zur Navigation zum Inhalt
 
Immunologie 11. Dezember 2012

Exanthem bei Penicillingabe ist meist viral bedingt

Der Verdacht auf Penicillin-Allergie bestätigt sich nur selten.

Ein Verdacht auf eine Arzneimittelsensibilisierung im Kindesalter bestätigt sich in vielen Fällen nicht. Doch trotz ausgeschlossener Allergie verweigern so manche Eltern aus Sorge vor einer allergischen Reaktion eine Behandlung mit Penicillin.

Neue Daten zu unerwünschten Arzneimittelreaktionen bei Kindern präsentierte Doz. Dr. Hagen Ott, Katholisches Kinderkrankenhaus Wilhelmstift Hamburg, beim Deutschen Allergiekongress in München.

Ein systematische Auswertung von 102 Studien ergab, dass es bei bis zu 10,3 Prozent aller eingeschlossenen Kinder zu unerwünschten Arzneimittelreaktionen gekommen war, die eine Klinikeinweisung erforderlich machten. Während Medikamentengaben im Krankenhaus traten in bis zu 16,8 Prozent der Fälle Nebenwirkungen auf.

Bei ambulant behandelten Patienten betrug die Inzidenz unerwünschter Arzneimittelwirkungen bis zu elf Prozent. Antiinfektiva war die Substanzgruppe mit den häufigsten unerwünschten Arzneimittelreaktionen (Smyth et al.: PLoS One 2012).

Sehr häufig wird eine Arzneimitteallergie vermutet. Der Verdacht hält jedoch nur in den wenigsten Fälle einer allergologischen Diagnostik stand, berichtete Ott. So konnte in einer aktuellen Studie ein Verdacht auf eine Arzneimittelsensibilisierung nur bei 10,6 Prozent von 658 untersuchten Kindern bestätigt werden (Rubio et al.: Clin Exp Allergy 2012).

Vor allem bei Exanthemen während der Einnahme von Betalaktam-Antibiotika wird häufig eine „Penicillin-Allergie“ vermutet, ohne dass eine zuverlässige Testung dies bestätigt, sagte Ott. Bei 88 Kindern, die wegen urtikarieller Hauterscheinungen oder makulopapulösen Exanthemen in einer Notaufnahme vorgestellt wurden, war ein Patch-Test in keinem Fall, ein intradermaler Test in elf und ein Bluttest in zwei Fällen positiv.

Eine orale Provokation bestätigte bei sechs Kindern (6,8 %) eine Betalaktam-Allergie. Die meisten Kinder wiesen mindestens eine positive Virusserologie auf. Darunter waren 54 (65,9 %) Kinder, bei denen die Provokation negativ geblieben war.

In vielen Fällen kann somit eine Virusinfektion ein vermeintliches „Penicillin-Exanthem“ erklären. Eine orale Provokation bringt Sicherheit, während Haut- und Bluttests nicht ausreichend zuverlässig sind (Caubet et al.: J Allergy Clin Immunol. 2011).

Doch welche Konsequenzen hat eine ausgeschlossene Penicillin-Allergie in der Praxis? Eine Nachbeobachtung von 170 Fällen, in denen ein Verdacht auf eine Penicillin-Allergie durch Haut- und Provokationstests ausgeschlossen werden konnte, ergab: Bei 130 (76%) der Kinder war nach der Allergietestung eine erneute Antibiotikagabe erforderlich geworden. Bei 59 (45%) wurde Penicillin gegeben. Doch 24 (18%) der Eltern hatten eine Penicillingabe verweigert, weil sie nach wie vor eine allergische Reaktion befürchteten (Picard et al.: Allergy Asthma Proc 2012). Eine entsprechende Aufklärung nach Arzneimitteltestungen sei daher unerlässlich, wie Ott betonte.

 

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/52/2012

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben