zur Navigation zum Inhalt
 
Immunologie 1. Jänner 2011

Studie Histaminintoleranz

Fehlende Reproduzierbarkeit der einzelnen Symptome durch orale Provokation mit Histamin: Eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte cross-over Studie

HINTERGRUND: Der Terminus Histamin-Intoleranz steht für eine ganze Reihe von Symptomen an unterschiedlichen Effektororganen, die nach dem Genuss Histamin-reicher Nahrung auftreten. Das Studienziel war, Histamin-assoziierte Beschwerden durch die Provokation mit einer standardisierten Menge an Histamin zu objektivieren und zu quantifizieren und zu prüfen, ob oral verabreichte Diaminoxidase (DAO) das Beschwerdeausmaß beeinflusst.

PATIENTEN UND METHODEN: Vier Institutionen in Österreich nahmen teil. Es wurden Patienten rekrutiert, die den Verdacht auf Histamin-Intoleranz äußerten. Zunächst erfolgte eine offene orale Provokation mit 75 mg Histamin in Tee. Alle Probanden, die dabei Beschwerden entwickelten, wurden in den verblindeten Teil der Studie eingeschlossen und erhielten in drei weiteren verblindeten, einem crossover Design folgenden Provokationsschritten Kombinationen aus Histamin-freiem und Histamin-hältigem Tee mit Diaminoxidase- und Placebo-Kapseln. Es wurden Haupt- und Nebensymptome (stärkste und weniger starke Beschwerden an den einzelnen Effektororganen auf einer 10-Punkte-Skala) definiert, die Reproduzierbarkeit dieser Beschwerden in Bezug auf die jeweiligen Effektororgane geprüft, die Beschwerden weiters in ihrer Gesamtheit (Summe der Beschwerdepunkte aller Effektororgane) erfasst und Veränderungen nach Supplementation von DAO beurteilt.

ERGEBNISSE: 39 von 56 Patienten reagierten in der offenen Provokation und wurden in den verblindeten Studienabschnitt eingeschlossen. Haupt- und Nebensymptome waren dabei nicht zu reproduzieren, die Probanden reagierten quasi zufällig. Allerdings brachte die Einnahme von DAO eine statistisch signifikante Reduktion von Beschwerden (definiert durch den Rückgang der aufsummierten Gesamtpunkte) im Vergleich zur Placebo-Gruppe.

SCHLUSSFOLGERUNG: Die Ergebnisse erscheinen kontrovers. Möglicherweise reagieren Histamin-intolerante Personen zu unterschiedlichen Zeiten mit unterschiedlichen Symptomen. Die Reproduzierbarkeit definierter Symptome allein würde dann nicht genügen, um eine Histamin-Intoleranz zu bestätigen. Am Kollektiv zeigte sich weiters, dass die Einnahme von DAO-Kapseln im Vergleich mit Placebo-Kapseln zu einer statistisch signifikanten Abschwächung von Beschwerden nach Histamin-Provokation führte.

Peter Komericki, Georg Klein, Norbert Reider, Thomas Hawranek, Tanja Strimitzer, Roland Lang, Bettina Kranzelbinder, Werner Aberer, Wiener klinische Wochenschrift 1/2/2011

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben