierter Grenzwerte jedoch als nicht relevant eingestuft. Die anfängliche Herzfrequenz war nach etwa einer Stunde wieder erreicht. Die Studienmedikation wurde insgesamt gut vertragen.

Gute systemische Exposition

Die Pilotstudie zeigt, dass die Inhalation von vernebeltem Adrenalin über ein tragbares Gerät die Substanz im Blutkreislauf verfügbar macht. „Mit 4 oder 8 mg inhalativem Adrenalin werden im Vergleich zu 0,3 mg Adrenalin i. m. eine mindestens ebenso hohe systemische Exposition und zudem stärkere hämodynamische Effekte erzielt, und das bei einem ähnlichen Sicherheitsprofil“, schreiben die Pharmakologen.

 

Originalpublikation: Breuer C et al. Pharmacokinetics and pharmacodynamics of moist inhalation epinephrine using a mobile inhaler. Eur J Clin Pharmacol 2013; 69: 1303–10

Quelle: hautnah dermatologie 2013/5 Urban & Vogel (2013)

DOI: 10.1007/s15012-013-1668-1

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 48/2013

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