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Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak, Allergiezentrum Wien West

Huttegger
© Huttegger
Dr. Isidor Huttegger, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Salzburger Landeskliniken

Riedler
© Riedler

Prim. Univ. Prof. Dr. Josef Riedler, Krankenhaus Schwarzach

 
Immunologie 4. Oktober 2013

Allergien – Neues für die Praxis

Experten referierten zum Thema Allergie: Diagnostik, Therapie und Prävention.

Allergische Erkrankungen haben während der letzten Jahrzehnte stark zugenommen. Auch anaphylaktische Reaktionen, besonders auf Nahrungsmittel, sind im Steigen. Erstere betreffen rund 30 Prozent der industrialisierten Bevölkerung. Als Gründe für diese Zunahme kommt Etliches in Frage: Umweltschadstoffe und Lebensstilveränderungen genauso wie der Verlust von immunstimulierenden bzw. immunmodulierenden Schutzfaktoren. „Wie weise ich Allergien am besten nach?" lautete das Thema des Vortrags von Prim. Priv.-Doz. Dr. Fritz Horak, des ersten Referenten des Symposiums. Dazu gibt es ein aktuelles Statement der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI): Warum, wie, wen und wann ist ein Test bei Kindern indiziert? Das Warum ist einfach zu beantworten: Ohne Diagnose keine Prävention - und auch keine Therapie. Ab wann: sobald allergieverdächtige Symptome bestehen, ggf. bereits im ersten Lebensjahr.
Wie: der erste und wichtigste Baustein ist die Anamnese; darauf aufbauend Hauttests, Serum IgE, Provokationstests und sonstige Tests, wie z.B. Erfassung der basalen Serum-Tryptase. Kommt es zu einer Maximalausprägung der allergischen Reaktion, sprechen wir von Anaphylaxie.
„Auslöser und Management der Anaphylaxie" war das Thema des zweiten Referenten, OA Dr. Isidor Huttegger.
Am häufigsten erleidet die Gruppe der Säuglinge und Kleinkinder (0-4 Jahre) ein anaphylaktisches Geschehen, alle anderen Altersgruppen sind weit geringer repräsentiert. „Anaphylaktische Reaktionen können auf jeder Stufe der Symptomatik spontan zum Stillstand gelangen, aber auch trotz adäquater Therapie fortschreiten", so der Experte. Auslöser sind bei Kindern und Jugendlichen meist Nahrungsmittel, gefolgt von Insektenstichen, während bei Erwachsenen Insektenstiche die Liste der Auslöser mit Abstand anführen, gefolgt von Medikamenten
(Quelle: NORA - Anaphylaxie.net).

Die Epidemiologie der Anaphylaxie ist multifaktoriell. Offenbar braucht es das Zusammentreffen verschiedener prädisponierender Faktoren, die einerseits den Lebensstil betreffen (Sport, Alkoholgenuss, Medikamenteneinnahme, Zusatzstoffe in der Nahrung), aber auch Vorerkrankungen, wie Asthma bronchiale, Mastozytose oder eine erhöhte basale Tryptase inkludieren. Letztlich spielen auch patientenspezifische Faktoren eine Rolle: Geschlecht, Alter und Vorliegen einer aktiven Infektion. Unter dem Begriff „a-Gal Syndrome" fassen wir, so Huttegger, eine Gruppe von Kindern zusammen, die eine verzögerte Form der Anaphylaxie mit Angioödem und Urticaria zeigten – sie sind in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben.

In der Behandlung der Anaphylaxie unterscheiden wir die Notfalltherapie (Lagerung, Pharmakotherapie) vom Langzeitmanagement. Das letztere umfasst Instruktion und Notfallmedikamente, auch Diagnostik und Prävention. Die Elemente der Schulung sollen Patienten, die eine allergische Neigung oder eine anaphylaktische Reaktion in der Anamnese haben, Wissensinhalte und Maßnahmen vermitteln, um einer künftigen Anaphylaxie wirksam ausweichen zu können. Der therapeutische Schenkel richtet sich im Notfall gegen die anaphylaktische Reaktion, im Intervall kann allerdings z. B. eine SIT durchgeführt und auch Begleiterkrankungen behandelt werden. Der Auslöser einer anaphylaktischen Reaktion sollte identifiziert werden.

Schulung umfasst die Bereiche Allergenvermeidung, Erkennen von Symptomen und Gabe von Notfallmedikamenten. Regelmäßige Nachschulungen sind empfehlenswert; ebenso eine altersgerechte Betreuung von Jugendlichen.

Last, but not least, referierte Univ.-Prof. Dr. Josef Riedler zum Thema „Kann ich Allergien verhindern?"
Es ist ausgesprochen schwierig, zu definieren, was verhindert werden soll, vor allem weil unter dem Begriff „Allergie" heute meist ein unscharfes Kollektiv subsumiert wird: „Atopie ist nicht gleich Allergie", so der Experte. Weiters muss man sich damit befassen, bei wem und wie man Prävention betreiben will: Es gilt, eine Zielgruppe zu definieren, der klinische Nutzen muss feststehen, die Intervention muss akzeptiert werden, wobei Schäden oder Belastungen möglichst ausgeschlossen werden sollten. Auch muss der Nutzen im Sinne einer objektivierbaren Wirkung und vertretbarer Kosten vorab kalkulierbar sein und der Zielgruppe kommuniziert werden.

Jede präventive Aktion hat Grenzen; beim Formenkreis allergischer Erkrankungen bestehen die Grenzen in Interaktionen zwischen dem genetischen Material des Kollektivs und der Umwelt, welche die Individuen umgibt und beeinflusst (Gen-Umwelt-Interaktion); auch geht aus den vorliegenden wissenschaftlichen Daten hervor, dass bei allergischem Geschehen ein fehlender linearer Dosis-Wirkungszusammenhang gegeben ist.

Für die Entstehung allergischer Erkrankungen bei Kindern gibt es eine Reihe bekannter Risiko-, aber auch Schutzfaktoren. Fest steht, dass Rauchen in der Schwangerschaft und auch später zu den kindlichen Risikofaktoren gehört; aktive Prävention bedeutet daher konsequentes Nichtrauchen. Ausschließliches Stillen für vier Monate hat eine präventive Wirkung gegen allergische Erkrankungen. Gewisse HA Nahrungen haben einen zeitlich begrenzten Effekt auf Atopische Dermatitis (AD) in der Hochrisikogruppe, Präbiotika bewirken eine Reduktion von AD und obstruktiver Bronchitis in der Risikogruppe und von AD bei Kindern, die keiner Risikogruppe angehören.

Die Allergieprävention der Zukunft, so Riedler, wird eine individualisierte, mehrgleisige und Gen-zentrierte sein. Neben der bereits verfügbaren Allergieimpfung werden protektive immunmodulierende Substanzen eine Rolle spielen.

Quelle: Pädiatrischer Frühling, Milupa Lunchsymposium, 24. 5. 2013, Schloss Seggau

Literatur bei den Referenten

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