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Studienleiter Dr. Robert Sabat
 
Immunologie 14. November 2013

Ein Botenstoff sorgt für Virenschutz

Interleukin-29 schützt die Haut von Psoriasis-Patienten vor Virusinfektionen.

Patienten mit Psoriasis sind weniger anfällig für Virusinfektionen als
Patienten, die unter Neurodermitis leiden. Grund hierfür ist die größere Menge an Proteinen in der an Schuppenflechte erkrankten Haut, die die Vermehrung von Viren hemmen – das haben Forscher der Charité-Universitätsmedizin Berlin herausgefunden.

Das interdisziplinäre Team unter der Leitung von Dr. Robert Sabat von der Klinik für Dermatologie und dem Institut für Medizinische Immunologie hat zudem eine
neue Funktion des Immunsystems entdeckt, die entsprechende Studie wurde in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht [1].
Psoriasis und Neurodermitis führen zu Hautveränderungen, die es Krankheitserregern wie Viren erleichtern, in die Haut einzudringen. Allerdings sind nur bei Neurodermitis-Patienten vermehrt virale Infektionen der Haut zu beobachten. Die Berliner Forscher konnten zeigen, dass in der Haut von Neurodermitis-Patienten eine vielfach
geringere Menge sogenannter antiviraler Proteine produziert wird als in der Haut von Patienten mit Schuppenflechte. Bei der Suche nach dem Auslöser für die unterschiedlich hohe Produktion dieser Proteine ist das Forscherteam auf den Immunbotenstoff Interleukin-29 gestoßen.

Immunbotenstoff Interleukin-29

„Von den über dreißig Botenstoffen der Immunzellen, die wir bei der Schuppenflechte untersucht haben, gab es einzig mit Interleukin-29 einen Zusammenhang mit den Mengen der antiviralen Proteine“, erklärt Dr. Kerstin Wolk vom Institut für Medizinische Immunologie an der Charité. „Tatsächlich ist Interleukin-29 zwar in psoriatischer Haut, nicht
jedoch in Haut mit Neurodermitis vorhanden.“ Durch Wegfangen dieses Botenstoffes in Hautproben von Patienten mit Schuppenflechte ließ sich die dortige Menge der antiviralen Proteine verringern. Das Team konnte außerdem zeigen, dass Interleukin-29 in der Lage ist, die Produktion antiviraler Proteine anzuregen und so die Hautzellen vor Virusinfektionen zu schützen. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass Interleukin-29 insbesondere durch eine spezielle Population von Immunzellen produziert wird, den Th17-Zellen. „Diese Zellen können die Bildung der antiviralen Proteine und somit auch die Virusabwehr in den Hautzellen fördern“, erläutert Dr. Katrin Witte vom Institut für Medizinische Immunologie an der Charité. Somit wurde gleichzeitig eine neue
Funktion dieser Zellen aufgedeckt.

Referenzen
1 Science Translational Medicine, 25 September 2013, Vol. 5, Issue 204, p. 204ra129, Sci. Transl. Med. doi: 10.1126/scitranslmed.3006245
Quelle : Charité – Universitätsmedizin Berlin

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