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Immunologie 29. April 2009

Von Erdnussallergie „geheilt“

Eine kleine Gruppe von Kindern mit Erdnussallergie wurde in einer klinischen Studie mittels Desensibilisierungstherapie erfolgreich behandelt. Die Versuchspersonen konnten an die kontrollierte Einnahme von bis zu zehn Erdnüssen gewöhnt werden.

In einer britischen Studie, die am Addenbrooke’s Hospital in Cambridge/GB durchgeführt wurde, erhielten die Kinder schrittweise erhöhte Dosen von zunächst Erdnussmehl und anschließend ganzen Erdnüssen, bis sie mindestens zehn Erdnüsse essen konnten, ohne dass dies eine allergische Reaktion auslöste.

 

Erdnussallergie bei Kindern ist für die meisten Betroffenen, sowohl für die Kinder als auch für die Eltern, mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Restaurantbesuche, Kindergeburtstage und Ausflüge gestalten sich oft schwierig, da das Kind nicht sorglos essen kann, was ihm angeboten wird.

„Jedes Mal wenn Menschen mit Erdnussallergie etwas essen, haben Sie Angst, es könnte sie töten“, so Dr. Andy Clark, Leiter der Studie, im Interview mit Addenbrooke’s Hospital News. Seine Motivation sei es, den Patienten die Sicherheit zurückzugeben, das zu essen, was ihnen gefällt.

Erhöhte Toleranzschwelle

Die vielversprechende Studie wurde am Addenbrooke’s Hospital in Cambridge/GB unter der Leitung von Dr. Clark durchgeführt; in der Studie wurden vier betroffene Kinder mittels oraler Immuntherapie behandelt, um klinische Toleranz zum Erdnussprotein zu erzeugen. Die Therapie basiert auf dem Prinzip der Desensibilisierung.

In einer ersten Untersuchung zeigten die Kinder eine Toleranzschwelle von 5 bis 50 mg Erdnussprotein, was einem Vierzigstel bis Viertel einer Erdnuss entspricht. Während der Studie wurde den Kindern täglich eine Dosis von Erdnussmehl mit einer Menge von zunächst 5 mg an Erdnussprotein verabreicht. Diese wurde in zweiwöchentlichen Abständen in kleinen Schritten auf bis zu 800 mg Erdnussprotein erhöht. Eines der Kinder erlitt im Laufe dieser Zeit einen allergischen Schock und benötigte eine Adrenalininjektion.

Nach sechsmonatiger Behandlung wurde die Toleranzschwelle der Kinder erneut getestet; dabei stellte sich heraus, dass alle vier Probanden eine erhöhte Dosis von 800 mg Erdnussprotein ohne Komplikationen tolerierten, dies macht eine Erhöhung der Toleranzschwelle von jeweils 48-, 49-, 55- und 479-mal aus. Den Kindern war es möglich, bis zu zehn ganze Erdnüsse zu essen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Allergy (doi: 10.1111/j.1398-9995.2009.01982.x ) publiziert.

Hoffnung auf eine neue Therapie

Frühere Desensibilisierungsprogramme zur Behandlung von Erdnussallergie in den 1990er-Jahren erzeugten starke Nebenwirkungen und waren nicht so erfolgreich. In den damaligen Studien wurde den Probanden das Erdnussprotein durch Injektionen verabreicht. Die weniger starke orale Einnahme, die in der Addenbrooke´s Studie getestet wurde, ist nach Annahme der Studienbetreuer Grund für den Erfolg der jetzigen Therapie.

Nach den vier Probanden der ersten Studie verfolgen nun 18 weitere Kinder im Alter von sieben bis 17 Jahren das Programm, und die Forscher sehen keinen Grund, warum es nicht auch auf erwachsene Probanden ausgedehnt werden könnte.

Es besteht also Hoffnung, dass die lebensbeeinträchtigende Allergie unter entsprechender medizinischer Behandlung bald zur Vergangenheit gehören könnte. Die Wissenschaftler warnen aber davor, die Behandlung selbst nachzuahmen, da medizinische Betreuung äußerst wichtig sei. Es gebe ein ernsthaftes Risiko für eine allergische Reaktion, die eine sofortige medizinische Versorgung erforderlich mache.

 

Quelle: Addenbrooke’s Hospital News (www.cuh.org.uk/addenbrookes )

Von Dr. Amrei Strehl, Ärzte Woche 18/2009

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